“Astronaut“ im Astor Filmtheater Braunschweig – Lohnt er sich?

Braunschweig.  Auf der Promo-Tour für den Film „Astronaut“ war auch Laura Winterling in Braunschweig – sie hat Astronauten wie Alexander Gerst trainiert.

Richard Dreyfuss spielt die Hauptrolle in "Astronaut"

Richard Dreyfuss spielt die Hauptrolle in "Astronaut"

Foto: Jets Filmverleih

Dass sie Oscar-Preisträger Richard Dreyfuss für ihren ersten Kino-Film „Astronaut“ gewinnen konnte, hat Regisseurin Shelagh McLeod überrascht. Nicht aber, dass er das Drehbuch gut fand. Selbstbewusst gibt sich die Regisseurin am Samstag im Astor Filmtheater in Braunschweig. Sie und Astro-Expertin Laura Winterling rühren kräftig die Werbetrommel, um den Film in Deutschland trotz der Corona-Krise zum Erfolg werden zu lassen. Ob sich der Film lohnt und wie die ehemalige Astronauten-Trainerin zur Glaubwürdigkeit des Films steht, lesen Sie hier.

„Astronaut“: Darum geht’s

Darum geht es in „Astronaut“: Angus, gespielt von Richard Dreyfuss, ist ein 80-Jähriger Witwer, der aus gesundheitlichen Gründen bei seiner Tochter Molly (Krista Bridges) eingezogen ist. Abends erklärt er seinem Enkel am Fernrohr die Sterne. „Menschen werden immer in die Sterne schauen“, sagt Angus. Sein Leben lang begleitet ihn die Sehnsucht, ins All zu fliegen. Und wie es der Zufall will, verlost Milliardär Marcus Brown ein Ticket für einen Flug ins All mit seinem privaten Raumfahrtunternehmen. Brown, gespielt von Colm Feore, erinnert biografisch an Auto- und Raumfahrt-Mogul Elon Musk.

Die sensationelle Verlosung kommt für Angus zunächst nicht in Frage. Gesundheitlich schwer angeschlagen muss er ins Altersheim. Und dort trifft er wenige Minuten vor Ablauf der Bewerbungsfrist eine Entscheidung – Er meldet sich doch für die Verlosung an. Er lügt sich durch das Bewerbungsformular. Es kommt, wie es kommen muss: Der viel zu kranke und alte Angus wird live im Fernsehen ausgelost. Hier nimmt der Film erst so richtig Fahrt auf und wird zunächst weniger vorhersehbar als im ersten Drittel. Regisseurin McLeod hat nicht mit typischen Hollywoodklischees gegeizt, zum Beispiel wenn seine Mitbewohner im Altersheim ihm energisch zujubeln und Angus’ Enkel (Richie Lawrence) durch die Straßen rennt, um seinem Großvater zu helfen.

Richard Dreyfuss tröstet über hölzerne Dialoge hinweg

Spontane Tanzeinlagen und sich in Gefälligkeit auflösende Familienkonflikte machen den Film zeitweise zu seicht. Regisseurin und Drehbuchautorin Shelagh McLeod hat Themen wie Tod und Krankheit nicht neu erzählt, auch dort hat sie sich der typischen Hollywood-Stilelemente bedient. Die Dialoge wirken teilweise hölzern und unnatürlich – etwa, wenn Angus und seine Tochter in einem Gespräch zwischen Tür und Angel unterbringen, warum Angus’ Frau gestorben ist und warum er Schulden hat. Dreyfuss tröstet mit seinem charismatischen Schauspiel darüber hinweg. In „Astronaut“ glänzt der Oscar-Preisträger.

Fazit: Film lohnt sich für Freunde des Popcorn-Kinos

Wer einen künstlerisch anspruchsvollen Film mit mehreren Bedeutungsebenen sucht, ist bei „Astronaut“ falsch. Er empfiehlt sich für Familien mit Kindern ab sechs Jahren, für Raumfahrt-Enthusiasten und Träumer.

Regisseurin Shelagh McLeod arbeitet bereits an neuem Astro-Film

„Astronaut“ hat eigentlich im Jahr 2019 Premiere gefeiert. Erst in diesem Jahr ist der Film mit Synchronisation in die deutschen Kinos gekommen. Im Astor Filmtheater erklärt Regisseurin McLeod ihre Motivation: „Ich liebe die Idee, für etwas scheinbar unerreichbares zu kämpfen.“ Da sollte also viel Stoff für Popcorn-Kino zu erwarten sein.

Ihr nächster Film „Nexus“ handelt ebenfalls von der Raumfahrt. In „Nexus“ werde es um eine Astronautin gehen, die nach ihrer Karriere auf der Erde zurecht kommen muss. Mit „Astronaut“ hat McLeod bewiesen, dass sie Potenzial für Hollywood mitbringt.

Ehemalige Astronauten-Trainerin Laura Winterling wirbt für den Dreyfuss-Film

Wer wie Angus in „Astronaut“ gesundheitlich angeschlagen ist, sollte nicht ins All fliegen. Aber wie sieht es aus, wenn es in der Schwerelosigkeit einen medizinischen Notfall gibt? „Astronauten haben zumindest eine gewisse medizinische Ausbildung“, erklärt Laura Winterling, ehemalige Astronauten-Trainerin bei der europäischen Weltraumorganisation ESA. Wunden nähen könne jeder, auch ein pharmazeutisches Grundwissen sei vorhanden. Und sollte das schlimmste eintreten – der Tod – gebe es sogenannte Bodybags an Bord. „Und die werden beim Rückflug genauso angeschnallt wie die Crew“, sagt Winterling.

Wie realistisch ist es, dass bald jeder wie in „Astronaut“ ins All fliegen kann? Winterling wirkt vergnügt über diese Skepsis. „Wie lange hat es denn in der Luftfahrt gedauert?“, entgegnet sie schmunzelnd. „In den nächsten zehn Jahren ist es bestimmt soweit.“ Raumfahrt-Enthusiasten müssen also nur warten.

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