Welle der Geborgenheit

Braunschweig  Der Domchor sang am Wochenende das Weihnachtsoratorium.

Domkantor Gerd-Peter Münden im Dialog mit Solistin Sonja Boskou und dem Domchor und Dom-Sinfonieorchester.

Domkantor Gerd-Peter Münden im Dialog mit Solistin Sonja Boskou und dem Domchor und Dom-Sinfonieorchester.

Foto: Peter Sierigk

Braunschweig. Es gehört zur Weihnachtszeit wie Plätzchenbacken, Tannenduft und die vier Kerzen auf dem Adventskranz: Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Gleich mehrfach führte die Dom-Kantorei am vergangenen Wochenende das Weihnachtsoratorium auf. Die Kantaten I-III, die besondere Popularität genießen, sogar zweimal, zuzüglich einer Aufführung speziell für Kinder.

Die Kantaten IV bis VI wurden als Abschlusskonzert am Sonntagabend gespielt. Auch diese Kantaten begeisterten das Publikum und konnten eine festliche Stimmung erzeugen.

Im Zentrum des vierten Teils stand die effektvolle Echo-Arie des Soprans „Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen“ (Nr. 39), in der es darum geht, dass Jesus den Menschen die Angst vor dem Sterben nimmt. Olivia Stahn interpretierte sie mit glasklarem Sopran. Sehr gut umgesetzt wurde Bachs Echo-Effekt, bei dem eine Chor-Sängerin die Fragen des Solosoprans aus der Ferne beantwortet. Charlotte Moß machte das prima, so dass sich einige Köpfe nach ihr umdrehten wie bei Eulen auf der Suche nach dem unverhofften Klangerlebnis.

Bass Georg Gädker trumpft in seinen Arien mit voluminöser, kräftiger Stimme auf. Tenor Jörn Lindemann war kurzfristig eingesprungen und löste seine Aufgaben routiniert, Altistin Sonja Boskou gefiel mit warmem Ton.

Bach setzt in Teil V die kleinste Besetzung im Orchester ein. Neben den Streichinstrumenten und der Continuo-Gruppe erklingen nur noch die Oboen, wodurch sie hier besonders gefühlvoll zur Geltung kommen. Das Dom-Sinfonieorchester war unter Domkantor Gerd-Peter Mündens Leitung in allen Teilen ein sicherer und sensibler Partner der stark textorientierten Deutung des Werks, das Gott im letzten Choral als Sieger über Sünde, Tod und Teufel feiert und seine gnädige Zuwendung im Schlusswort bekennt: „Bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht“.

Ganz zart und schlicht kommt dies schon in dem Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“ zum Tragen, mit dem der Domchor das Publikum in eine Welle der Geborgenheit hüllte – denn genau darum geht es ja zur Weihnachtszeit.

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