Russische Raritäten beim 8. Sinfoniekonzert

Braunschweig.   Braunschweigs Staatsorchester spielt Tschaikowskys 3. Sinfonie und konzertant Rimski-Korsakows satirische Oper „Der goldene Hahn“.

Srba Dinic, Chefdirigent des Staatsorchesters Braunschweig.

Srba Dinic, Chefdirigent des Staatsorchesters Braunschweig.

Foto: Archiv

Man fühlt fast ein bisschen mit mit dem Despoten Dodon. Es fällt wirklich schwer, den Reizen der Königin von Schemacha zu widerstehen, auch wenn sie bei dieser konzertanten Opern-Version in der Braunschweiger Stadthalle fast allein akustischer Natur sind.

Die orientalische Schönheit umgarnt den selbstherrlichen Dodon in Rimski-Korsakows letzter Oper „Der goldene Hahn“ nach allen Regeln der Kunst. Sie verheißt ihm erotische Freuden, neckt ihn frech wegen seines reifen Alters, macht ihn eifersüchtig mit Verweis auf seine Söhne, klagt über ihre Einsamkeit. Das versteht freilich nur, wer die Übersetzung des russischen Texts im Programmheft mitliest. Der Rest des Publikums kann sich allein der wahrlich becircenden Stimme Anna Koshkinas hingeben, einem zarten und doch sinnlichen Sopran, der honigsüß verführerisch klingen kann, leicht und ungreifbar wie Nachtigallensang, aber auch spöttisch scharf aufblitzend.

Dodon, mit sonorem Bass gegeben von Alexey Dedov, kann sich dem nur stammelnd ergeben – und wütend aufbegehren gegen den leuchtenden Tenor Michael Has. Der will als rätselhafter Astrologe dem König die Braut wieder entführen, deren Reizen Dodon gerade verantwortungslos genusssüchtig sein ganzes Reich geopfert hat. Es kommt zum blutigen Ende.

Rimski-Korsakows Opern-Satire von 1906/07, die im zaristischen Russland verboten war, ist eine musikalisch farbenreiche, hintersinnige Spielerei – in der fragmentarischen konzertanten Aufführung beim 8. Sinfoniekonzert aber auch nur ein fragmentarischer Genuss.

Peter Tschaikowskys Dritte gehört zu seinen seltener gespielten Sinfonien. Das glühende Pathos, die abgründige Romantik, die sehnsüchtige Zerrissenheit seiner späteren Werke deuten sich hier nur an. Die um 1875 in einer Phase wachsenden Erfolgs geschriebenen fünf Sätze wirken artifizieller, gesetzter.

Dem Eingangssatz, der nach kurzer, dunkler Einleitung in kraftvollem D-Dur voranschreitet, folgen drei zarte, melancholische Binnensätze. Im Walzer „Alla tedesca“ lässt Chefdirigent Srba Dinic die Streicher schön aufblühen, fein kontrastiert durch Holzbläser-Tupfer.

Der lyrische dritte Satz wird gerahmt durch eine elegische Melodie von Fagott und Horn, zwischendrin entfaltet sich ein zartes Gespinst aus Streicher- und Holzbläsermotiven. Elegisch und kammermusikalisch wirkt auch der vierte Satz, bevor das Finale den drängenden Gestus des Eingangs wieder aufnimmt und zum prächtigen Schluss führt. Kräftiger Beifall für eine konzentrierte, stringente, fein ineinandergreifende Orchesterleistung.

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