Chorsingen in Corona-Zeiten – Im Moment sind alle Solisten

Braunschweig.  Virtuelle Proben stellen für die meisten Chöre in der Region keine Alternative zum gemeinsamen Singen dar. Die Pause dauert mindestens bis Sommer.

Wann ein gemeinsames Singen – wie hier im Dezember beim Liederfest unserer Zeitung im Braunschweiger Dom – wieder möglich ist, ist im Moment noch nicht abzusehen. (Archivbild)

Wann ein gemeinsames Singen – wie hier im Dezember beim Liederfest unserer Zeitung im Braunschweiger Dom – wieder möglich ist, ist im Moment noch nicht abzusehen. (Archivbild)

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Kopf hoch, Brust raus, Rücken gerade – beim Singen wird diese Position automatisch eingenommen. Nur so kann die Sängerin oder der Sänger den Tönen den nötigen Platz und Resonanzkörper bieten. Aufgrund dieser Körperhaltung behaupten Forscher wie der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther sogar: Singen vertreibt Angst. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie eine tröstliche Vorstellung. Doch für die Chöre in der Region gilt wegen der Kontaktbeschränkungen: „Wir pausieren“. Proben finden nicht statt, und Konzerte sind abgesagt. Wie gehen die Chorgemeinschaften mit dieser Zwangspause um? Und wie halten die Mitglieder ihre Stimmen fit?

Gemeinschaftserlebnis Musik fehlt

Der größte Wunsch aller ist natürlich, wieder gemeinsam proben und singen zu können. „In Zeiten, wo das Singen ausfallen muss, merke ich, wie groß das Verlangen danach ist“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker. Er leitet die Kantorei St. Katharinen in Braunschweig. Denn: Chorsingen ist mehr als nur Musik. Es bedeutet auch, eine Gemeinschaft zu finden. „Die Probe ist für viele ein ganz fester Punkt in der Woche“, so Hecker. Propsteikantor Matthias Wengler von der evangelisch-lutherischen Propstei Königslutter meint: „Das große Gemeinschaftserlebnis Musik fehlt.“ Alleine zuhause zu singen, könne das nicht ersetzen.

Bis mindestens zum Sommer wird es kein gemeinsames Singen geben

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen wird ein gemeinsames Singen in Chören mindestens bis zum Sommer nicht möglich sein. Einschätzungen verschiedener Institute wie des Freiburger Instituts für Musikermedizin sehen eine erhöhte Infektionsgefahr mit Corona durch die freiwerdenden Aerosole beim Singen. Die Landeskirche Braunschweig gibt die Empfehlung, in Gottesdiensten vorerst auf gemeinsamen Gesang und die Begleitung durch Chöre oder Bläsergruppen zu verzichten.

Virtuelle Proben stellen keine Alternative dar

Und in der Zwischenzeit? „Viele haben sich die Noten geben lassen und proben für sich zuhause“, berichtet Markus Manderscheid, Kirchenkreiskantor an der Wolfsburger Christuskirche und Leiter des Kammerchors. Virtuelle Proben machten für den Kammerchor als Alternative aber keinen Sinn: „Es gibt keinen vernünftigen homogenen Klang“, sagt Manderscheid. Ähnliche Erfahrungen hat auch der Braunschweiger Domkantor Gerd-Peter Münden bei Online-Proben mit der Domsingschule gemacht: „Die Übertragungsqualität und der Ton sind zu schlecht.“ In der Propsteikantorei Königslutter sei ein virtuelles Singen aus einem anderem Grund nicht möglich: „Viele Chormitglieder haben die technischen Voraussetzungen nicht“, erklärt Matthias Wengler.

Unterstützung für das Singen zuhause

Derweil unterstützt Karsten Scholz, Leiter des Chores Sine Nomine aus Braunschweig, seine Chormitglieder beim Singen zuhause: „Wir haben auf der Homepage die verschiedenen Stimmen für das Programm im nächsten Jahr eingesungen.“ Dabei handele es sich um Videos, in denen jeweils Zeile für Zeile gesungen wird und die Noten mitlaufen. „Jeder kann sich das zuhause anhören und einüben“, berichtet Scholz.

Virtueller Sommergruß wird zusammengestellt

Bei der Braunschweiger Domsingschule schreitet inzwischen das Projekt zum virtuellen Sommergruß voran (unsere Zeitung berichtete). Dabei singen die Kinder jeweils kleine Passagen von Paul Gerhardts „Geh aus mein Herz und suche Freud“ ein und filmen sich dabei. „Wir haben 2000 Videos bekommen“, berichtet Domkantor Münden. Diese werden nun zusammengeschnitten und kombiniert.

Auch Claus-Eduard Hecker plant, dass seine Chormitglieder den für November vorgesehenen „Elias“ zuhause in ihren Stimmen aufnehmen. Diese sollen dann zusammengeführt werden.

Es gibt Austausch über E-Mail und Telefon

Um den Kontakt untereinander nicht zu verlieren, stehen viele Chorleiter mit ihren Sängern im Austausch per E-Mail oder Telefon. „Es ist ein kleiner Ersatz für die fehlende Gemeinschaft“, sagt Hecker. Matthias Wengler verschickt sogar regelmäßig E-Mails unter dem Betreff „Musik in schwierigen Zeiten“. Darin verweist er auf Youtube-Links zu verschiedenen Konzerten. Bei den Rückmeldungen habe sich gezeigt, dass der Hunger nach Livemusik und Konzerten sehr groß sei.

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