Grüne in Niedersachsen fordern: Solaranlage auf jedes Dach

Hannover.  Die Landtagsfraktion fordert das bei jedem Neubau. Umweltminister Lies will keine Zwangslösung.

Ein Arbeiter installiert auf einem Dach eine Solaranlage

Ein Arbeiter installiert auf einem Dach eine Solaranlage

Foto: Rolf Haid / dpa

Jedes neue Dach in Niedersachsen soll nach Willen der Grünen künftig Sonnenkollektoren tragen. Die Landtagsfraktion will dazu eine Solarpflicht für alle privaten, gewerblichen und öffentlichen Neubauten verbindlich in der Landesbauordnung festschreiben. Nur für Dächer im Schatten soll es Ausnahmen geben. „Die Bürger werden so selbst zu Stromerzeugern“, erklärte die grüne Energieexpertin Imke Byl am Montag in Hannover. „Solaranlagen auf Dächern bieten die Chance, Energie dort zu produzieren, wo sie gebraucht wird.“ Davon würden Hauseigentümer und Mieter finanziell profitieren.

Niedersachsens Umwelt- und Bauminister Olaf Lies (SPD) lehnte dagegen einen staatlichen Solar-Zwang als Eingriff in die grundgesetzlich geschützten Eigentumsrechte ab. „Landesweit jeden einzelnen Eigenheimbesitzer ein Solardach vorzuschreiben, halte ich für schwierig. Das geht mir zu weit“, sagte Lies unserer Zeitung. Man müsse sich allerdings fragen, warum die Menschen nicht schon heute freiwillig diese lukrative Energieform für sich nutzten. „Es ist bürokratisch aufwendig, es gibt Hindernisse bürokratischer Art und rechtlicher Art. Davon müssen wir weg“, forderte der Minister. Vor allem im gewerblichen Bereich müsse man viel mehr die vorhandenen und entstehenden großen Dachflächen für Photovoltaik nutzen. „Der Ausbau der Sonnenenergie ist absolut richtig.“

Anders als der SPD-Minister und auch die FDP sah die Grünen-Abgeordnete dagegen keine Probleme mit vorgeschriebenen Solar-Dächern. „Eigentum verpflichtet. Und staatliche Vorgaben für Bauvorhaben gibt es schon jede Menge“, meinte Byl mit Blick etwa auf den Brandschutz. Niemand werde zum Stromunternehmer gezwungen. Wer selbst kein Erzeuger sein wolle, solle seine Dachfläche verpachten. Stadtwerke oder örtliche Genossenschaften übernähmen dann Planung und Betrieb der Solaranlagen.

28.600 Hektar Dachfläche könnten schon heute für Solarzellen genutzt werden, rechnete die Parlamentarierin vor. „Das entspricht rund 40.000 Fußballfeldern.“ Und damit könne man bis zu 57 Gigawatt Strom erzeugen. Ende 2018 wurden nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft bundesweit durch alle Anlagen einschließlich der auf Freiflächen 45,9 Gigawatt produziert, davon 3,95 Gigawatt in Niedersachsen. Die Solarbranche fürchtet einen Rückschlag beim Ausbau. Bereits in wenigen Monaten drohe ein Investitionsstopp für Solarstromdächer, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands, Carsten Körnig. Hintergrund ist der 2012 im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegte Förderstopp beim Erreichen einer bundesweiten Gesamtleistung von 52 Gigawatt – das könnte schon in diesem Jahr sein.

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