Sinatra trifft Adele

Braunschweig  Zur Verleihung der Jazz-Preise erklang ein Mix der Genres.

Überzeugt von der Strahlkraft des Jazzpianos ereilte Mathias Claus vor vierzehn Jahren die Idee, eine Jazzpianoklasse an der Städtischen Musikschule zu gründen. Auch, um eine neue Begeisterung für den Jazz zu entfachen. Jahr für Jahr präsentieren die Talente und ihr Mentor bei einem Konzert im Altstadtrathaus seither ihr Können. Die Gerda-Fricke-Stiftung nutzt diesen Anlass zugleich, um die Besten eines Jahrgangs der Jazzpianoklasse zu ehren. Das diesjährige Konzert zeigte eindrucksvoll, dass Jazz und Pop sich nicht ausschließen.

Das Konzert beginnt etwas holprig, als die Teilnehmer des Popchores aus den ersten Sitzreihen nach vorne eilen, sich ein wenig ungeordnet aufreihen, und selbst überrascht vom Beginn des Konzertes scheinen, als sie die ersten Zeilen von Sam Smiths Pop-Ballade „Too Good At Goodbyes“ singen.

In Claus’ Projekt geht es nicht mehr nur um Jazz. Vielmehr ist das Konzert eine Variation verschiedener Genres, die die Musiklandschaft seit dem Aufkommen des Jazz geprägt haben. Den Zuhörern werden Einblicke in die Welten des Jazz, Pop, Soul und sogar Rap geboten.

Während sich beim Eröffnungssong noch Schwierigkeiten zeigen, den komplexen Gesangslinien gerecht zu werden und sich höchstens andeutet, über welche Qualität die Musiker des Abends verfügen, wissen die darauffolgenden Soloauftritte zu überzeugen. So gelingt es etwa Jeyan Simsek mit „Just Say You Won’t Let Go“ das Publikum zu begeistern und dem Konzert die nötige Struktur zu geben.

Vor jedem Beitrag hat sich Mentor Claus ein paar kurze Worte für die Künstler zurechtgelegt, um diese dann lässig um eine Anekdote aus dem Unterricht zu ergänzen. Mit erstaunlicher Souveränität spielt der zwölfjährige Silas Mengedoht dann Frank Sinatras „Cheek to Cheek“ an dem plötzlich so überdimensional wirkenden Flügel und wird dafür mit lautstarkem Beifall honoriert. Er erhält heute den Jazzpiano-Youngster-Preis.

Später steht Matthias Luther als Gewinner in der Kategorie Jazzpiano im Scheinwerferlicht und setzt dem Abend mit Bill Evans rasantem „Waltz For Debby“ die Krone auf. Die dritte Preisträgerin, Pauline Zimmermann, verfolgt die Show erkrankt nur als Zuschauerin. Ihre Soulstimme wird aber vielfach gelobt.

Folgen Hits von Adele, Katie Melua und Marvin Gaye, improvisatorischer Kneipenjazz trifft auf emotionale Pophymnen. Die einzelnen Stücke sind mal instrumental gehalten, mal stechen sie gerade durch kräftige Stimmpassagen hervor und animieren die Zuhörer zum Mitklatschen, wie etwa „Ain’t No Mountain High“, präsentiert von Alba Haxhiu. Zum Schluss singt der Popchor Macklemores Rapsong „Can’t Hold Us“ – wie zu Anfang ein wenig holprig, denn der Pianist hat seine Noten vergessen. „Dann wird nun improvisiert. So ist das im Jazz“, ruft Initiator Claus.

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