Klärteiche: Die schlammige Uferzone macht sie so wertvoll für viele Vögel

Seenanlage bei Wierthe bleibt als Tierparadies erhalten und für Menschen zugänglich – 200 Arten vermutet

WIERTHE. Die Blessgänse hoch am Himmel ziehen zwar gerade unverdrossen Richtung Süden, ohne Station zu machen an den Wierther Klärteichen. Doch für unzählige andere Vögel sind die Teiche ein beliebtes Rast- und Brutgebiet. "Darunter sind auch viele sehr seltene Arten", weiß Vecheldes Umweltberater Ulrich Reimers.

Die Wierther Klärteiche – sie sind ein von Menschenhand geschaffenes Vogelparadies, das auch nach dem Ende für die Zuckerfabrik in Wierthe erhalten bleibt: Denn die Nordzucker AG als Eigentümerin hat die Teiche inzwischen an die Stiftung Kulturlandpflege mit Sitz in Hannover übertragen. Reimers und Vecheldes Bürgermeister Hartmut Marotz versichern übereinstimmend: "Wir sind allen Beteiligten sehr dankbar, dass die Zukunft der Teiche als Lebensraum für Vögel gesichert ist."

Den besonderen Wert dieser Teiche – insbesondere des großen im Nordwesten von Wierthe – beschreibt Reimers so: Anders als bei den meisten anderen Seen wie Angel- und Kiesteichen gebe es dort Uferzonen mit nahrungshaltigem Schlamm, der nicht durch Schilf oder andere Pflanzen überwachsen ist. "Für die Limikolenarten, die hier rasten, sind solche freien Schlammzonen überlebenswichtig", betont der Vechelder. Mit ihren langen Schnäbeln können diese Arten – zu ihnen gehören unter anderem Bekassinen, Goldregenpfeifer, Große Brachvögel und Sichelstrandläufer – tief im Schlamm Nahrung finden.

Nach der Schätzung von Reimers sind ungefähr 200 Vogelarten an den Klärteichen zu beobachten. Er ist begeistert: "Für Vogelkenner ist das ein wahres El Dorado." Als Brutvögel kommen ihm zufolge spannende Arten wie Schwarzmilan, Flussregenpfeifer, Tüpfelsumpfhuhn, Blaukehlchen und Schilfrohrsänger regelmäßig an die Seen.

In einem Konzept ist nun die Pflege der Teiche – es geht dabei insbesondere um die beiden größten Anlagen im Nordwesten und Südwesten von Wierthe – festzulegen:

Künftig erhalten die Seen keine Wasserzufuhr mehr im Zuge der Zuckerproduktion. Daher ist auf andere Weise – etwa über Brunnen – für eine ausreichende Wassermenge zu sorgen. Reimers: "Im April, wenn der Zugvogelbetrieb beginnt, sollte der Wasserstand gesenkt werden, damit der Schlamm am Ufer frei wird. Im Spätherbst sollte er erhöht werden, damit der Bewuchs, der sich inzwischen am Ufer einstellt, durch das Wasser kaputtgeht."

Nach Überzeugung von Reimers sollten die Teiche für Interessierte zugänglich bleiben – zum Beispiel bei vogelkundlichen Führungen. Bestimmte Dinge wie Baden und das Verlassen der Wege müssen allerdings untersagt werden.

Krach der vorbeifahrenden Züge, Schrottteile nahe der Wasserfläche, alte Industrieanlagen wie der Eisensteg – nicht gerade paradiesische Verhältnisse an den Teichen, könnte man meinen. Reimers beruhigt aber: "Das alles stört die Vögel nicht." Für die Tiere seien vielmehr die Wasserqualität und Nahrungsvielfalt von entscheidender Bedeutung.

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