Eine Markthalle auf dem Friedrich-Ebert-Platz

Peine.  Die Universitätsabsolventin Lena-Kristin Lauermann entwirft ein Zukunftsmodell für die Stadt Peine.

Eine Markthalle (links unten) auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Peine – ein Vorschlag der angehenden Stadtplanerin Lena-Kristin Lauermann.

Eine Markthalle (links unten) auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Peine – ein Vorschlag der angehenden Stadtplanerin Lena-Kristin Lauermann.

Foto: LKL

Das könnte die Zukunft in Peine sein: Auf dem Friedrich-Ebert-Platz steht eine Markthalle mit einem „satten“ Angebot, mit Lokalitäten so wie in dem Vorbild in Hannover. Oder das Areal am Bahnhof – einladend gestaltet mit kleinen Geschäften. Und am Mittellandkanal sowie im Fuhsetal locken gepflegte Naherholungsräume.

Zukunftsmusik! Ja, aber eine positive Vision. Die angehende Stadtplanerin und Architektin Lena-Kristin Lauermann hat für die Zukunft ihrer Heimatstadt Peine kluge Ideen und intelligente Modelle entwickelt – die Grundlage für ihre Masterarbeit im Fach Architektur und Stadtentwicklung an der Leibniz-Universität Hannover: Die Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven der Stadt Peine als Mittelzentrum.

Dafür hat Lauermann zunächst die Menschen in Peine gefragt, wie sie ihre Stadt sehen. „Wichtig ist, die Bürger in diese Planungen mit einzubeziehen“, betont die Uniabsolventin. Zwar sei eine Umfrage mit etwa 80 Peinern nicht repräsentativ, trotzdem resultierten daraus „sehr interessante Erkenntnisse“. Und die könnten in die Praxis der Stadtplanung übersetzt werden. Für die 29-Jährige sind das wertvolle Impulse – zusätzlich zu den positiven Bemühungen aller Akteure wie Stadtverwaltung, Politikern, Investoren.

Ihre Arbeit hat die frühere Ratsgymnasiastin jüngst der Kaufmannsgilde vorgestellt. Dort gab es viel Beifall – zum Beispiel für die Idee, die Bahnhofszeile ansprechender zu gestalten.

Peine ist schön – und hässlich

Doch zuerst kommen die Bewohner der Stadt zu Wort: „Peine ist schön – aber auch hässlich“, das hat Lauermann häufig gehört. Die Peiner lieben ihre Stadt – aber sie klagen und schimpfen auch. Der Umfrage zufolge bereitet es vielen Menschen ein Vergnügen, durch den Stadtpark zu spazieren, über den Marktplatz zu schlendern. Kein Spaßerlebnis hingegen ist es für die Befragten, durch die düstere Hertie-Brache gehen zu müssen, wo inzwischen kaum eine Schaufensterscheibe nicht zerschlagen ist, oder auf dem schmucklosen Bahnhof auf den Zug zu warten.

Erfahren hat die Wissenschaftlerin in ihrer Umfrage weiter, wer sich in der Stadt und in den Ortschaften besonders wohlfühlt: Gerade junge Paare erfüllen sich ihren Familienwunsch und ziehen deshalb in die nahe Umgebung, wo die Kinder unbeschwert aufwachsen können. Im Alter von 20 bis 30 Jahren aber verlassen viele Singles den Ort – wegen fehlender Zukunftsperspektiven und Freizeitangeboten. Lauermann: „Ein großes Problem – denn so fehlt der Stadt eine Dynamik, die für sie sehr wichtig ist.“

Besonders attraktiv ist Peine der Erhebung zufolge für Rentner wegen kurzer Wege, guter Versorgung und günstiger Wohnungen. Das Durchschnittsalter der Bürger liegt bei 44 Jahren und zeigt ein deutliches Defizit zwischen 18 bis 25.

Dann hat Lauermann die Peiner nach ihren Lieblingsorten befragt, die sie mit positiven Gedanken verbinden. Und nach denen, wo sie sich eher unwohl fühlen. Diese Hinweise für die Stadtplanung sind in dem Schaubild zusammengefasst.

Das Bild der Stadt ist zerrupft

Mit einem dicken Plus versehen sind der Historische Marktplatz, der Hagenmarkt, Töpfers Mühle, der Kirchplatz an der Jakobikirche, die Grünflächen Burgplatz und Stadtpark sowie das Naherholungsgebiet der Eixer See. Besonders beliebte Grünbereiche sind der Herzberg und die Fuhsewiesen.

Ein Minus bekommen die Hertie-Brache, das Bahnhofsareal, der Friedrich-Ebert-Platz, das Migrationsviertel und die Stahlwerke.

So beurteilt Lena-Kristin Lauermann die Ergebnisse: „Es entsteht ein ,zerrupftes’ Bild über Peine bei den Bürgern.“ Und sie warnt: „Das hinterlässt keinen bleibenden Eindruck und ist als Grundlage zur Identifikation mit der eigenen Stadt ungenügend.“

Schere zwischen Nord- und Südstadt

Unterm Strich sticht ein Ungleichgewicht in der Innenstadt heraus. Lauermann: „Mit seiner positiven Wahrnehmung nördlich der Schienen und seinem negativ gedrückten Bild südlich des Bahnhofs. Es gibt eine Schere zwischen Nord- und Südstadt.“

Das Dilemma mit der Zerschneidung der Stadt durch die Bahntrasse ist hinlänglich bekannt und wird auch immer wieder diskutiert. So hatte jüngst Einzelkandidat Thomas Weitling im Rat der Stadt angeregt, die Verkehrsverbindung zwischen Süd- und Nordstadt über die Bahnlinie hinweg zu verbessern. Seine Ideen: ein beschrankter Übergang oder eine Unterführung in Verlängerung der Zehnerstraße; ein beschrankter Bahnübergang in Verlängerung der Kirchhofstraße. Eine Verbesserung der Verkehrssituation sei sinnvoll angesichts der Entwicklung auf beiden Seiten – Stichwort Lindenquartier in der Fußgängerzone; Stichwort neue Wohnbebauung auf den beiden Mälzerei-Arealen am Friedrich-Ebert-Platz. Mehrheitlich wurde jedoch Nichtbefassung beschlossen – wegen Chancenlosigkeit sozusagen. Über die bestehenden Verbindungen Nord-Süd-Brücke, Bahnhofstunnel und Fußgängerbrücke hinaus schließe das Eisenbahnkreuzungsgesetz zusätzliche Übergänge aus.

Fortsetzung folgt.

Lena-Kristin Lauermann (29) hat ihre Masterarbeit im Fach Architektur und Stadtentwicklung an der Leibniz-Universität Hannover zum Thema „Die Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven der Stadt Peine als Mittelzentrum“ verfasst. Damit hat sie ihr Studium erfolgreich abgeschlossen.

Die Autorin arbeitet derzeit in einem Architekturbüro in Hannover, demnächst soll sich eine wissenschaftliche Mitarbeit am Institut für Städtebau der Leibniz-Universität anschließen.

Sie ist in Peine aufgewachsen, hat am Ratsgymnasium ihr Abitur gemacht.

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