Starb ein 20-Jähriger aus unserer Region nach Ecstasy-Konsum?

Braunschweig.  Das LKA ermittelt nach dem Fund von über 100 „Totenkopf-Pillen“ mit ungewöhnlich hoher Wirkstoffdosierung. Ecstasy gilt weithin als „Partydroge“.

Sichergestellt Ecstasy-Tabletten LKA

Sichergestellt Ecstasy-Tabletten LKA

Foto: LKA Niedersachsen

Glücksgefühle, erhöhter Kommunikationsdrang, dazu die Unterdrückung von Müdigkeit – Ecstasy gilt weithin als eine der meistgenutzten „Partydrogen“. Die langfristigen Effekte können jedoch gefährlich sein, eine Überdosis gar zum Tode führen.

Mehr als 100 Ecstasy-Pillen auf einen Schlag hat die Polizei im vergangenen Juni in der Region Braunschweig beschlagnahmt, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover nun mitteilt. Dabei handelte es sich laut Sprecherin Katrin Gladitz um Pillen mit an den US-Spielfilm „The Punisher“ angelehnter Totenkopf-Prägung. Diese seien seit Ende 2017 immer wieder in Niedersachsen aufgetaucht, zumeist aber in kleineren Mengen sichergestellt worden.

LKA: Beschlagnahmte Ecstasy-Pillen mit Wirkstoffgehalt von 70 Prozent über „Normal“

Das Spezielle am aktuellen Fund: „Die Untersuchung ergab einen Wirkstoffgehalt von circa 232 Milligramm MDMA pro Tablette“, sagt Gladitz. Dieser liege etwa 70 Prozent über bundesweiten Vergleichswerten hinsichtlich 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, so der Name des Betäubungsmittels, das häufig in Ecstasy enthalten ist.

Solch eine Dosierung kann tödlich sein“, erklärt Udo Eisenbarth, Leiter der Jugend- und Drogenberatung in Wolfsburg, auf Nachfrage unserer Zeitung. Tatsächlich könne man einen Zusammenhang der im Juni konfiszierten Tabletten mit dem Todesfall eines 20-Jährigen, zu dem aktuell ermittelt werde, nicht ausschließen, heißt es in der LKA-Mitteilung weiter. Zu genaueren Erkenntnissen könne laut Sprecherin Katrin Gladitz jedoch derzeit keine Auskunft erteilt werden – dies gelte auch für den exakten Fundort der besagten Pillen.

600 Ecstasy-Tabletten auch in Gifhorn entdeckt – über 1000 Delikte in 2019

Einen Drogenfund im größeren Stil hatte es in unserer Region erst Ende Juli gegeben. Bei der Vollstreckung eines (anders begründeten) Haftbefehls entdeckten Polizeibeamte unter anderem 600 Ecstasy-Tabletten in einer Wohnung in Gifhorn. Erst vor ein paar Tagen beschlagnahmte die Polizei Hannover in Privaträumen ein halbes Kilo eines Pulvers, das zur Herstellung der Droge verwendet wird.

„Seitens der Polizei werden in Niedersachsen jährlich Ecstasy-Tabletten in fünf- bis sechsstelliger Zahl beschlagnahmt“, berichtet LKA-Sprecherin Gladitz. In 2019 seien im Bundesland insgesamt 1058 Delikte in Zusammenhang mit der „Partydroge“ zu verzeichnen gewesen – ein seit 2016 ungefähr gleichbleibendes Niveau. Damit liegt Ecstasy an der Spitze des „Niedersachsen-Rankings“ hinter Cannabisprodukten, Kokain und Amphetaminen.

Drogenberater aus Wolfsburg: Hohe MDMA-Dosierung macht „markttechnisch keinen Sinn“

Was aber soll die deutlich er- beziehungsweise überhöhte MDMA-Dosierung, wie sie nun beim Juni-Fund in unserer Region festgestellt wurde? „Markttechnisch macht das eigentlich keinen Sinn“, sagt der Wolfsburger Drogenberater Udo Eisenbarth. Womöglich liege einfach ein „Produktionsfehler“ vor, so der Sozialarbeiter – „oder die Lieferkette für die üblichen Streckmittel ist unterbrochen und sie wurden daraufhin weg gelassen.“

Eisenbarth warnt aber generell vor Ecstasy-Konsum, der auch regelmäßiger Teil des Lebens mancher seiner Klienten sei. „Durch die Einnahme werden überproportional viele Glückshormone verstreut, dagegen wehrt sich der Körper irgendwann.“ Die Folge: Niedergeschlagenheit und Müdigkeit – „dann wird die nächste Pille notwendig und der Teufelskreis ist im vollen Lauf.“ Auch das ausbleibende Durstgefühl, ein weiterer Effekt, könne sich schließlich in Flüssigkeitsmangel niederschlagen und fatal auswirken, so Eisenbarth.

Dem LKA liegen laut Katrin Gladitz ebenfalls noch keine Erkenntnisse zur „Punisher“-Variante vor. Die hier vorliegende Zusammenstellung unterstreiche jedoch „die Unberechenbarkeit des Drogenkonsums“. Logos wie etwa der Totenkopf sollen zwar in der Regel eine gewisse „Qualität“ suggerieren – diese sei aber nicht gewährleistet.

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