Britta Rex jazzt sich in Braunschweig durch die Krise

Braunschweig.  Die Braunschweiger Sängerin geht als Künstlerin und Dozentin verstärkt online – und spielt ein neues Album ein.

Britta Rex und ihr Partner und Schlagzeuger Eddie Filipp spielen den „Resilience Song“ ein, ihre Antwort auf die Corona-Krise.

Britta Rex und ihr Partner und Schlagzeuger Eddie Filipp spielen den „Resilience Song“ ein, ihre Antwort auf die Corona-Krise.

Foto: Britta Rex / Privat

Einen Bildschirm 24-fach zu unterteilen, in jedes Fensterchen eine Sängerin oder einen Sänger zu platzieren und ihre Stimmen so zu synchronisieren, dass am Ende wieder ein Chor daraus wird, der gemeinsam ein irisches Volkslied singt – Britta Rex hat das jetzt drauf.

Zwar würde sie mit dem Salzgitteraner Ensemble Gentle Voices lieber wieder gemeinsam im Probensaal der Städtischen Musikschule arbeiten. Doch weil Corona das vorerst unmöglich macht, probiert die Braunschweiger Jazz-Sängerin, Songschreiberin und Gesangs-Dozentin eben neue Wege aus, mit Musik durch die Krise zu kommen. Und fuchst sich intensiv in digitale Medien ein.

Der Chor Gentle Voices singt vereint und doch getrennt

„Ich war technisch schon vorher ganz versiert, aber ich habe jetzt noch mal investiert und mich weiter fit gemacht“, erzählt die freischaffende Musikerin. Rex lässt sich von der Pandemie nicht unterkriegen und ist verstärkt auf digitalen Plattformen aktiv. Sie hat sich in den vergangenen Wochen mit Videoschnitt und Tontechnik befasst und lädt nun ästhetisch ausgefeilte Videos auf ihren YouTube-Kanal hoch. Etwa den „Resilience Song“, den sie gemeinsam mit ihrem Partner und Schlagzeuger Eddie Filipp eingespielt hat, wie sie ein profilierter Kopf nicht nur der Braunschweiger Jazz-Szene.

„Du fragst, wer sich für meine Gedichte interessiert / die in schlaflosen Nächten lebendig werden“, singt Rex mit ihrem schwerelosen, facettenreichen Mezzo. „Du meinst, ich hätte lieber einen vernünftigen Job wählen sollen in harten Corona-Zeiten / Aber ich träume und liebe einfach weiter“. Und dann hebt ihre Stimme improvisierend ab, verdoppelt und verdreifacht sich, angefacht von Filipps zugleich komplexen und klaren Rhythmen.

Britta Rex singt ihren „Resilience Song“

Wahr ist allerdings auch, dass Rex so unvernünftig gar nicht ist und ihre Musikerkarriere auf mehreren Säulen aufgebaut hat. Eine tragende ist die Arbeit als Dozentin an den Musikhochschulen in Lübeck und Hannover sowie an der Musikschule Salzgitter. Der Unterricht fand zuletzt online statt. „Grundsätzlich klappte das erstaunlich gut. Bedingung ist allerdings eine gute technische Ausstattung.“ Viele Studenten hätten sie, jüngere und ältere Musikschüler aber nicht unbedingt.

Doch selbst Top-Technik könne persönliche Präsenz nicht dauerhaft ersetzen, sagt Rex, die in Hannover einst selbst umfassend ausgebildet wurde. „Eine Stimme erklingt immer im konkreten Raum und muss mit der akustischen Umgebung arbeiten.“ Online gehe ein Teil der Frequenzen verloren, Obertöne etwa. Und die Begleitung mit dem Klavier sei wegen leichter Verzögerungen bei der Übertragung auch problematisch. Dennoch: Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass man einen Teil des Unterrichts auch per Video geben könne. Gerade bei Lehraufträgen in der Ferne sei das eine interessante Perspektive. In Salzgitter und Hannover, erzählt Rex, wolle man nun aber wieder zum Präsenzunterricht übergehen: „In großen, gut gelüfteten Sälen mit einem Mindestabstand von drei Metern.“

Aufgrund ihrer Arbeit als Dozentin, aber auch mit Unterstützung aus dem Hilfsfonds der Stadt Braunschweig und der Spendenaktion der Jazzinitiative komme sie bisher finanziell ganz gut durch die Krise, sagt die 50-jährige Musikerin. In den kommenden Monaten will sie nun ein neues Album realisieren. Das letzte, „Traces of Life“, liegt schon rund zehn Jahre zurück. Die lange Pause hänge mit dem großen Aufwand einer Produktion zusammen, nicht nur für die Aufnahmen, sondern auch für Vertrieb und Vermarktung. „Ich muss das meiste selbst machen. Jazz ist ein Nischen-Genre, und ich werde dafür kein großes Label finden.“

Das letzte Mal habe sie der Angang ziemlich geschafft. Und Geld lasse sich mit Tonträgern kaum noch verdienen. „Aber ich mag es immer noch, ein physisches Produkt in den Händen zu halten, ein Dokument, das eine Zeit zusammenfasst.“ Sie habe reichlich Songmaterial zusammen, mit einem Schuss Weltmusik. Ein paar deutschsprachige Stücke seien auch darunter. „Jazz ist für mich eine Geisteshaltung der Freiheit, auch dem Material gegenüber – und ein bisschen Rebellion gegen feste Hörerwartungen“, sagt Rex.

Am liebsten tritt sie immer noch live auf, mit ihrem Britta Rex Quartett und diversen anderen Ensembles. Ein rundes Dutzend Konzerte seien in diesem Jahr schon abgesagt worden. „Meine Sorge ist, dass auch nach Corona eine diffuse Angst vor Nähe, direktem Kontakt und Interaktion zurückbleibt – all das, was Livemusik ausmacht“, sagt sie.

Mehr Infos: brittarex.de und youtube.com/c/brittarex

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