Ministerium will „Frauen“ aus seinem Titel streichen

Hannover  Ministerin Rundt möchte eine kürzere Bezeichnung für ihr Haus. Ex-Ministerin Merk und andere protestieren.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt. Links sitzt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt. Links sitzt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Foto: Peter Steffen/dpa

Noch heißt es „Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration“. Doch mit der Absicht, den Namen des Hauses zu verkürzen, hat sich Ministerin Cornelia Rundt (SPD) den Zorn einiger Frauen zugezogen: Denn das symbolträchtige „Frauen“ wird im neuen Namen wohl fehlen.

„Wir möchten einen bürgerfreundlichen Namen.“
Heinke Traeger, Sprecherin des niedersächsischen Sozialministeriums

„Wir möchten einen bürgerfreundlichen Namen“, bestätigte Ministeriumssprecherin Heinke Traeger die Debatte im Ministerium. „Soziales“ und „Gesundheit“ seien weiter gesetzt, so die Sprecherin weiter. Das bedeutet: In der kürzesten Variante würde es künftig „Ministerium für Soziales und Gesundheit“ heißen. Soziales definiert den Markenkern des Hauses, „Gesundheit“ stünde für einen Großbereich. Auch das Landesgesundheitsamt ist schließlich dem Ministerium untergeordnet.

Spätestens seit SPD-Mann Gerhard Schröder abschätzig von „Gedöns“ sprach, ist das Feld Frauenpolitik vermint. Dass „Frauen“ nun ausgerechnet unter Rot-Grün in Niedersachsen nicht mehr auftauchen soll, rief unter anderem Ex-Landesministerin Heidi Merk (SPD) auf den Plan. Merk unterzeichnete einen offenen Brief an Nachfolgerin Rundt, der mahnte, Frauen sprachlich weiter „sichtbar zu machen“. Dies schärfe den Blick für immer noch bestehende Mängel bei der Gleichstellung, heißt es. Auch Salzgitters Erste Stadträtin Christa Frenzel unterschrieb.

Dass es diese Mängel gibt, bestreiten auch die Befürworter der Namensänderung keineswegs. Am 15. Mai 2013 etwa legte das Ministerium den „2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Niedersachsen“ vor. Ein Hauptproblem laut Ministerin Rundt: Teilzeit und geringfügige Beschäftigung seien „Frauensache“. Dies müsse sich dringend ändern. Der rot-grüne Koalitionsvertrag widmet sich „Frauen- und Gleichstellungspolitik“ ausführlich. Ein wichtiger Punkt hier: die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Thela Wernstedt betont zwar wie Ministeriums-Sprecherin Traeger, dass es noch gar keine Entscheidung gebe. Wernstedt plädiert dafür, statt „Frauen“ lieber „Gleichstellung“ im neuen Namen des Ministeriums zu führen – falls man dann doch mehr als zwei Begriffe wolle. In der Abwicklung sei eine Namensänderung des Ministeriums kein Problem, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen gestern.

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