Umberto Tozzi gibt in Wolfsburg alles – außer Zugaben

Wolfsburg.  Der Italo-Popstar wird beim Konzert im Congress-Park von überwiegend italienischen Fans gefeiert. Hits wie „Ti amo“ bleibt er nicht schuldig.

Umberto Tozzi Congress Park Foto: regios24/Anja Weber

Umberto Tozzi Congress Park Foto: regios24/Anja Weber

Foto: Anja Weber / regios24

Italienisches Temperament: vor der Bühne, auf der Bühne. Unten, im Saal des Wolfsburger Congress-Parks bewegen sich am Samstagabend die Zuschauer jeden Alters im Takt der Lieder, klatschen den Rhythmus mit, einige Paare tanzen zwischen den Stuhlreihen. Oben, auf der einem barocken Feuerwerk ähnlich auch von unten mit wechselnden Lichtsalven ausgeleuchteten Bühne reckt Umberto Tozzi den Arm hoch wie einst Freddy Mercury und ruft dessen „Eyo, Eyo!“ Der 67-Jährige gibt alles. Und das ist sehr, sehr viel.

Tozzi singt mit großer Leidenschaft, die Gitarre lässig weit unten haltend, selten selbst gespielt. Der italienische Pop-Rock-Star hat seine Band mitgebracht, Sängerin und Geigerin für die melancholischen Momente, Schlagzeuger für den Drive, Saxofonist für die Soli oder Zwiesprachen mit ihm, je einen Melodie- und Bassgitarristen für die Linien und den Rhythmus sowie einen Keyboarder. Er selbst singt. Und wie. Ausdrucksstark, beschwörend, werbend, bedauernd, erzählend balladesk.

Das ist italienische Gesangskunst. San Remo. Auch der junge Umberto ist auf dem jährlichen Festival aufgetreten. 1987 gewann er es, neue Alben veröffentlicht er immer in San Remo, auf dem Festival der italienischen Canzoni (Chansons). Belcanto. Das ist die zweite Tradition italienischer Sänger, das schöne, das wohlklingende Lied. Auch dann, wenn sie Rock’n’Roll spielen und singen. Tozzi ist da keine Ausnahme, will es auch gar nicht sein. Er ist stolz auf Italien, dessen Lebensstil und Temperament.

„Ti Amo“ (Ich liebe dich) singt und spielt er sogleich nach dem Intro „Knocking, Knocking il cielo“ um 21.18 Uhr – das Konzert beginnt zum anfänglichen Unmut der Fans mit einiger Verspätung. Es ist ein sanftes, aber leidenschaftliches Lied, sehr emotional. Es geht um die Klippen der Liebe. Gefühlvoll gesteht ein Mann seiner Frau nach einer Affäre: „Ich liebe dich!“ Acht Millionen Mal verkaufte sich die Single, auch außerhalb Italiens. In Italien gab es auch Kritik, weil seine Sicht auf Frauen darin nicht emanzipiert sei. Gleichviel, die Leute mögen das Lied. Und singen in Wolfsburg mit. Wie vor 21 Jahren, als er das erste Mal im Congress-Park auftrat.

Auch „Gloria“ fehlt nicht, das großartige 1979 als Reminiszenz an Deutschland in München eingespielte, rockige Lied über die Liebe, deren Name Gloria ist. Eine Hymne an eine Frau, an alle Frauen zugleich. Und im Congress-Park von Frauen unterschiedlichen Alters hingebungsvoll mitgesungen. Es ist das Schlusslied. Finito. Nach 90 Minuten. Umberto Tozzi hat alles gegeben. Nur keine Zugabe. Unter den Zuschauern waren auch Fans aus Leipzig, wo er vor wenigen Tagen ein Konzert im Gewandhaus absagen musste. Wolfsburg lud die Fans ein, ein Hotel bot Zimmerkontingente.

Tozzi, der sich im September 2017 einer Notoperation unterziehen musste, sagte: „Solange ich noch Spaß habe, mache ich weiter, und gerade habe ich sehr viel Spaß.“ Klar, dass er auch „Io caminero“, „Tu“ und „Gente d’amore“, seinen Eurovisionssong 1987 sang. Und die Wolfsburger Vorgruppe „Tremozioni“ für ihren Auftritt lobte. Das deutsch-italienische Trio spielte unter dem Jubel der überwiegend italienischen Zuhörer bekannte San-Remo-Songs wie „Sono italiano“.

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