Homeschooling im Lockdown: Videounterricht läuft noch nicht rund

Hannover.  Anders als am ersten Tag nach den Ferien lief der Unterricht per Videokonferenz wohl besser. Aber stellenweise hakte es doch.

Während der in Niedersachsen viel genutzte Bildungsserver IServ bei den Videokonferenzen „fast keine Probleme“ registrierte, beklagte sich eine Reihe von Nutzern via Twitter über erneute Pannen (Symbolbild).

Während der in Niedersachsen viel genutzte Bildungsserver IServ bei den Videokonferenzen „fast keine Probleme“ registrierte, beklagte sich eine Reihe von Nutzern via Twitter über erneute Pannen (Symbolbild).

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Das digitale Lernen per Videounterricht ist auch am zweiten Tag nach den Weihnachtsferien für einige Schüler in Niedersachsen holprig verlaufen. Während der in Niedersachsen viel genutzte Bildungsserver IServ bei den Videokonferenzen „fast keine Probleme“ registrierte, beklagte sich eine Reihe von Nutzern via Twitter über erneute Pannen. Schon am Montag hatten technische Probleme den Videounterricht ausgebremst.

Die Schulen hätten die Zugriffe zeitlich besser verteilt, so habe es nur wenige Überlastungen gegeben, erklärte IServ-Geschäftsführer Jörg Ludwig am Dienstag. Insgesamt laufe es gut. Mehr Lastprobleme verursachten nach seinen Worten teils veraltete lokale Server an den Schulen. Ein Update sollte Abhilfe schaffen. Beim niedersächsischen Schulleitungsverband allerdings lagen zunächst keine Erkenntnisse zu größeren Ausfällen vor. Sie habe den Eindruck, die Lage habe sich beruhigt, sagte Verbandschefin Andrea Kunkel.

Pannen beim Homeschooling: Kein Zugang und zusammengebrochene Videokonferenzen

Bereits am Montag hatte es Verbindungsprobleme gegeben, teils bekamen Schüler keinen Zugang, Videokonferenzen brachen zusammen oder ließen sich nicht starten. Die Panne betraf auch Schulen in anderen Regionen Norddeutschlands und Nordrhein-Westfalens. Nach Angaben des Kultusministeriums begann der Unterricht nach den Weihnachtsferien für rund 94 Prozent der Schülerinnen und Schüler im sogenannten Szenario C, dem Distanzunterricht. Nur in Abschlussklassen habe der Unterricht nach dem Wechselmodell im Szenario B begonnen.

Mehr dazu: Corona: Schulunterricht in Niedersachsen geht weiter

Ludwig erklärte, der Andrang bei den Konferenzen habe sich seit dem Vortag verdreifacht, ein abschließendes Bild der Lage habe er aber noch nicht. Die Serverkapazität sei angesichts des erwarteten Andrangs von Klassen, die den Unterricht per Videokonferenz abhalten wollten, verdoppelt worden. In der Woche vor Weihnachten seien „extrem hohe“ Zugriffszahlen von etwa 1,5 Millionen Nutzern täglich verzeichnet worden - inzwischen sei man auf 3 Millionen eingestellt.

Lehrergewerkschaft übt scharfe Kritik

Die Software sei optimiert, die Leistungsaufnahme reduziert worden, um die Lage zu verbessern, betonte der IServ-Geschäftsführer. Zum Start am Dienstag liefen die Videokonferenzen laut IServ stabil, später räumte der Bildungsserver via Twitter ein, das ein überlasteter Dienst, der wegen eines Konfigurationsproblems über zu wenig Ressourcen verfügte, Fehler verursachte. Für Eltern sei das inakzeptabel, schrieb ein Twitter-Nutzer. Ein anderer schrieb spöttisch über die Verbindungsprobleme: „Läuft.“

Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) beklagte, die tieferliegenden Ursachen der Serverprobleme würden nicht thematisiert. Viele Schulen warteten noch immer auf stabiles und schnelles Internet, Ausstattung aus dem Digitalpakt und gut funktionierende Lernplattformen für das Homeschooling. Und: Anstatt mit verschiedenen Szenarien gleichzeitig zu „jonglieren“, solle Niedersachsen einfache und verständliche Kriterien für den Schulbetrieb festlegen. „Ein gelungener Schulstart sieht anders aus“, kritisierte VBE-Landeschef Franz-Josef Meyer.

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