Berlin. Wer ist schuld an der Wohnungsnot? Diese Frage diskutierten Gäste bei “Hart aber fair“. Sie sehen eine Lücke – die niemand schließt.

Bezahlbarer Wohnraum ist rar, eine eigene Immobilie kann sich kaum noch jemand leisten. Louis Klamroth wollte bei der neuen Ausgabe von "Hart aber fair" wissen, wer schuld an der Wohnungsnot ist.

Erdal Balci hat sechs Jahre lang ein Haus für seine Familie in Bremen gesucht. "Wir wollen ein Haus, mehr nicht", sagt er. Er erzählt von bis zu 400 Mitbewerbenden um eine Immobilie und Bauunternehmen, die ihn wieder weggeschickt hätten, weil andere Menschen mehr bezahlt hätten.

"Hart aber fair": Diese Gäste waren am Montag dabei

  • Klara Geywitz (SPD-Politikerin und Bauministerin)
  • Caren Lay (Politikerin, Die Linke)
  • Erdal Balci (Familienvater)
  • Dirk Salewski (Bauunternehmer)
  • Gerhard Matzig (Journalist, Süddeutsche Zeitung)

Inzwischen hat die Familie die Eigenheimsuche beendet und ist wieder in ein Miethaus gezogen. "Nichts ist mehr kalkulierbar", so Balci im Hinblick auf steigende Baukosten, höhere Bauzinsen und politische Normen. "Das ist ein großes Problem."

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"Hart aber Fair" in der ARD: Wohnen auch für Mitte der Gesellschaft ein Problem

In Deutschland gibt es derzeit nur noch eine Millionen Sozialwohnungen, dabei hätten rund elf Millionen Menschen Anspruch auf eine. Eigentlich müssten im Jahr 700.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken, sagt Bauunternehmer Dirk Salewski. Gebaut würden derzeit aber nur 400.000. "Es braucht seine Zeit, bis die Baupolitik seine Wirkung zeigt", entgegnet Bundesbauministerin Klara Geywitz.

"Es ist ein Problem, das in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist", sagt der Journalist Gerhard Matzig. "Für den Augenblick ist es sehr schwer geworden, den Traum vom Eigenheim in Deutschland zu realisieren." Und auch Salewski meint: "Wir bauen Wohnungen für sozial Schwache und Millionäre, aber alles, was dazwischen ist, fällt weg." Lesen Sie auch: Altbau oder Neubau: Wann sich welches Investment lohnt

"Hart aber Fair": Journalist fordert stärkere staatliche Kontrolle

Der Bauunternehmer erzählt, dass die Nachfrage von privaten Bauherren "quasi auf Null" gefallen sei. Auch Sophia und Adrian Leistner konnten es sich nicht mehr leisten zu bauen. Ein Grundstück hatten sie schon gekauft, doch die Erschließung dauerte zu lange. In der Zwischenzeit seien die Zinsen so stark gestiegen, dass sie sich den Bau nicht mehr hätten leisten können, erzählen sie.

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Linken-Politikerin Caren Lay sieht ein Hauptproblem des Wohnungsmarktes in der Spekulation mit Immobilien. Sie fordert die Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften und eine staatliche Regelung für Tauschwohnungen.

Das sieht auch der Journalist Gerhard Matzig so: "Wir brauchen mehr staatliche Kontrolle. Wohnen ist ein Menschenrecht. Das können wir nicht dem Markt überlassen."

Zur Ausgabe von "Hart aber fair" in der ARD-Mediathek.

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