„Es ist Zeit für aufrührerische Musik“

Berlin  Sängerin Pink spricht über die wechselhafte Beziehung zu ihrem Mann und das neue Album „Beautiful Trauma“.

Die Sängerin Pink, Weltstar mit Hits wie „Trouble“, „Try“ oder „Just Like A Pill“, wirft sich aufs Interviewsofa und legt los. Anlass des Gesprächs ist ihr heute erscheinendes Album „Beautiful Trauma“, das mit einer Mischung aus Electropop und 90er-Jahre-Einflüssen besticht. So sprunghaft wie die Platte verläuft auch das Gespräch unseres Redakteurs Steffen Rüth mit der 38-jährigen Amerikanerin. Ausführlich äußert sich Pink zu der wechselhaften Beziehung zu ihrem Partner, dem US-Motocross-Star Carey Hart.

Ihr neues Album heißt „Beautiful Trauma“. Worum geht es in dem Titelsong?

Um mein Leben – ein schönes, traumatisches Durcheinander. Als wir dieses Stück schrieben, wusste ich, so soll das Album heißen. Ich habe den Song zusammen mit Jack Antonoff aufgenommen, das ist einer der liebenswertesten und witzigsten Menschen, die mir je begegnet sind.

Wie ist es denn momentan? Eher schön? Oder eher traumatisch?

Eher schön. Ja, größtenteils schön, würde ich sogar sagen.

Geht es in dem Lied auch um Ihre Ehe?

Ja, es geht um die Liebe und darum, dass du den anderen lieben und hassen kannst. Gleichzeitig. Und da sind wir auch schon bei Carey und mir (lacht). Auseinandersetzungen sind immer wieder ein Thema zwischen uns. Doch wir sind gelassener geworden. Wenn du Kinder hast, kannst du dich nicht mehr gehen lassen und im Haus herumbrüllen.

Viele der neuen Songs thematisieren die Unwägbarkeiten der Liebe. Lieder, in denen Sie nachdenklich wirken.

Das liegt an meinem Naturell, immer alles mit Vorsicht zu genießen. Ich neige dazu, immer mit allem zu hadern und mich zu fragen, wie lange dieses oder jenes wohl noch gut geht. Vielleicht bin ich auch einfach nur realistisch. Wo ist denn das Paar, das sich zu hundert Prozent sicher ist, dass es bis zum Ende zusammenbleiben wird? Ertappen wir uns nie bei der Fantasie, wie es wohl mit einem anderen Menschen wäre? Das sind alles ehrliche Gefühle, die ich in meine Musik einfließen lasse. Und man muss bedenken, dass ich diese Songs über einen Zeitraum von fünf Jahren schrieb. Da gab es genug Momente, in denen ich alles hinterfragt habe.

Sie haben sich in 16 Jahren Beziehung zweimal getrennt und sind wieder zusammengekommen. Weshalb ist Ihre Liebe so kompliziert?

Ist die Liebe nicht immer kompliziert? Bei uns gehören die Kämpfe nun einmal zum Leben, und damit auch zur Liebe, dazu. Wenn du ein wirklich leidenschaftlicher Mensch bist, dann schaffst du es einfach nicht, in ständiger Eintracht und so einem sachte plätschernden Flow vor dich hinzuleben. Ich bin ein Mensch, der klare Überzeugungen und zu so gut wie allen Fragen eine Meinung hat.

„Beautiful Trauma“ ist Ihr wohl erwachsenstes Album.

Ja, vermutlich ist es das. Ich bin stolz auf diese Platte. Speziell auf Songs wie „Wild Hearts Can’t Be Broken“ und „What About Us“. Es ist Zeit für aufrührerische Musik.

Sie sprechen mit „What About Us“ den sogenannten Abgehängten aus dem Herzen? Sie stammen ja aus Pennsylvania, einem der US-Bundesstaaten, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden.

Voll und ganz. Auch das spielt in dem Song eine Rolle. Viele von uns fühlen sich alleingelassen und missachtet. Das darf nicht sein.

Es wird gerade auch nicht besser mit der US-Regierung oder?

Ich beneide die Kanadier so sehr. Kanada macht es besser, viel besser. Oder Länder wie Schweden, wie Norwegen. In der Welt muss es ganz schnell mehr Liebe und weniger Hass geben.

Nach den rechtsradikalen Krawallen von Charlottesville haben Sie einen Kommentar gepostet, in dem Sie die Nazis von heute mit den Nazis im Deutschland der 30er-Jahre vergleichen.

Ich habe Angst, dass wir in den USA gerade diesen Weg beschreiten. Ich bin der Ansicht, dass die schlimmsten Dinge in der Geschichte der Menschheit deshalb passiert sind, weil die Leute glauben, sie können nicht passieren. Wir alle müssen sehr wachsam sein, was unsere Werte wie Freiheit, Gemeinschaft, Toleranz und Menschlichkeit angeht. Ich fühle mich zu einem gewissen Grad verantwortlich, diese Dinge öffentlich anzusprechen. Ich will keinen Hass und keine Intoleranz in der Welt mehr sehen.

Ist es Ihnen wichtig, ein gesellschaftliches Vorbild zu sein?

Ich bin nicht perfekt und habe einen ziemlich krassen Sinn für Humor. Doch ja, ich setze mich ein für Liebe statt Hass, für Minderheiten, Homosexuelle, Verfolgte. Die Leute da draußen sollen einfach mir zuhören, dann wird alles gut in der Welt (lacht laut).

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