Herero-Kultobjekt vermisst – Spur führt nach Braunschweig

Braunschweig.  Der Herero-Führer Kahimemua wurde in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika hingerichtet. Liegt sein heiliger Gürtel im Städtischen Museum?

Könnte dieser Patronengürtel aus dem Depot des Städtischen Museums Braunschweig der "heilige Gürtel" des namibischen Nationalhelden Kahimemua sein? Ein Spezial-Labor soll ihn nun untersuchen.

Könnte dieser Patronengürtel aus dem Depot des Städtischen Museums Braunschweig der "heilige Gürtel" des namibischen Nationalhelden Kahimemua sein? Ein Spezial-Labor soll ihn nun untersuchen.

Foto: Städtisches Museum

Die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika, ihre Folgen und der Umgang damit spiegeln sich wie in einem Brennglas im Fall des „heiligen Gürtels“ des Herero-Führers Kahimemua Nguvauva. Wichtige Rollen spielen dabei der Auswanderer Gustav Voigts aus Meerdorf bei Peine – und das Städtische Museum Braunschweig.

Kahimemua war Ende des 19. Jahrhunderts ein Anführer der Ovambanderu, eines Herero-Clans im heutigen Namibia, der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Er wehrte sich entschieden gegen die Landnahme deutscher Siedler. In Kämpfen gegen die Schutztruppe geriet er 1896 in Gefangenschaft und wurde hingerichtet. „Zwölf Schüsse waren nötig, bevor er starb“, heißt es in der Überlieferung der Ovambanderu.

Seinen „heiligen Gürtel“ nahm besagter Gustav Voigts an sich, der Ende des 19. Jahrhunderts in die deutsche Kolonie ausgewandert war. Er handelte mit den Herero, tauschte deutsche Werkzeuge gegen Rinder, die er weiter nach Südafrika verkaufte. Bis heute gibt es das Einkaufszentrum Gustav Voigts Centre in Windhoek.

Während des Aufstands der Herero diente Voigts als Reserveoffizier der Schutztruppe. Kahimemuas Gürtel ließ er dem Städtischen Museum Braunschweig zukommen. Über den Eingang gebe es einen Vermerk, bestätigt Evelin Haase, Kuratorin der Ethnologischen Abteilung. Allerdings maß man ihm offenbar keine überragende Bedeutung bei. Dem 1861 von Bürgern gegründeten Museum seien damals zahlreiche völkerkundliche Objekte aus Übersee von Braunschweiger Auswanderern, Soldaten und Abenteuern übereignet worden, erläutert Haase. Die völkerkundliche Sammlung umfasse 8000 Objekte, davon 2000 aus Afrika.

Schmuck, Kleidung, Waffen und Kultobjekte seien aufgrund der Angaben der Spender erfasst worden. Heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen genügte das nicht. Während des Zweiten Weltkriegs sei auch einiges durcheinandergeraten. Als die völkerkundliche Sammlung 1968 neu katalogisiert wurde, tauchte Kahimemuas Gürtel nicht mehr auf.

In Namibia allerdings hat man den „heiligen Gürtel“ des Nationalhelden nicht vergessen. Der Traditionsrat der Ovambanderu wandte sich mit seinem Anliegen, ihn zurückzuerlangen, schließlich an die Deutschlandfunk-Journalistin Christiane Habermalz und den Hildesheimer Grünen-Bundestagsabgeordneten Ottmar von Holtz, der in Namibia aufwuchs. Beide kontaktierten das Städtische Museum.

Für Direktor Peter Joch und Chef-Ethnologin Haase kam die Anfrage nach eigenen Angaben völlig überraschend. Sie recherchierten, fanden die Karteikarte über den Eingang des Gürtels im Jahr 1898, aber kein zugeordnetes Objekt. Möglicherweise hatte Gustav Voigts ihn zwischenzeitlich auch zurückverlangt. „Er hatte damals einen Eigentumsvorbehalt vermerken lassen“, sagt Joch. In seinem Schreiben an Holtz erwähnt auch der Traditionsrat der Ovambanderu diese Möglichkeit.

Allerdings fand sich im Magazin des Museums ein nicht weiter klassifizierter Patronengürtel, der möglicherweise der besagte sein könnte. „Wir wollen ihn nun von einem Speziallabor der Staatlichen Museen Berlin untersuchen lassen“, sagt Joch. „Wenn Materialanalysen ergeben, dass der Gürtel aus dieser Zeit und dieser Gegend stammt, wäre es uns eine Ehre, ihn zurückzugeben.“ Allerdings müssten auch die Nachkommen Gustav Voigts’ einbezogen werden. Und das letzte Wort, betont Joch, hätte schließlich der Rat der Stadt Braunschweig.

Der Deutschlandfunk sendet am Mittwoch, 5. Februar, 19.20 Uhr, ein Feature über „Kahimemuas Gürtel“.

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