Endlich wieder Kino – Diese Filme laufen neu in der Region

Braunschweig.  Die Kinobranche beklagt bei der Wiederöffnung fehlende internationale Kassenknüller. Ein paar neue Filme starten aber.

„Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe als Action-Held wider Willen in einer Szene der schrägen Gamer-Komödie „Guns Akimbo“.

„Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe als Action-Held wider Willen in einer Szene der schrägen Gamer-Komödie „Guns Akimbo“.

Foto: Universum Film / dpa

Die Kinobranche wagt vorsichtig den Neustart. In einigen Bundesländern durften Filmtheater bereits Anfang Juni wieder öffnen. In der vergangenen Woche gab auch Niedersachsens Landesregierung grünes Licht, allerdings unter hohen Auflagen. Neben der 1,5 Meter-Abstandsregel, die in der Regel die Sperrung jeder zweiten Sitzreihe bedingt, gilt auch während der Vorstellung Maskenpflicht – sofern nicht gerade Snacks oder Getränke konsumiert werden.

Probleme bereitet der Branche auch, dass viele große internationale Filmstarts wie die Disney-Produktion „Mulan“ oder Christopher Nolans Actionfilm „Tenet“ erneut verschoben wurden. Grund ist, dass in den USA, China und anderen wichtigen Märkten noch viele Kinos geschlossen sind. Die Streifen sollen nun erst im August anlaufen.

Die Filmtheater zeigen darum vor allem Streifen, die kurz vor dem Lockdown im März angelaufen waren wie die „Känguru-Chroniken“ oder „Narziss und Goldmund“. Es gibt jedoch auch Filme, die in dieser Woche neu starten. Hier ein Überblick:

„Undine“

Christian Petzolds zwischen Traum und Wirklichkeit schwebendes Liebesdrama erzählt, angelehnt an einen Mythos, von der mysteriösen Historikerin Undine, die sich in einen Industrietaucher verliebt. Auf der diesjährigen Berlinale wurde Paula Beer als beste Darstellerin ausgezeichnet.

„Du kannst nicht gehen“, sagt Undine entschlossen, als ihr Freund Johannes ihr zu Beginn des Films eröffnet, dass er sich trennen will. „Wenn du mich verlässt, dann muss ich dich töten. Das weißt du doch.“

Die Todesdrohung stammt aus einem romantischen Nixen-Mythos: Männer können die schöne Undine aus einem Waldsee rufen, wenn sie sich nicht geliebt fühlen. Dann schenkt sie ihnen Liebe. Sollten die Männer sie aber betrügen, muss Undine ihnen das Leben nehmen und zurück ins Wasser steigen. Soweit die Erzählung.

Petzold allerdings nimmt das Ganze etwas auseinander. Seine Undine lernt den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) kennen, deren Verbindung besiegelt wird, als ein Aquarium platzt. Es sind Szenen wie diese – durchkomponiert, unwirklich –, die den etwas spröden Film sehenswert machen.

„Guns Akimbo“

Manchmal ist der Grat zwischen Kult und Schund ziemlich schmal. Mit der abgedrehten Actionkomödie „Guns Akimbo“ könnte „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe aber manchen Fan finden. In dem Film von Regisseur Jason Lei Howden spielt Radcliffe den erfolglosen Videospielentwickler Miles. Eines Tages wacht der friedfertige Vegetarier mit automatischen Waffen an seinen Händen auf und findet sich in einem live ins Internet übertragenen Fight gegen die unbesiegbare Kampfmaschine Nix (Samara Weaving) wieder.

„Guns Akimbo“ ist in Spielerkreisen der Fachbegriff für den beidhändigen Einsatz von Waffen. Das haben die Macher wörtlich genommen und ein Videospiel mit ein bisschen Geschichte drumherum gefilmt. Die Kamera geht auf einen wilden Ritt durch die Perspektiven, Blut spritzt im Sekundentakt an Wände, Patronen fallen in Zeitlupe aus riesigen Waffen. Die Figuren sind konsequent überzeichnet. Tiefgang sollte man nicht suchen, unterhaltsam ist der Blödsinn irgendwie dennoch. „Guns Akimbo“ ist so selbstironisch, dass die brutale, düstere Gaming-Abknallorgie bei den meisten keine negativen Spuren hinterlassen dürfte.

„Meine Freundin Conni“

Die blonde Conni mit ihrem rot-weiß geringelten Pullover hat in den vergangenen 30 Jahren schon einiges erlebt. Mit ihr zusammen sind Millionen Kinder in den Kindergarten, in die Schule und ins Schwimmbad gegangen. Mit „Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau“ kommt nun der erste animierte Conni-Streifen ins Kino.

In dem 76 Minuten langen Zeichentrickfilm von Regisseur Ansgar Niebuhr verschlägt es Conni und ihre Freunde in eine Jugendherberge an einer alten Burgmühle. Als blinder Passagier ist auch Connis frecher Kater Mau dabei, der zu Unrecht eines Diebstahls bezichtigt wird. Mit Hilfe ihrer Freunde versucht sie, den wahren Täter zu finden. Der Ausflug wird zu einer aufregenden Abenteuerreise. Für Lacher sorgen vor allem die ständige Angst vor Geistern des Praktikanten Lennart, die Versteckspiele der Kinder und die Streiche des Katers. Für kleine Kinder ist das Conni-Abenteuer durchaus unterhaltsam.

„Takeover – Voll vertauscht“

Die Zwillingsbrüder Roman und Heiko Lochmann waren erfolgreiche Youtuber, bis sie sich vor einem Jahr zum Entsetzen der Fans von der Internet-Plattform verabschiedeten. Doch von der Bildfläche sind die 21-Jährigen nicht verschwunden. Ein Musikalbum ist in Planung. Außerdem läuft ein neuer Kinofilm an. „Takeover – Voll vertauscht“ von Florian Ross ist eine Verwechslungskomödie, die trotz einiger Klischees amüsant und anrührend erzählt wird.

Anders als in ihrem ersten Kinofilm „Bruder vor Luder“ spielen Roman und Heiko nicht sich selbst, sondern schlüpfen in richtige Rollen: Danny (Roman Lochmann) träumt von einer Karriere als Musiker. Rückhalt bekommt er von seiner Mutter und den Geschwistern. Sie haben zwar kaum Geld, halten aber fest zusammen. Ludwig (Heiko Lochmann) dagegen kommt aus einer reichen Familie, ist aber trotzdem ziemlich unzufrieden.

Als sich die Jungs treffen, stellen sie fest, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Spontan beschließen sie, ihr Leben zu tauschen. Stark ist der Film in Szenen, in denen sich die Jugendlichen mit ihren Ängsten und Träumen auseinandersetzen. Ein bisschen erinnert er an Erich Kästners Kinderroman „Das doppelte Lottchen“.

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