Vergessen wir mal kurz den Babybrei

Braunschweig  Der Kindernahrungs-Produzent Nikolaus Hipp stellt in Braunschweig seine abstrakten Gemälde aus.

Abstrakte Komposition von Nikolaus Hipp in der Braunschweiger Ausstellung (Ausschnitt).

Abstrakte Komposition von Nikolaus Hipp in der Braunschweiger Ausstellung (Ausschnitt).

Foto: Katalog

Herrn Hipp kennen wir aus der Werbung. Wenn’s um die Qualität seiner Babynahrung geht. „Dafür stehe ich mit meinem Namen“, sagt er würdevoll in die Kamera. Und schaut dabei so treuherzig drein – wir würden ihm in dem Moment glatt eine Palette seiner kleinen Gläschen mit den kleinen Herzchen abkaufen, obwohl die Brut sich längst bei Mc Donald’s ernährt.

Nun tritt der Babybrei-Dynast in der Jakob-Kemenate in ganz anderer Eigenschaft auf: als Künstler. Wir würden ihm sofort auch ein paar seiner abstrakten Gemälde abkaufen, wenn es der Geldbeutel erlauben würde. Denn die sind ganz schön, sie passen als dezente Stimmungsaufheller gut übers Sofa. Wenngleich sie dort womöglich nicht so lichtvoll wirken würden wie in der Braunschweiger Martini-Kirche, einem anderen Ausstellungsort.

Die Hipp-Schau unter dem Titel „Alles ist Licht“ ist nach Barlach, Grass, Hesse und anderen ein weiterer Baustein in der Reihe „Doppelbegabungen“ des Kemenate-Betreibers Joachim Prüsse.

Der Name Hipp sei ihm dabei Fluch und Segen zugleich, sagte der Maler bei der Pressekonferenz in der Kemenate. Segen, weil er ihm in der Kunst eine größere Aufmerksamkeit zusichere als anderen. Fluch, weil viele Menschen dadurch geneigt seien, ihn für einen nebenbei malenden Manager zu halten. Naturgemäß betonte der 74-jährige Industrielle in Braunschweig seine Professionalität als Künstler. Immerhin war er in den 60er-Jahren Meisterschüler an der Münchner Kunsthochschule. 1968 übernahm er die Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Heute ist er unter anderem auch als Kunst-Dozent in Georgien tätig.

Erstaunlich, dass er den Vorrang der Form vor der Farbe in seinen abstrakten Kompositionen betonte. Denn die Form ist ja doch oft: wolkig, schlierig, kantig, streifig. Oder alles zugleich.

In der Farbigkeit hingegen beweist Hipp ein Gespür für Harmonie und Kontrast, für das Verwirbeln und Flirren von Tönen, das pastose Hervorbrechen einzelner Akzente. Natürlich ist alles Licht, denn ohne Licht keine Farbe.

Aber bei aller Liebe zur dekorativen Gegenstandslosigkeit ist das Auge schon auch müde geworden – seit dem Aufbruch der Abstraktion im frühen 20. Jahrhundert, seit dem expressiven Wiederaufleben nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither: viele Leinwände mit viel Farbe drauf. Nikolaus Hipps Bilder sind da nicht innovativ. Aber wie gesagt: ganz schön.

In der Jakobs-Kemenate, der St. Martini-Kirche, dem Amtsgericht, dem Augustinum, dem Bankhaus Löbbecke und dem Hauptbahnhof Braunschweig täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 5 Euro, bis 18 Jahre frei.

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