Schöner Götterfunke

Braunschweig  Das Staatsorchester spielte Beethovens neunte Sinfonie.

Ludwig van Beethovens symphonisches Vermächtnis an die Menschheit erfordert einen riesigen Apparat. Beim Konzert des Staatsorchesters in der ausverkauften Stadthalle standen knapp 200 Mitwirkende auf der Bühne. Auch deshalb hat das Werk Ausnahmerang.

Generalmusikdirektor Alexander Joel betonte mehr die der Sinfonie innewohnenden dynamischen Gegensätze, als sich allein auf ihre dramatische Wucht zu verlassen. Programmatisch der Auftakt: Da formt sich das Hauptthema wie aus gestaltloser Materie zu imponierender Größe, um dann spektakulär in sich zusammenzufallen.

Immer wieder baut das Staatsorchester mit steigernder Dynamik ein Szenario, das sich wie ein reinigendes Gewitter in donnernden Fortissimo-Schlägen entlädt. Dazwischen vibrierende Passagen voller beunruhigender Ungewissheit. Dann wiederum elementare Energie. Abschnitte voll zarter Empfindung folgen, unterlegt von fernen Hornrufen.

Federnd das Presto. Im Mittelteil scheinen Beethoven und sein Interpret Joel gleichsam ein Fenster aufzustoßen. Da wandelt sich die jagende Motorik des Satzes in weit ausschwingende friedvolle Empfindung. Und im Andante malt das Staatsorchester Beethovens Vision von der zerbrechlichen Schönheit der Welt mit leuchtenden Farben aus.

Schließlich der Höhepunkt: das Chorfinale. Selçuk Hakan Tirasoglu intoniert mit mächtigem Bass die menschheitsumarmende Aufforderung des Komponisten zu friedvoller Verständigung. Dann folgen Schillers vertonte Verse.

Der suggestiven Wirkung des Chorsatzes wird sich wohl niemand so leicht entziehen können und wollen. Der Chor des Staatsorchesters und der Konzertchor Braunschweig, Einstudierung Georg Menskes und Matthias Stanze, singen im Wechsel mit den hervorragend disponierten Solisten Morenike Fadayomi, Sopran, Anne Schuldt, Mezzo, und Artur Shen, Tenor, den Hymnus an die Freude mit einer sich direkt mitteilenden spürbaren Begeisterung.

Joel baut eine klangliche Spannungsarchitektur, die im jubelnden Freudentaumel ihren Höhepunkt findet und schließlich Künstler wie Publikum erfasst. Da scheint für einen glückhaften Moment Beethovens Traum einer weltumspannenden Harmonie wie eine reale Option. Langer Beifall, auch für eine durchsichtige duftige Wiedergabe der Kammersinfonie von Arnold Schönberg, mit der das Konzert begann.

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