Die Braunschweiger Architekten der „Tagesschau“

Braunschweig.  Morgen eröffnet in Hamburg die neue Nachrichtenzentrale der ARD-aktuell-Redaktion. Entworfen wurde sie in Braunschweig.

Visualisierung der neuen Nachrichtenzentrale von ARD-aktuell auf dem NDR-Gelände in Hamburg-Lokstedt. Hier entstehen künftig die Inhalte von Sendungen wie „Tagesschau“ und „Tagesthemen“.

Visualisierung der neuen Nachrichtenzentrale von ARD-aktuell auf dem NDR-Gelände in Hamburg-Lokstedt. Hier entstehen künftig die Inhalte von Sendungen wie „Tagesschau“ und „Tagesthemen“.

Foto: moka-studio / Struhk Architekten

Sie ist die älteste Sendung im deutschen Fernsehen und erreicht Abend für Abend hohe Einschaltquoten. Rund zehn Millionen Menschen verfolgen täglich die Hauptausgabe der „Tagesschau“. Produziert wird sie von der ARD-aktuell-Redaktion auf dem NDR-Gelände in Hamburg-Lokstedt. Viele der Mitarbeiter ziehen in den kommenden Tagen in ein neues Redaktionsgebäude. Am Donnerstag, 10. Oktober, wird die neue ARD-Nachrichtenzentrale offiziell eingeweiht. Entworfen wurde sie vom Braunschweiger Architekturbüro Struhk Architekten. Kein alltäglicher Auftrag.

Allerdings hat sich das Büro, 1986 von Professor Hans Struhk mit dem Schwerpunkt moderne Verwaltungsgebäude gegründet, über die Jahre ein veritables Renommee für Sende- und Medienhäuser erworben. Es begann in den 90er Jahren mit einem neuen Landesfunkhaus für den NDR in Schwerin. Projekte wie die Leipziger MDR-Sendezentrale und allen voran die Arte-Sendezentrale in Straßburg folgten. Und auch das bisherige Nachrichtenhaus von ARD-aktuell in Hamburg-Lokstedt hatten Struhk Architekten entworfen.

Gut 20 Jahre ist das her. Angesichts des rasanten Wandels in der Medienbranche eine lange Zeit. Damals habe man die einzelnen Ressorts und technischen Bereiche räumlich noch stärker getrennt, sagt Bernd Paliga-Könneke. Das passe nicht mehr zum sparten- und medienübergreifenden Arbeiten der heutigen Aktuell-Redaktion, behindere den reibungslosen Kommunikationsfluss zwischen Rechercheuren, Redakteuren, Technikern. 2016 entschied die ARD, einen Neubau auszuschreiben. Der Entwurf von Paliga-Könneke, der Struhk-Architekten seit drei Jahren gemeinsam mit Wolf-Dieter Geisler und Burkhard Wilkening als geschäftsführender Gesellschafter führt, erhielt den Zuschlag.

„Ich finde das sehr spannend. Je digitaler und umfangreicher die Nachrichtenflut wird, sagten mir die Aktuell-Chefredakteure, desto wichtiger sei der direkte physische Kontakt, die Möglichkeit zum schnellen persönlichen Austausch zwischen den Redakteuren, um zwischen wichtig und unwichtig, echten News und Fake zu trennen“, sagt Paliga-Köneke.

Seine Lösung: Die neue Nachrichtenzentrale umfasst im Kern einen einzigen großen, dreigeschossigen Newsroom, der im zweiten und dritten Geschoss von gestaffelten Galerien umrahmt wird. Sie bieten Raum für weitere Arbeitsplätze, aber auch Besprechungs- und Stillarbeitsräume sowie Büros der leitenden Redakteure. Das vierte Halbgeschoss beherbergt die Technikzentrale.

Das Herzstück des Gebäudes mit rund 1600 Quadratmetern Grundfläche hat eine angedeutete ausgesparte Kugelform. Die Weltkugel sei gleichsam Gegenstand und Markenzeichen der Tagesschau, sagt Paliga-Könneke. „Das habe ich in der Gestaltung aufgenommen.“ Sein Architektur-Ansatz sei den Leitgedanken des Bauhauses verpflichtet. Dazu gehöre, dass die Gebäudeform seiner Funktion gerecht wird. Aber nicht im Sinne von drögen Zweckbauten. „Es geht auch um Innovation und individuelle Lösungen. Wir begreifen Gebäude zudem als skulpturale Formen, die auf den Außenraum Bezug nehmen“.

Für die neue Nachrichtenzentrale bedeutete das, dass die südwestliche Fassade abgeschrägt ist und sich mit einer großen, dreigeschossigen Fensterfront am stärksten nach außen öffnet. Der gegenüberliegende Gebäuderücken schließt sich mit einer Fuge an das bisherige Nachrichtengebäude an, das weiter genutzt werden soll und unter anderem das vor fünf Jahren eingeweihte hochmoderne Tagesschau-/Tagesthemen-Sendestudio beherbergt.

Während die viergeschossige Nordseite des Neubaus die Traufhöhe der Bestandsbauten aufnimmt, fällt die südöstliche Seite mit sanftem Schwung zur Dreigeschossigkeit ab, „in Reaktion auf den Maßstab der benachbarten Kleingartenkolonie“, so Paliga-Könneke.

Die Außenhaut des Gebäudes besteht aus einer hinterlüfteten Metallfassade, die in hellen Ocker und Grautönen changiert. Je nach Sonneneinstrahlung werde die Fensterfront der Südwestseite von Lamellen abgeschirmt, erläutert der Braunschweiger Architekt. Im Inneren sorge gegenüber eine begrünte Wand für ein angenehmes Raumklima. Die vielfältigen Erfahrungen mit Studiobauten habe man genutzt, um im großen, offenen Newsroom eine gedämpfte Akustik zu schaffen, die nicht nach Bahnhofshalle klingt.

Ein echter Praxistest steht am Donnerstag bei der offiziellen Eröffnung mit den ARD-aktuell-Chefredakteuren Marcus Bornheim und Helge Fuhst, NDR-Intendant Lutz Marmor sowie anderen Prominenten an.

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