Bach macht Licht

Braunschweig  Der Martini-Chor und Braunschweig-Barock interpretierten Bachs Weihnachtsoratorium.

Ein Blick auf den Martini-Chor und das Orchester Braunschweig-Barock beim „Weihnachtsoratorium“.

Ein Blick auf den Martini-Chor und das Orchester Braunschweig-Barock beim „Weihnachtsoratorium“.

Foto: Rüdiger Knuth

Johann Sebastian Bachs A-Dur-Messe ist gar nicht so kurz: Als eine der „lutherischen Messen“ strahlt sie wenig Glanz aus, scheint spröde und ermöglicht vor allem den Solisten Satz für Satz, sich zu zeigen.

1738 konnte Bach bereits auf sein stattliches Werkschaffen zurückblicken, und seine vier Messen sind zu Teilen auch Parodien auf frühere Werke. Der mittlerweile zum Thomaskantor berufene Leipziger nahm einige seiner Kantaten mit deutschem Text, um sie in die lateinischen „Missae brevis“ umzuwandeln. So wird in der A-Dur-Messe Text aus der Kantate BWV 67 „Wohl uns! Jesus hilft uns kämpfen/Und die Wut der Feinde dämpfen/Hölle, Satan, weich!“ zum beglückenden „Gloria in excelsis Deo – Ehre sei Gott in der Höhe“.

Zu den geerdeten „Kyrie“-Klängen der Bässe des Martini-Chors begleitete das Braunschweig-Barock-Ensemble unter der Leitung von Gabriele Carl-Liebold die Eingangsmesse ruhig, bisweilen etwas statisch, aber mit angemessen deutlichem Schreiten der Streicher.

Zur engagiert aufspielenden Violine gibt Maximilian Krummen das „Domine Deus“ mit klarem, gut gestaltendem, lyrischem Bariton, und die Traversflöte begleitet den in den Höhen sicher klingenden, strahlenden Sopran von Danuta Dulska.

Opulente Adveniat-Stimmung dann beim feierlichen Weihnachtsoratorium I-III: Alle Beteiligten singen nun freudig aus. Nach plötzlichem Einstieg der knalligen Pauken jetzt viel Schwung und munteres Musizieren. Sichtlich vergnügt wird vom Chor das „Jauchzet, frohlocket!“ intoniert, und schön abgestuft, und präzise verklingend gelingt das „Dienet dem Höchsten“.

Wenn der Chor feierlich die „Strahlkraft des Herrn“ besingt, erleuchtet passend der große Stern im Kirchenschiff. Hwan-Cheol Ahn gibt mit hellem, bisweilen nasal eingefärbtem Tenor einen guten Erzähler, der die Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ auch mit zartem Piano zu gestalten vermag.

Wenn’s mal schief geht, dient die deutliche Betonung der Synkopen und des Schreitens als Orientierung und Halt, bei dem sich das Orchester flugs wieder neu zu ordnen versteht. Aber insgesamt gelingt eine über die Teile hinweg ansprechende, weil frei ausgespielte Darbietung, die besonders in den fülligen Chorpassagen schön jubelnd-kraftvoll daherkommt.

Wenn die Altstimme von Anne Schuldt ihr „Schlafe, mein Liebster, genieße die Ruh’“ anstimmt, weben die Musiker einen zart-geruhsamen Klangteppich als weiche Unterlage. Mit glühender Stimme ihres warmen Alts gerät der Appell an die Stärke des „schwachen Glaubens“ sehr überzeugend.

Viele Übergänge geraten spannungsvoll, und zum Finale kann sich unter den klaren Gesten der Dirigentin eine feierlich-strahlende Atmosphäre entwickeln, nach der das erst zögerlich, dann stark applaudierende Publikum in das nasse Tauwetter entlassen wurde.

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