Hälfte der Braunschweiger Corona-Kulturförderung noch frei

Braunschweig.  Der von der Stadt Braunschweig aufgelegte 1 Million schwere Fonds zur Unterstützung freier Künstler und Kulturinstitutionen hat noch Geld.

Eine Szene des Tanztheaterklubs im freien LOT-Theater Braunschweig.

Eine Szene des Tanztheaterklubs im freien LOT-Theater Braunschweig.

Foto: LOT

Eine Million Euro hat die Stadt Braunschweig allein für ihren Kulturhilfsfonds aufgebracht, der die Folgen der Corona-Krise für freie Künstler und Kulturinstitutionen ausgleichen soll. Seit Ende April können Anträge gestellt werden. Dabei sind bisher Anfragen im Wert von circa 440.000 Euro eingegangen, berichtet Stefan Malorny, Leiter des Fachbereichs Kultur und Wissenschaft im Kulturdezernat der Stadt, auf Nachfrage.

„Im Bereich Solo-Kulturschaffende liegen Anträge für rund 310.000 Euro vor, im Bereich freie Kulturinstitutionen für rund 120.000 Euro“, so Malorny. „Der Fonds wird also gut angenommen, und wir werden nun in einer zweiten Runde nochmal gezielt bei Kulturschaffenden auf unsere Hilfsmaßnahmen hinweisen.“ Besonders freut es ihn, dass die Rückmeldungen aus der Szene sehr positiv seien. „Wir scheinen genau den Bedarf der Künstler und Institutionen getroffen zu haben. Wir haben da auch bundesweit Ausnahmecharakter, wo die Fonds stärker wirtschaftliche Aspekte im Fokus haben und nicht so sehr auf die kulturrelevanten Notwendigkeiten abheben.“

Das Braunschweiger Modell ist dreiteilig. Zum einen erhalten Kultureinrichtungen Unterstützung für Einnahmeausfälle aufgrund abgesagter Veranstaltungen. Abhängig von der Zahl der Mitarbeiter können das zwischen 3000 und 30.000 Euro sein. „Die Grundkosten wie Miete und Gehälter müssen ja weitergezahlt werden“, erläutert Malorny. Diese Unterstützung könne zum Beispiel für freie Theater gelten, auch wenn sie von der Stadt institutionell gefördert sind. Aber nicht für reine Stadt- und Staatseinrichtungen wie das Staatstheater.

Zum zweiten werden Künstler unterstützt zum Ausgleich für weggebrochene Engagements. Solo-Künstler erhalten 5000, Bands und Ensembles 6000 Euro. Zum dritten können Künstler für Projektinvestitionen, also Vorarbeiten, die aufgrund der Absage oder Verschiebung ihrer Veranstaltung nun vergeblich gewesen sind, 1000 Euro erhalten, sofern das Projekt bereits genehmigt war.

„Wir brauchen natürlich für alles Nachweise“, betont Malorny. Das erkläre vielleicht noch etwas die Zurückhaltung bei den Anträgen. „In der Szene wird noch manches per Handschlag vereinbart, um die Engagements zu überbrücken.“ Die Kulturverwaltung gehe allerdings „maximal flexibel“ bei der Anerkennung der Leistungen vor. Die Solo-Künstler könnten auch durch ihre Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse ihre künstlerische Aktivität belegen. „Wir wissen natürlich, dass freischaffende Künstler nicht immer eine Organisationsstruktur mit eigenen Büros und Probenräumen vorhalten, die absetzbar wären, sondern vielfach in privaten Räumen arbeiten und einfach ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, um schaffen zu können.“

Wichtig sei zunächst die Breite der Förderung gewesen. Wenn nun Geld übrig bleibe, könnte vorbehaltlich eines entsprechenden politischen Beschlusses zum Beispiel die Förderdauer ausgeweitet werden, die bislang auf März bis Juni beschränkt war. Dann könnten einige Künstler und Institutionen erneut bedacht werden.

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