Corona-Perspektiven – Matthias Köninger ist gespalten

In der Reihe Corona-Perspektiven erzählen Kulturschaffende der Region von ihren Sorgen, Ängsten, Hoffnungen. Heute: der Musiker Matthias Köninger.

Der Musiker, Moderator, Komponist  und Improvisationskünstler Matthias Köninger.

Der Musiker, Moderator, Komponist  und Improvisationskünstler Matthias Köninger.

Foto: Soeren Pietsch / Paul Köninger

Ich bin selbständiger Künstler mit verschiedenen unterschiedlich von der Krise betroffenen Arbeitsfeldern, (Live-Swingmusik, Improtheater, Auftragskompositionen und Musiktherapie), nirgends systemrelevant – und Ambivalenz wird zu meinem zweiten Vornamen.

Uns als Familie geht es gut, im Augenblick, das Hier-und-Jetzt betrachtend. Wir sind gesund, und wir haben zurzeit wieder zwei Einkommen. Nach drei Monaten vollständigen Stillstands bei Auftritten und Kompositionsaufträgen haben sich Juli und August bemerkenswert belebt (was zweifelsohne auch auf mein Gemüt zutrifft).

Nach der Open-Air-Saison wird es wieder düster

Andererseits befürchte ich wie die meisten Künstler, dass auch ohne „Zweite Welle“ zumindest der Livemusik-Betrieb mit dem Ende der Open-Air-Saison wieder vollständig zum Erliegen kommt und eine nicht-defizitäre Wiedereröffnung der Theater und anderer Spielstätten noch in weiter Ferne liegt. So diese Spielstätten diesen Moment überhaupt noch erleben.

In meinem Alltag teile ich die Sorge vor weiteren Ansteckungen, befürworte das Tragen von Masken und das „social distancing“ – und ertappe mich immer wieder beim Vergessen der Maske oder dem spontanen Umarmen von Freunden. Ich lernte und lerne dabei, wie wichtig mir unbewusst persönliche Nähe und Kontakt sind (wie immer, wenn etwas plötzlich fehlt).

Das Land hilft nicht, aber die Stadt

Wir Künstler in Braunschweig sind nahezu privilegiert. Gänzlich ohne Hilfe der nur verbal kulturaffinen niedersächsischen Landesregierung haben wir hier durch die Stadt wie auch die Initiative Jazz eine substanzielle finanzielle Unterstützung erhalten, eine auch im bundesdeutschen Maßstab außergewöhnliche Maßnahme und Wertschätzung, die Mut macht!

Glaube und Hoffnung: Vielleicht lernen wir, mit „weniger“ gut zu leben und zu schätzen und bewahren, was uns eigentlich ausmacht: Kontakt, Nähe, Neugierde und Humor.

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