Atommüll aus der Asse wird noch Jahrzehnte in der Region lagern

Braunschweig.  Die Bundesregierung bestätigt offiziell: Das Atommüll-Zwischenlager wird direkt an der Asse bei Wolfenbüttel gebaut.

In der Asse lagern 126.000 Fässer mit Atommüll.

In der Asse lagern 126.000 Fässer mit Atommüll.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Nun steht es schwarz auf weiß: Der Atommüll aus der Asse wird, wenn er ab 2033 aus dem maroden alten Bergwerk bei Wolfenbüttel geborgen werden soll, weiterhin unmittelbar an der Asse gelagert. Das geht aus einem Schreiben der Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter aus dem Bundesumweltministerium an den Linken-Bundestagsabgeordneten Victor Perli hervor.

Perli wollte es noch einmal ganz genau wissen, nachdem Jochen Flasbarth, ebenfalls Staatssekretär im Umweltministerium, Mitte Juli bei einer Veranstaltung zur Asse in Wolfenbüttel die Entscheidung bereits angedeutet hatte. Nun schrieb Schwarzelühr-Sutter noch einmal unmissverständlich: „Das Bundesumweltministerium trägt das von der (…) Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) vorgestellte Vorhaben (...) ausdrücklich mit und steht zu dieser Entscheidung.“ Die BGE hatte den Standort empfohlen.

Endlager-Disskusion am 30. Oktober 2020

Perli: Schlimme Behördenarroganz

Das bedeutet, dass ein Zwischenlager unserer Region nach dem jahrzehntelangen Asse-Desaster voraussichtlich weitere Jahrzehnte lang erhalten bleiben wird, bis der Asse-Müll endgelagert werden soll. Der Plan ist, den schwach- und mittelradioaktiven Asse-Müll im noch zu findenden Endlager für hoch radioaktiven Müll mit aufzunehmen. Ob das schon rein aus Kapazitätsgründen klappt, ist längst noch nicht klar. Der Standort soll 2031 feststehen, ab 2050 könnte der Müll im Idealfall eingelagert werden. Auch bei diesem Endlager steht unsere Region in großen Teilen noch zur Auswahl – wie 54 Prozent der Bundesrepublik.

Der Abgeordnete Perli sprach mit Blick auf das Asse-Zwischenlager von einer „schlimmen Behördenarroganz“. Die BGE habe standortfernere Lösungen gar nicht erst eingehend geprüft. Er forderte: „Die unfaire Standort-Entscheidung muss korrigiert werden.“

Minister Lies: Zwischenlager ist notwendig

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hingegen sieht in der Entscheidung auch etwas Positives. Er sagte schon vor ein paar Wochen gegenüber unserer Zeitung: „Ich habe großes Verständnis für den Unmut der Menschen. Wir müssen aber sicherstellen, dass es keinen Zweifel mehr an der Rückholung gibt. Da spielt das Zwischenlager eine ganz wesentliche Rolle.“ Ergo: Die Menschen in der Region werden es akzeptieren müssen, dass auch das Zwischenlager direkt an der Asse gebaut wird. Somit ist zumindest garantiert, dass der Müll überhaupt geborgen werden kann.

Das sehen Bürgerinitiativen des Asse-Begleitprozesses völlig anders. Ein Teil der Initiativen hat erst vor wenigen Tagen erklärt, den Asse-Begleitprozess angesichts der Basta-Zwischenlager-Entscheidung verlassen zu wollen. Der Begleitprozess galt sonst immer als vorbildlich für andere Atommüll-Projekte in Deutschland.

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