Iwersen begleitete spannende Reise

Wolfsburg  Graham Greenes „Orientexpress“ rollte über die Hinterbühne des Theaters. Streicher boten viel Atmosphäre.

Violinen mit ihrem intensiven, anrührenden Klang, Saxofon und Klarinette, Percussions, das Piano sowie der Kontrabass, und dazu und eine sonore, dunkle, (Lese-)Stimme: Das schaffte eine emotional angereicherte Atmosphäre. Als weitere Zutat ein bekannter Reisekrimi aus der Feder des britischen Schriftstellers Graham Greene – und zwar der „Orient-Express“.

Der rollte von Ostende über Köln und Wien nach Istanbul. Auf der Hinterbühne des Theaters erlebte das Wolfsburger Publikum, das die fiktiven Reisenden gedanklich begleitete, am Dienstageinen emotional äußerst intensiven, spannenden, außergewöhnlichen Theaterabend. Zu dem hatten sich allerdings nur 40 Zuschauer eingefunden.

Die Künstler kamen aus Bremen. Es waren das Instrumentalisten-Quintett „Mellow Melange“ und der Sprecher Rainer Iwersen. Ein Sextett, das, so kristallisierte es sich nach und nach heraus, optimal zueinander passte und exzellent harmonierte.

Es war eine dramaturgisch vielschichtige Aufführung der ganz und gar nicht alltäglichen Art. Musikalisch angereichert mit Elementen von Klezmer und Jazz. Getragen von einem stimmlich und körpersprachlich phänomenal agierenden Vorleser Iwersen, einem kongenialen Streicher-Trio, einem Top-Bläser, der gleichzeitig als Percussionist antrat sowie einem prägnant-pointiert spielenden Pianisten.

Die Bühnenausstattung war optisch nicht opulent, aber zum Schaffen eines Hauchs von Reiseatmosphäre sehr effizient. Mehrere Koffer, darunter ein historisches Hartschalen-Exemplar, auf dem die einzelnen Stationen verzeichnet waren, die der Orient-Express anlief – das war’s auch schon an Requisiten.

Den Rest übernahmen die akustischen Eindrücke, die Vortragsart des Vorlesers und die – dadurch – angeregte Fantasie der Zuhörer. Rainer Iwersen schlüpfte stimmlich und körpersprachlich, in ausdrucksstarker Art, in Graham Greens literarische Charaktere hinein. Die Figuren nahmen vor dem geistigen Auge des Auditoriums nahezu plastisch Gestalt an. Zusätzlich beflügelten die von Mellow Melange präsentierten Töne – temporär rhythmisch beschwingt, zeitweilig (be)drückend-melancholisch, manchmal leicht und heiter – Fantasie und Gemüt.

Es waren hoch spannende Stunden auf der Hinterbühne des Theaters Wolfsburg, die neben Sprecher Rainer Iwersen den Instrumentalisten Sonja Firker, Hilko Schomerus, Michael Berger, Matthias Schinkopf und Ingo Höricht zu verdanken waren.

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