„Nette Toilette“: Mehr als 200 Standorte in Niedersachsen

Leer.  Öffentliche Toiletten sind für viele Städte zu teuer. Das Prinzip der Netten Toilette: Gaststätten und Geschäfte bieten ihre Toiletten kostenlos an.

Am Fenster einer Gaststätte ist ein Zettel angebracht, der auf die Aktion "Die nette Toilette" hinweist.

Am Fenster einer Gaststätte ist ein Zettel angebracht, der auf die Aktion "Die nette Toilette" hinweist.

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Sie sind oft verdreckt, kaputt oder ganz geschlossen: Die Pflege von öffentlichen Toiletten kostet die Städte und Gemeinden in Niedersachsen viel Geld. Um Kosten zu sparen, haben sich deswegen etliche Kommunen im Land der Aktion „Nette Toilette“ angeschlossen. Die Städte und Gemeinden treffen dabei eine Vereinbarung mit Betrieben, Gaststätten und Einzelhandelsgeschäften, die ihre stillen Örtchen kostenlos zur Benutzung anbieten und dafür monatlich eine Aufwandsentschädigung bekommen. Seit kurzem machen auch Geschäfte in der Stadt Leer in Ostfriesland mit. Inzwischen gibt es mehr als 200 „Nette Toilette“-Standorte in ganz Niedersachsen.

Die Idee ist einfach: Rote Logos mit der Aufschrift „Nette Toilette“ weisen in der Stadt auf den kürzesten Weg zu einer sauberen und kostenlosen Toilette hin. Und auch eine Smartphone-App zeigt Fußgängern die Route zur nächsten Toilette oder zu einem Wickelraum.

Beispiel Leer: In der Hafenstadt sollte die Neuanschaffung eines vollautomatischen Toilettenhäuschens am Bahnhof rund 130.000 Euro kosten. Hinzu kommen rund 15.000 Euro Reinigungskosten pro Jahr, durch Vandalismus kann die Summe schnell weiter in die Höhe gehen. Mit der vor rund einem Monat angelaufenen Aktion „Nette Toilette“ spart Leer viel Geld - elf Einzelhändler und Gastronomen stellen ihre stillen Örtchen für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Und der finanzielle Aufwand bleibt für die Stadt mit rund 7400 Euro relativ günstig.

In der Landeshauptstadt Hannover stehen 50 öffentliche WC-Anlagen bereit. „Klagen über zu wenig öffentliche Toiletten sind nicht bekannt“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Teilweise habe die Verwaltung jedoch „Die nette Toilette“ als Ergänzung zugebucht.

Braunschweig entschied sich mit Blick auf das eigene Netz von WC-Anlagen gegen eine Teilnahme an der Aktion. Die jährlichen Unterhaltungskosten liegen dort nach Angaben der Stadtverwaltung bei rund 200.000 Euro für Reinigung und 48.000 Euro für die Instandhaltung - viel Geld, das durch die Nutzungsgebühr von 20 Cent kaum wieder hereinkommt.

Wilhelmshaven beteiligt sich bereits seit 2014 an der Aktion „Nette Toilette“, die Stadt zahlt an fünf beteiligte Einrichtungen rund 5800 Euro. Die fünf öffentlichen WC-Anlagen sind da deutlich teurer: Sie schlagen mit 60.000 Euro Reinigungskosten plus Reparaturkosten zu Buche. Und die Nutzer müssen 50 Cent Eintritt zahlen.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hannover findet die „Nette Toilette“ grundsätzlich gut, weist aber auch auf die Besonderheiten des Systems hin. So werde die Toilette eines Lokals neben einer Bushaltestelle stärker benutzt als andere, der Betreiber dort müsse also mehr Aufwand für Reinigung oder Reparatur betreiben. dpa

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