Wenn DNA zum kleinsten Lineal wird

Braunschweig  Drei Nachwuchsforscher erhalten für ihre Doktorarbeiten den Heinrich-Büssing-Preis.

Wie kann der Hersteller sein Auto möglichst leise fahren lassen? Wie können die kleinsten Lineale der Welt gebaut werden? Und wie wahrscheinlich ist es, dass eine Wahl anders ausgeht als erwartet? Das haben drei Nachwuchsforscher der TU Braunschweig herausgefunden.

Die drei Doktorarbeiten hat am Montag der Braunschweigische Hochschulbund geehrt: mit dem Heinrich-Büssing-Preis.

Wie eine Gummischicht angebracht werden, muss damit die innere Verkleidung bei all den Vibrationen im fahrenden Auto genau angebracht werden muss, hat Dr. Oliver Unruh herausgefunden.

„Bei meinen Tests habe ich herausgefunden, dass die Gummimatten möglichst symmetrisch angeklebt werden müssen“, sagt Unruh. Dabei würden die Schallwellen reduziert werden. Eher der Lärm als die Stille habe Unruh für Flug- und Fahrzeuge begeistert. „In meiner Heimat Tadschikistan war ich immer von den dreckigen, lauten Flugzeugen fasziniert“, sagt der 34-jährige Forscher. Im November verlässt er Braunschweig, um sich in Rüsselsheim der Akustik in den Autogetrieben von Opel zuzuwenden. Das Preisgeld möchte er dann auch in eine Küche investieren.

Mit Origami der besonders kniffeligen Art hat sich Dr. Jürgen Schmied beschäftigt. Er hat die DNA von Bakterien gefaltet und sie mit künstlichen, eingefärbten DNA-Sequenzen versetzt. „Der Abstand zwischen den markierten Stellen kann dann als kleines Lineal der Welt genutzt werden“, erläutert Schmied. Wer braucht ein so kleines Lineal? Mit dem DNA-Origami auf einem Glasträger kann ein superauflösendes Mikroskop präzise eingestellt werden. 2014 hat Schmied, der aus Wipshausen im Landkreis Peine kommt, die Firma Gattaquant mit drei Forscherkollegen gegründet. 300 Euro kostet eines von Schmieds Glasplättchen, die er an Unternehmen weltweit verkauft.

Wie wahrscheinlich wäre es gewesen, dass beim Brexit-Referendum im Juni Großbritannien doch in der EU geblieben wäre? Das ließe sich nur mittels des computerbasierten Bootstrap-Verfahrens beantworten, an dem Dr. Marco Meyer geforscht hat. „Beim Brexit haben 52 Prozent für den Austritt aus der EU gestimmt“, sagt Meyer. Ein Computer fragt die Ergebnisse noch einmal in zufälliger Reihenfolge ab. So oft, dass er damit neue, künstliche Wahlen generiert. Damit dies nicht Schummelei ist, sondern Mathematik, werden die Daten 20 000 bis 30 000 Mal abgefragt. Ähnlich wie die Zahl Pi, die mit jeder Stelle hinter dem Komma präziser wird, wird auch mit jeder neuen Abfrage die Wahrscheinlichkeit genauer bestimmt, dass das Ergebnis der Wahl anders ausgefallen wäre. Meyer hat nun dieses Verfahren, das aus Amerika kommt, in seiner Doktorarbeit weiterentwickelt. Er wies nach, wie die Wahrscheinlichkeit eines Datensatzes, zum Beispiel einer Umfrage, räumlich berechnet wird.

„Manchmal klingt Mathematik ein bisschen wie Zauberei“, sagt Meyer und lacht.

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