Die Kelly Family in Braunschweig – volksnahe Dauerbrenner

Braunschweig.  Sieben Geschwister der Kelly Family erinnerten am Mittwoch vor 5000 Fans in Braunschweig an ihren Durchbruch vor 25 Jahren.

Die Kelly Family machte auf ihrer 25 Years Over The Hump Tour in Braunschweig Halt.

Die Kelly Family machte auf ihrer 25 Years Over The Hump Tour in Braunschweig Halt.

Foto: Rüdiger Knuth

Das Konzert war nach zweieinhalb Stunden schon lange zu Ende, da herzten Patricia und John Kelly immer noch Fans im Bereich direkt vor der Bühne, die mit den einzigen offiziellen Stehplätzen die größtmögliche Nähe zu den Bühnenstars gebucht hatten. Dass dabei sogar Selfies und Umarmungen eingeschlossen waren, hatten die Fans dort wahrscheinlich ersehnt, in der Zeit grippaler Infekte aber eine große und durchaus mutige Geste der beiden.

5000 Fans feierten am Mittwochabend in der Braunschweiger Volkswagenhalle ein Wiedersehen mit der Kelly Family. Genau genommen mit sieben der gefühlt ungezählten Geschwister der musikalischen Großfamilie. Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy, Patricia und Paul Kelly geben derzeit so etwas wie ein Revival-Konzert nach dem anderen. Von den bekanntesten Kelly-Mitgliedern sind nur Maite und Michael Patrick, früher genannt „Paddy“, die sich auf Solo-Karrieren konzentrieren, nicht dabei.

Kelly Family in Braunschweig: Fans tanzen, klatschen, singen mit

„25 Years - Over the Hump“ heißt die Tournee, was übersetzt soviel bedeutet wie „Über den Berg“ – mit einem Album diesen Namens schaffte die Familie vor 25 Jahren den großen Sprung von der Straße in ausverkaufte Hallen – ein riesiger Hype begann. 41 Auftritte in großen Arenen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bis Ende Februar geplant, Braunschweig war die vierte Station.

Längst nicht nur die vielleicht 300 Besucher zwischen der Bühne und einem T-förmigen Steg davor, auf dem die Kellys so oft wie möglich von der Bühne herab näher an die Fans kamen, standen während des Konzertes fast durchgängig, sondern auch viele der Sitzplatz-Inhaber im Parkett. Die wollten von der ersten Minute zu den Songs der Kellys, ob rockig oder ruhig, tanzen, mitklatschen, die Arme schwenken, ihren Lieblingen von einst oder jetzt so nah wie möglich sein: kleine und große Schwester, Mutter und Tochter, Freundinnen, viele Arm in Arm, ein paar Männer waren auch mitgekommen.

Dass so viele Fans im Parkett standen, erfreute natürlich diejenigen überhaupt nicht, die auf den Tribünen Plätze in den untersten Reihen gekauft hatten, insbesondere die vor der ersten Reihe platzierten Rollstuhlfahrer dürften fast nichts gesehen haben. Überdies erlebten viele Spätkommer den Konzertbeginn ziemlich chaotisch: Als kurz nach 19.30 Uhr das Licht in der Halle erlosch, hatten viele ihre Plätze noch nicht gefunden und irrten während der ersten Songs umher.

Endlich angekommen, dürften sie das Konzert allerdings genossen haben. Dass die Kellys richtig gut singen können, ist keine Überraschung, dass sie sich immer noch sehr volksnah geben, der ein oder andere von ihnen sogar zwischendurch mal vom Steg kletterte, um ein Selfie mit einem Fan zu ermöglichen, und fast sämtliche Familienmitglieder von der Bühne aus immer wieder in den Dialog mit den Fans treten, trägt sicherlich viel zum andauernden Erfolg der Gruppe bei – auch wenn es zwischendurch Pausen gab und es schien, als hätten sich die ehemaligen Straßenmusiker zerstritten und würden nie wieder zusammen auftreten. Doch 2017 erfolgte das Comeback.

Kelly Family spielt in Braunschweig auch die alten Hymnen

Natürlich fehlten auch an diesem Abend nicht die Hymnen der familiären wie auch familientauglichen Band wie „An Angel“, „Why Why Why“, „Sweet Freedom“ oder auch „Over the Hump“, was wie einige andere Songs auch auf digitalen Leinwänden mit kleinen Clips und Fotos aus aktuellen und vergangenen Zeiten untermalt wurde. Ergreifend war Jimmy Kellys Song „Cover the road“, mit dem er an verstorbene Familienmitglieder und Fans erinnerte – der ruhigste, bewegendste Moment der Show.

Eher im Hintergrund blieb Paul Kelly, zusammen mit Kathy Kelly der älteste der noch singenden Geschwister, der mit seinem weißen Bart doch verdächtig an den 2002 verstorbenen Kelly-Vater Dan erinnerte. Diese Ähnlichkeit wurde aber bewusst nicht als Teil der Show kultiviert. Nach der Pause hatte der 55-Jährige, der auf ausdrücklichen Wunsch seiner Geschwister die Tour bestreitet, seinen großen Auftritt im zünftigen Schottenrock mit roten Kniestrümpfen und Fiedel-Begleitung.

Der in Irland lebende siebenfache Familienvater ist aber viel weniger „Rampensau“ als seine jüngeren Geschwister, von denen sich Angelo nach seinem Schlagzeug-Solo und Joey, die man sonst auch eher mit Zopf sieht, indirekt einen lange-blonde-Haare-Wettbewerb lieferten. Mit schwarz-glitzerndem Sakko und Schlaghose war Joey, unter anderem bei seinem Solo bei „The Wolf“, das am meisten extrovertiert gekleidete Mitglied der ansonsten modisch akkuraten, aber im Gegensatz zu früher eher zurückhaltenden Kellys.

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