Wasser, das kostbarste Gut der Welt

Braunschweig  Wasser ist weltweit die wichtigste Ressource. In zwei Projekten der TU Braunschweig soll international nachhaltige Wasserwirtschaft vorangetrieben werden.

Ulrich Menzel und Müfit Bahadir stellen eines der Wasser-Projekte der TU Braunschweig vor.

Ulrich Menzel und Müfit Bahadir stellen eines der Wasser-Projekte der TU Braunschweig vor.

Foto: Peter Sierigk

Durch den Klimawandel und die wachsende Weltbevölkerung ist nachhaltige Wasserwirtschaft ein wichtiges Thema geworden. Zwei Projekte der TU beschäftigen sich damit. Ein Gespräch über diese Projekte, die Bedeutung von Abwasser-Recycling und eventuelle Wasserkriege führte Lisa Bertram mit dem Umweltchemiker Müfit Bahadir und dem Politologen Ulrich Menzel von der TU.

Welche Bedeutung hat Wasser im Jahr 2013?

Müfit Bahadir: Wasser wird weltweit etwa zu zwei Dritteln für die Nahrungsproduktion in der Landwirtschaft eingesetzt.

Die Bedeutung, die Wasser in der Vergangenheit für die Ernährung der Weltbevölkerung hatte, wird durch den Klimawandel und durch das Bevölkerungswachstum noch mehr steigen. Die Wasserqualität sinkt entsprechend durch die steigende Wassernutzung und Verschmutzung. Bedeutsam für unser Überleben sind die Süßwasservorkommen.

Ulrich Menzel: Nur etwa 2,5 Prozent des weltweit vorhandenen Wassers ist Süßwasser. Das meiste ist in den Polkappen, Gletschern und Feuchtgebieten gebunden. Nur ein Bruchteil von weniger als einem Prozent steht für die menschliche Nutzung zur Verfügung bei wachsender Bevölkerung. Dieser Bruchteil ist zudem regional sehr unterschiedlich verteilt.

Wenn man dem Mangel entgegenwirken will, muss man auch die regionale Ungleichverteilung ausgleichen, was zu Konflikten führen kann.

Nehmen wir ein grenzüberschreitendes Flusssystem. Der Nil mit 11 Anrainerländern ist ein schönes Beispiel. Etwa 85 Prozent des Nilwassers, das im Delta in Ägypten ankommt, entspringt am Oberlauf des Blauen Nils in Äthiopien. Ägypten hängt aber zu 100 Prozent vom Nilwasser ab. Wenn Äthiopien aufgrund seines hohen Bevölkerungswachstums anfängt, selber das Nilwasser zu nutzen, um Wasser für die Landwirtschaft abzuleiten, fehlt das Wasser in Ägypten.

Ist eine Art Wasserkrieg zu befürchten?

Menzel: Das Stichwort Wasserkrieg ist schon häufig gefallen. Das halte ich für überzogen. In der Tat gab es Fälle, in denen Wasser zwar nicht der einzige, aber ein Grund für Krieg war.

Der klassische Fall ist der Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen Nachbarn. Hier hat der Verteilungskonflikt um das Wasser des Jordanbeckens eine wesentliche Rolle gespielt.

Bahadir: Zumindest in den Ländern, die einen nahen Ozeanzugang haben, wird vermutlich kein Wasserkrieg ausbrechen — mit einer Woche Kriegskosten kann man ein Jahr Meerwasser entsalzen.

Menzel: An dieser Stelle kommt Braunschweig ins Spiel. Alle Strategien, um der Wasserknappheit in ariden, also dürren Gebieten zu begegnen, haben irgendeinen Haken. Sie sind kostspielig, mit großem technischen Aufwand verbunden und führen zur Erschöpfung der Wasservorkommen.

Bahadir: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ, hat 2008 über den Deutschen Akademischen Außendienst fünf Exceed-Projekte ausgelobt und für fünf Jahre insgesamt 25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Alle Projekte sind in den Millenniumzielen der Vereinten Nationen angesiedelt.

