Sturm in Niedersachsen – Böen von 120 km/h auf dem Brocken

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Für die wenigen Arbeiter die derzeit auf dem Harzgipfel tätig sind, ist diese extreme Wetterlage gefährlich.

Für die wenigen Arbeiter die derzeit auf dem Harzgipfel tätig sind, ist diese extreme Wetterlage gefährlich.

Foto: Matthias Strauß

Hannover/Harz.  Die Stadt Braunschweig sagte wegen des angekündigten Sturms Wochenmärkte ab. Böen mit bis zu 110 km/h auf dem Brocken erwartet.

Die Menschen in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein müssen sich auf einen stürmischen Donnerstag einstellen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet im Flachland verbreitet schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten um die 100 Stundenkilometer. An der Nordsee, auf dem Brocken und bei kräftigen Regenschauern mit Gewittern könne es auch orkanartige Böen mit bis zu 110 km/h geben. Der DWD gab für die Küstengebiete in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie für den Brocken im Harz deshalb eine Unwetterwarnung für den Donnerstagnachmittag heraus.

Wochenmärkte in Braunschweig abgesagt

Erste Ausläufer des Sturmtiefs Klaus waren bereits am Donnerstagmorgen an der Nordseeküste zu spüren. Die Polizeien und Rettungsleitstellen meldeten aber zunächst keine Vorkommnisse.

Städte und Fährbetriebe im Norden und Nordwesten Deutschlands haben sich auf den Sturm eingestellt. In Hannover warnte die Stadtverwaltung vor dem Betreten der städtischen Wälder. Der Berggarten in Herrenhausen und der Stadtpark etwa bleiben am Donnerstag geschlossen. Die Stadt Braunschweig sagte wegen des angekündigten Sturms Wochenmärkte ab.

Arbeiter im Sturm auf dem Brocken: „Es ist sehr gefährlich!“

Auf dem Brocken im Harz tobte seit Donnerstagvormittag ein Sturm mit Orkanböen um die 120 km/h. Für die nächsten Stunden wurden sogar Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erwartet. Für die wenigen Arbeiter die derzeit auf dem Harzgipfel tätig sind, ist diese extreme Wetterlage ein Problem. So auch für die Handwerker Steven Scheppe und Jens Holzapfel aus Nordhausen. „Wir versuchen, hier oben Lüftungen in die Gebäude einzubauen. Es ist der pure Wahnsinn. Mal sehen, was überhaupt möglich ist. Ich schätze die Windgeschwindigkeiten auf über 120 km/h. Gegenstände fliegen da einfach so durch die Luft. Deshalb arbeiten wir vorerst im Inneren“, so Steven Scheppe. Neben dem Sturm ist auch der vereiste Boden ein Problem, denn Straßen und Gehwege sind spiegelglatt. „Man sollte auf keinen Fall hier hoch bei dem Wetter. Es ist Lebensgefährlich“, warnt Jens Holzapfel.

Keine Sturmflut an der Küste erwartet

In Schleswig-Holstein kündigte die Wyker Dampfschiffs-Reederei bereits an, dass wegen des erwarteten Sturmtiefs am Donnerstag die Verbindungen zwischen Schlüttsiel und den Halligen ausfallen. Für den Fährverkehr zwischen den Ostfriesischen Inseln und dem Festland wurden zunächst kaum größere Einschränkungen erwartet - bei den Fähren von und nach Spiekeroog kommt es zu geänderten Abfahrtszeiten.

Die Behörden erwarteten am Donnerstagmorgen zwar an der Nordseeküste leicht erhöhte Wasserstände zum Mittags- und Abendhochwasser. Eine Sturmflut wurde aber nicht prognostiziert.

Gefahr für Autofahrer im Harz

Der Sturm sorgt auch den weiteren Donnerstag über für erhebliche Gefahr im Oberharz. So behindern an zahlreichen Stellen herabfallende Äste und umgestürzte Bäume den Verkehr auf Straßen und Gehwegen. Zwischen Elbingerode und Drei-Annen-Hohne kam am Donnerstagnachmittag die Feuerwehr zum Einsatz - der Sturm hatte einen großen Baum entwurzelt. Nur durch Glück wurde auf der vielbefahrenen Straße niemand verletzt. Der Deutsche Wetterdienst warnt noch bis in die Nacht vor schweren Sturmböen. Auf keinen Fall sollten derzeit die Wälder im Harz betreten werden.

Auf dem Brocken bis Sonntag stürmisch

Auf dem Brocken bleibt es noch bis zum Sonntag stürmisch. „Die Windgeschwindigkeiten können in Böen bis zu 130 Kilometer in der Stunde und damit Orkanstärke erreichen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Donnerstag in Leipzig. Das windige Wetter werde vor allem in den oberen Berglagen über 1000 Metern noch eine Weile anhalten. Als höchste Erhebung Sachsen-Anhalts und Norddeutschlands erreicht der Brocken eine Höhe von 1141 Metern.

Wie der Meteorologe weiter sagte, bleibt das Wetter mit Schauern und Gewittern wechselhaft. Auch in den kommenden Tagen sei kaum mit Besserung zu rechnen. „Der Frühling kommt noch nicht in Sicht“, sagte er. Vielmehr könne es in der kommenden Woche mit kühlen Temperaturen weitergehen.

Am Wochenende können die Temperaturen auf dem Brocken durchaus wieder ins Minus gehen. Am Sonntag wird es voraussichtlich im ganzen Land wechselnd bewölkt. Dabei gibt es vermutlich weiterhin einzelne Schauer, die im Oberharz als Schnee fallen können.

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