Schüsse und Blutgrätsche auf Knopfdruck

Braunschweig  Auch beim Improvisationstheater „4gewinnt“ ging es am Samstag in der Brunsviga vor allem um eins: Fußball.

. Impro. Das klingt irgendwie nach einer neuen Schmerztablette. Aber Impro ist Theater, Improvisationstheater. Lachen als Medizin. So wie es am Samstagabend die Braunschweiger Gruppe „4gewinnt“ vormachte. Alles frei nach Schnauze, aus dem Bauch heraus. Der Verstand voll im Dienste der Gefühlsregung.

Das Publikum ruft den vier Akteuren Vokabeln zu. Wörter aus dem Spektrum Liebe, Flucht, Weh und Ach. Und schon geht’s los. Vom Banalen zum Erhabenen und zurück. Und manchmal kreuz und quer wie im Burda-Schnittmusterbogen.

Aber sind wir nicht alle Improvisationstalente, locker vom Hocker daherredend? Jeder Stammtisch hat seine Improvisationsgenies. Aber wehe, einer bittet uns, aus dem Stegreif vorne auf der Bühne etwas zum Publikum zu sagen. Mal sehen, ob dabei mehr herauskommt als improvisiertes Schweigen.

Und schon sind wir bei Churchill, der zugab: „Am meisten Vorbereitung kosten mich immer meine spontan gehaltenen improvisierten Reden.“ Auch eine Kunst: die angestrengte Vorbereitung des Unangestrengten.

Aber das hier in der Brunsviga ist etwas Anderes. Kein Script, kein Plot, nur die Musenküsse des Augenblicks. Und jedes neu hineingerufene Wort treibt das frisch Erfundene zu neuen Ufern.

„4gewinnt“ gibt’s in dieser Formation mit Nina Tatter, Dorothee Horsch, Fabian Ahrendts und Thomas Hirche seit 2012. Geradezu verwegen, an einem Abend zu spielen, an dem auch die schwarzgelben und roten Improvisationskünstler im Wembley-Stadion auftreten.

Aber „4gewinnt“ ist dabei in London, spielt den Live-Ticker der ersten Halbzeit als Impro-Tipp-Kick-Finale nach, Schüsse, Blutgrätsche und Press-Schläge auf Knopfdruck. Alles gefilmt und projiziert auf eine große Leinwand. Und das Londoner Halbzeitergebnis fließt auch mit ein: Null zu Null.

Die Zuschauer wollen ein neues Spiel: Sauna. Verteilt an die Akteure werden die Etiketten „suizidal, nervös und sexhungrig“. Das reizt natürlich zu spontanem Tun.

Schön auch die Geschichte mit dem Bankräuber. Die Bankangestellte entreißt diesem die Pistole und zwingt ihn, spontan entflammt, zur Heirat. Lebenslänglich in einer anderen Form.

Am 24. August tritt „4 gewinnt“ gemeinsam mit den Gruppen „Einsam“, „Zweisam“ und „Dreisam“ aus Wiesbaden auf. Ein Match auch um die beste Szene. Das Publikum entscheidet.

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