Überlebenschance für kleine Seehunde ist gestiegen

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Drei Heuler aus einer Seehundstation in Friedrichskoog. Hier werden junge Tier-Waisen aufgepäppelt und kranke Tiere rehabilitiert.

Drei Heuler aus einer Seehundstation in Friedrichskoog. Hier werden junge Tier-Waisen aufgepäppelt und kranke Tiere rehabilitiert.

Foto: Axel Heimken / dpa

Norddeich.  Die Bestände in Niedersachsen haben sich nach einem tödlichen Seehund-Virus 1988 mittlerweile erholt. Vergangenes Jahr wurden 25 000 Tiere gezählt.

Nach wochenlangem Kuraufenthalt an Land kehren die ersten Heuler aus der Seehundstation im ostfriesischen Norddeich in die Nordsee zurück. Tierpfleger hatten sie zunächst mit viel Fisch und gezieltem Schwimmtraining fit für das Überleben in der freien Wildbahn gemacht. Weil die ersten Jungtiere gesund und kräftig sind und mindestens 25 Kilogramm wiegen, werden sie am Donnerstag an der Ostspitze von Juist ausgesetzt.

Heuler sind kleine Seehunde, die den Kontakt zur Mutter verloren haben und heulen, um sie wiederzufinden. Die kleinen Seehunde werden meist nach Störungen durch Menschen am Strand von den Muttertieren verlassen. Spaziergänger sollten die Tiere nie anfassen, sondern Abstand halten und Behörden verständigen.

Überlebenschancen so gut wie lange nicht

Heute haben die jungen Seehunde eine bessere Überlebenschance als vor 30 Jahren. 1988 hatte die Seehundstaupe, ein tödliches Virus, tausende Tiere an den Nordseestränden dahingerafft. In Wilhelmshaven, beim gemeinsamen Wattenmeersekretariat von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden, liefen wöchentlich neue Zahlen über Totfunde in ganz Nordwesteuropa ein. Beim Ausbruch der Seuche herrschte Katastrophenstimmung und die Sorge, dass sogar der gesamte Seehundbestand vernichtet werden könnte. Ende 1988 waren mit rund 18 000 Tieren 60 Prozent der Population verendet. Allein in Niedersachsen ging der Bestand von 2500 Tieren auf 1400 zurück.

„Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir den Ursprung des tödlichen Virus gefunden hatten“, erinnert sich der frühere Veterinärmediziner und Meeresschutzexperte Michael Stede. Danach könnten junge Sattel- und arktische Klappmützen-Robben bei Wanderungen nach Süden das Virus eingeschleppt und die Seehunde angesteckt haben. So war Stede im April 1988 der Fund einer toten Sattelrobbe in dem kleinen Fluss Jade aufgefallen, danach wurden immer mehr verendete Tiere entdeckt. „Das ging wie eine Welle durch die Nordsee, von Skandinavien nach Süden bis nach England im Westen“, sagt Stede. Ähnlich schlimm war es im Sommer 2002, als sich ein verheerendes Staupevirus an den nordwesteuropäischen Küsten ausbreitete. Bis zum Jahresende verendeten mehr als 21 700 Seehunde an Nord- und Ostsee zwischen Dänemark, Deutschland und den Niederlanden - gut die Hälfte des Gesamtbestandes. Von 6500 Tieren in Niedersachsen verendeten mehr als die Hälfte (3851).

Bestände erholen sich

Von den großen Seuchenzügen haben sich die Seehunde inzwischen längst erholt. Beobachtungen aus der Luft zeigen fast jährlich neue Rekordzahlen der Bestände der drei Nordsee-Anrainerstaaten. 2017 wurden dort rund 25 000 Tiere erfasst. Ende August werden die Daten aus den diesjährigen Zählflügen zusammengerechnet. Erste Trends zeigen, dass die Bestände zumindest in Niedersachsen gut aussehen und keine Anzeichen von Krankheiten erkennbar sind. dpa

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