Foto-Pointen von der Straße – aus Braunschweig oder New York

Braunschweig.  Thomas Hackenberg widmet sich der Streetfotografie und setzt dabei auf Respekt vorm Objekt.

Wien 2019.

Wien 2019.

Foto: Hackenberg

Idole, ja. Wenn Thomas Hackenberg an ein Foto denkt, das ihn beim Fotografieren am meisten beeinflusst hat, dann Henri Cartier-Bressons um die Ecke biegender Knabe in Paris, mit den zwei Weinflaschen in den Händen und einem unglaublich verschmitzten Lächeln im Gesicht. Was die ehrwürdige Dokumentarfotografie in klarem Schwarzweiß an Zauber des Augenblicks einfing, das will heute die sogenannte Streetfotografie: ungestellte, spontan entstandene Fotos aus dem Lebensalltag. Sie ist auch Hackenbergs erklärtes Hobby.

„Ich habe eigentlich immer die Kamera dabei, eine ganz einfache, ohne große Objektive oder Zoom. Auch wenn ich bloß mal einkaufen gehe“, sagt der 56-jährige Familienvater, der für den Sprachdienst von Bosch arbeitet. „Mensch – Augen – Blick“, so beschreibt er sein Motto. „Manchmal läuft man fünf Stunden durch die Stadt ohne ein besonderes Bild, manchmal ist die Stadt unheimlich großzügig, und man kommt mit dem Top-Motiv wieder, das einem die Erfüllung bringt.“

Pointen im Bild

Er versucht, Motive zu finden, bei denen sich verschiedene Ebenen in Beziehung setzen, sich womöglich eine kleine Geschichte mit Pointe ergibt. Wenn der weit geöffnete Mund auf dem Plakat die Fehlstelle am Bein der davorstehenden Schaufensterpuppe herausgebissen zu haben scheint. Oder die Farben der Eiskugeln eines Reklameschilds in der Umgebung wieder aufgenommen werden. Oder ein Hund gerade so unter dem Schatten eines Denkmals läuft, dass seine Rute durch den Pferdeschweif verlängert scheint.

Der Respekt vorm Objekt, die Empathie mit den Abgelichteten ist dabei Ehrensache. „Ich nehme nie jemanden so auf, wie ich selbst nicht fotografiert werden möchte“, sagt Hackenberg. Vorwarnen kann er die Menschen natürlich nicht, aber oft fragt er hinterher noch, ob sie mit einer Veröffentlichung auf seiner Homepage einverstanden sind. Er habe auch schon mal Bilder auf Wunsch gelöscht. Die Kunstform Streetfotografie ist grundsätzlich durch die Kunstfreiheit geschützt.

Über das Foto ins Gespräch

Und die Fotos können sogar soziale Kontakte ermöglichen. „Man kommt darüber ins Gespräch. Nur deshalb habe ich zum Beispiel Matthias aufgenommen, einen Obdachlosen, den fast jeder aus der Braunschweiger Innenstadt kennt.“

Eigentlich seien solche Aufnahmen als sozial zu wohlfeil in der Fotografenszene verpönt. Aber das Bild zeigt die liebevolle Beziehung des Mittellosen zu seinem Hund und strahlt eine merkwürdige Zufriedenheit aus. „Ich habe ihm später einen laminierten Abzug gebracht, und er hat sich sehr gefreut über dieses Erinnerungsbild. Jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeikomme, sprechen wir jetzt miteinander wie gute Bekannte.“

Kontakt zu Siegfried Hansen

Über Instagram tauscht sich Hackenberg mit anderen Hobby-Fotografen aus. Er hat auch Kontakt zu dem anerkannten Streetfotografen Siegfried Hansen. „Er sagt mir schon mal mit kritischem Blick, welches Foto er nicht so gut findet auf meiner Seite. Es ist wichtig, nicht nur im eigenen Saft zu schmoren.“ Hackenberg hat auch die Fotos zu Axel Klingenbergs Buch „111 Orte im Braunschweiger Land, die man gesehen haben muss“, beigesteuert.

Thomas Hackenbergs Fotos sind unter www.hackenberg.info zu sehen.

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