Braunschweig. Freiwillig sammeln sie den Müll, den andere liegen lassen: Wie die Trash-Tracker Sauberkeit in Braunschweig verbessern wollen.

Es ist Frühling, die Blumen blühen im Inselwall-Park. „Auf dem Weg hierher ist mir aufgefallen, dass zwischen den Blumen immer wieder Müll lag“, sagt Eva Kosok. Den Müll kann sie nicht mehr übersehen, seitdem sie mit ihrem Verein Trash-Tracker in Braunschweig regelmäßig ehrenamtlich Müll aufsammeln geht.

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Die 32-jährige Lehrerin ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins, den Christopher Kloska und Shahryar Tavana gründeten, als ihnen in der Corona-Pandemie auffiel, wie viel Müll in Braunschweig auf der Straße liegt. Seither treffen sie sich meist dreimal im Monat zum Müll sammeln. „Mittlerweile kommen regelmäßig um die 10 Leute zu den Treffen“, erzählt Kosok. 21 Mitglieder hat der Verein bereits, doch viele kommen auch spontan zu den „Clean-Ups“. Seit vergangenem Jahr gibt es in Wolfsburg eine Außenstelle. Wer Müll sammeln will, bekommt vom Verein die passende Ausrüstung, vom Greifer über den Handschuh, bis zur Mülltüte. Im vergangenen Jahr hat die Gruppe 1256 Kilogramm Müll gesammelt, wobei Glasmüll nicht mal einberechnet ist.

Trash-Tracker finden in Braunschweig Jahre alten Müll

Beim Stadtputztag fischten die Trash-Tracker Müll aus der Oker.
Beim Stadtputztag fischten die Trash-Tracker Müll aus der Oker. © Trash-Tracker | Trash-Tracker

Sie treffen sich zum Beispiel am Inselwall-Park, am Hagenmarkt oder in der Weststadt, wo ein Vereinsmitglied einen eigenen Ableger der Gruppe betreibt. „In der Weststadt im Donauviertel haben wir besonders viel Müll gefunden“, sagt Kosok. Sogar ein großes Fitness-Gerät habe dort jemand einfach am Straßenrand entsorgt. Auch das Ringgleis rund um den Nordbahnhof sei stark verschmutzt gewesen. Erschreckend findet Kosok, wie lange der Müll teilweise herumliegt. Zuletzt fand die Gruppe etwa ein Paket mit in Plastik verpackten Werbeprospekten aus dem Jahr 2021.

Zum Stadtputztag Anfang März stiegen die Trash-Tracker in ein Kanu, um die Oker rund um das Petriwehr zu säubern. „Das ging nur mit Greifern, Keschern und viel körperlichem Einsatz“, sagt Kosok. Unter anderem zog die Gruppe einen E-Scooter aus dem Wasser. Auch die Böschungen der Oker seien stark verschmutzt gewesen, das Hochwasser zum Jahresbeginn hatte viel Müll an Land gespült.

Eva Kosok ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins Trash Tracker in Braunschweig.
Eva Kosok ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins Trash Tracker in Braunschweig. © Funke Medien Niedersachsen | Joschka Büchs

Gruppenfaktor motiviert Braunschweiger zum Müllsammeln

Kosok findet, dass gerade die Dynamik in der Gruppe zum Müllsammeln motiviert. „Es macht viel mehr Spaß, in einer Gruppe Müll zu sammeln. Alleine hätte ich damit wahrscheinlich nicht angefangen“, sagt sie. Auch abseits der Sammelaktionen trifft sich die Gruppe zu Stammtischen. Sie ist auch am neuen Nachhaltigkeitszentrum der Stadt Braunschweig beteiligt, das am Bohlweg entstehen soll. „Ich finde es super, dass es dort dann einen festen Treffpunkt für Gleichgesinnte geben wird“, sagt sie. In der Stadt stößt die Gruppe auf viel wohlwollende Unterstützung. So spendeten bereits mehrere Unternehmen und Stiftungen einige tausend Euro, mit denen sich der Verein eine Garage anmietete, in der sie Equipment wie Bollerwagen und Greifarme lagert. Außerdem schaffte der Verein ein Lastenrad an, um den Müll nach dem Aufräumen zu transportieren. „Das sind oft solche Massen, das man es kaum noch tragen kann“, sagt Kosok.

Gelangen Zigarettenstummel in die Kanalisation, können sie bis zu 60 Liter Grundwasser verunreinigen.
Gelangen Zigarettenstummel in die Kanalisation, können sie bis zu 60 Liter Grundwasser verunreinigen. © Trash Tracker | Christopher Kloska

Nach dem Aufräumen bringen die Trashtracker den Müll zu Abholpunkten, die sie mit Alba abgestimmt haben. Vom Unternehmen bekommt die Gruppe auch die Mülltüten gestellt. Als der Inhaber eines Werkzeughandels die Gruppe bei einer Aufräumaktion beobachtete, bot er spontan an, ihnen Eimer und andere Utensilien zu spenden.

Über die „Clean-Ups“ hinaus hat die Gruppe einige Ideen, so will sie zählen, wo sie die meisten Zigarettenstummel findet, um der Stadt mitteilen zu können, wo noch Aschenbecher benötigt werden. Vereinsgründer Kloska arbeitet daran, wie sich der gefundene Plastikmüll mittels Maschinen direkt in neue Produkte verwerten lässt.

Gemeinsam-Preis 2024

Mit der Verleihung des Gemeinsam-Preises im Braunschweiger Dom wollen wir Menschen aus der gesamten Region auszeichnen, die sich in besonderer Weise für die Gesellschaft engagieren.

Es sind Preise in zwei verschiedenen Kategorien ausgelobt:
1) Gemeinsam-Preis für bürgerschaftliches Engagement
2) Jugendpreis des Braunschweiger Doms

Der Preis wird am 14. Mai um 18.30 Uhr im Braunschweiger Dom vergeben.