Wir sind mit unserem Projekt zum Thema Wasser erfolgreich gewesen. Dieses Projekt, das Mitte 2009 begann und bis Mitte 2014 läuft, wird von unserer Universität geleitet und strahlt in die unterschiedlichen Weltregionen aus. Wir haben auf vier Kontinenten jeweils eine Universität als Regionalkoordinator. Das ist jeweils eine Universität in Mexiko, in Burkina Faso, in Jordanien und in Vietnam. Die Vorort-Aktivitäten in den Regionen werden durch unsere Partner koordiniert. Dort sind weitere Universitäten vernetzt, insgesamt 35. Unsere Exceed-Ziele sind Entwicklung von Studiengängen zur Nachhaltigen Wasserwirtschaft und Aus- und Fortbildung sowie gemeinsame Forschung.

Menzel: Deswegen verfolgen wir die Idee, dass man Wasser mehrfach nutzen bzw. immer wieder verwenden kann, dass man Wasser nicht nur klärt, um es anschließend in die Flüsse zu leiten, sondern es wiederzuverwenden. Braunschweig mit seiner Kläranlage am Steinhof ist meines Wissens der einzige Fall in ganz Deutschland, bei dem geklärtes Abwasser zur Bewässerung in der Landwirtschaft bzw. zur Berieselung eines Naturschutzgebietes verwendet wird.

Unsere Idee ist, dass wir dieses Braunschweiger Modell, wie ich es hochtrabend nenne, vereinfacht in Entwicklungsländer exportieren. Es geht um den Bau von kleinen Kläranlagen, die wenig kosten, einfach zu handhaben sind.

Ein Beispiel ist eine Hotelanlage im Mittelmeerraum. Warum nicht eine kleine Kläranlage zur Reinigung des Hotelwassers installieren, um dessen Grünflächen und Sportanlagen zu bewässern?

Bahadir: Darum geht es in dem Projekt Empower Tunisia, das aus Exceed hervorgegangen ist. Diese Hotelanlagen benutzen das Abwasser ungeklärt oder in schlechter Qualität. Wir schauen zusammen mit Forschungseinrichtungen in Tunesien nach der Qualität des Wassers. Wenn wir das so schmutzig wie bisher in die Kläranlage geben würden, wäre die Qualität am Ende nicht gut. Das versuchen wir innerhalb des Projekts den Ländern einzuimpfen.

Ist Empower Tunisia von der TU Braunschweig ins Leben gerufen worden?

Bahadir: Ja. Das habe ich mit zwei tunesischen Kollegen in Gang gesetzt. Demokratische Transformationsprozesse in diesen Ländern sollen durch praktisch nutzbare Projekte wie Empower Tunisia, durch Vertrauensbildung und durch gemeinsame Forschungszusammenarbeit in Gang gebracht werden.

Menzel: Jetzt kommen wir zu einer weiteren Problemdimension. Für uns ist es selbstverständlich, dass Wasser einen Preis hat. Das Trinkwasser ebenso wie das Abwasser.

In den meisten Ländern der Welt ist die Vorstellung, das Wasser, sogar Abwasser, knapp ist und etwas kostet, unbekannt. Es muss darum gehen, den Leuten klar zu machen, dass Wasser auch ein Wirtschaftsgut ist, ein knappes Gut, das seinen Preis hat. Was beobachten wir? Die Leute wollen keine Änderungen im Wassersektor, wenn sie dafür bezahlen sollen.

Bevor man technische Lösungen verfolgen kann, bedarf es der Aufklärung, des Bewusstseinswandels, um die Bereitschaft und Akzeptanz auf Seiten der Bevölkerung zu wecken.

Bahadir: Durch solche Projekte wie Exceed und Empower Tunisia tragen wir zweifellos zu einer stärkeren nationalen und internationalen Wahrnehmung unserer Universität und unserer Region Braunschweig bei.

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