Die Dildo-Fee ist die neue Tupper-Tante

Braunschweig  Die Komödie „No Sex and the City“ am Altstadtmarkt analysiert Eheprobleme und hält gleich Tipps parat.

Susan (links) und Max (rechts) kämpfen mit Eheproblemen und aufdringlichen Hotelmitarbeitern.

Susan (links) und Max (rechts) kämpfen mit Eheproblemen und aufdringlichen Hotelmitarbeitern.

Foto: imagemoove

Sex, Sex, Sex. Darum dreht sich alles in der Komödie am Altstadtmarkt, obwohl das Stück „No Sex and the City“ heißt. Und genau das ist auch das Problem der Protagonisten.

In der Ehe von Susan und Max Cooper (Sebastian Teichner) ist die Luft raus. Es herrscht Flaute im Bett. Also vereinbaren sie unabhängig voneinander über ein Online-Portal ein erotisches Abenteuer in einem Hotel in New York. So landen sie voller Spannung im „Surprise-Zimmer“ und erleben den Schock ihrer Lebens, als sie sich gegenüber stehen. Die kecke Susan (Arlette Stanschus) ist dennoch für alle Schandtaten bereit, während ihr ängstlicher Ehemann sehr zurückhaltend ist. Sebastian Teichner spielt den pflichtbewussten, verklemmten und naiven Max sehr überzeugend.

Die Analyse ihrer Eheprobleme zieht sich etwas in die Länge, zumal sie sich ständig im Kreis drehen. „Du fehlst mir“, sagt Susan. „Wieso, wir sehen uns doch jeden Tag“, ist die dröge Antwort ihres Gatten, der einmal mehr auf der Leitung steht und den Ernst der Lage nicht erkennt.

Die Inszenierung von Florian Battermann gewinnt mit selbst ernannten Paartherapeuten wieder an Fahrt. Karen (Claudia van Veen), die Frau des Hotelbesitzers, beglückt ihre Gäste nebenbei mit Dildo-Partys und hat es auch auf Susan und Max abgesehen. Dann ist da noch der aufdringliche Page Juan Pablo (Andreas Werth) aus Mexiko. Er ist „muchos sensiblo“ und weiß, wie man „die Frauen verwohnt“, und sorgt mit seinem überschäumenden Temperament für viele Lacher.

Verzweifelt versucht das Ehepaar Cooper, ihr Sexleben wieder in Gang zu bringen. Doch die Straußenfeder kitzelt nur, statt Massage-Öl hat der pragmatische Max Motoröl mitgebracht, und die Stellung „Schubkarre der Leidenschaft„ aus dem Kamasutrabuch stellt sich als allzu sportlich heraus. Für die Trockenübung gibt es Szenenapplaus. Vielleicht weil die Probleme auf der Bühne für so manches Paar im Publikum gar nicht so fremd sind. Hier kommt es offen und gnadenlos auf die Bühne. Jedes Pärchenklischee wird bedient. Da trifft auch die Dildo-Fee Karen genau den richtigen Nerv. Denn was früher die Tupper-Party für die frustrierte Hausfrau, ist heute die Dildo-Party mit Sexspielzeug. Stilecht aus dem Koffer im Leo-Print präsentiert die offenherzige Hotelbesitzerin ihre Produkte. „Der Mini-Vibrator Hasi knabbert auch an deiner Möhre“, verspricht sie dem errötenden Max. Und die Variante „Nessi findet garantiert das richtige Loch.“

Die Komödie von Lydia Fox feuert jedes erdenkliche Sex-Wortspiel in einem Gag-Feuerwerk ab. „Musste der jetzt auch noch kommen?,“ fragt man sich zwischendurch. Auch die Rollen der Ehefrau und des Ehemannes sind teils stark überzogen und bedienen jedes Geschlechterklischee. Dennoch steckt in dem seichten Lustspiel ein ernster Kern, der wohl vielen bekannt ist.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder