Lebenslieder aus dem Koffer

Braunschweig  Jens Müller hat mit dem Duo „Restorchester“ seinen Weg als Komponist und Texter gefunden.

Ein alter Pappkoffer. Verlebt und abgewetzt. Vor 50 Jahren standen die Eltern damit auf dem Bahnhof einer Kleinstadt, frisch verlobt. Jetzt trommelt Jens Müller darauf herum wie auf einem Schlagzeug und nennt seine Songs „Lieder aus dem Koffer“. Das sind Lieder mit melancholischem Anklang von einem, der inzwischen 46 Jahre auf dem Buckel und einige Lebenserfahrung hat. Lieder, die Rück- und Ausblicke bieten, die über das Leben reflektieren wie es ist und wie es sein könnte. Meist mit leichtem ironischem Unterton.

Mischung aus deutschsprachigem Chanson und Folkmusik

„Endlich habe ich das Gefühl, musikalisch das zu tun, was ich schon immer machen wollte, dort angekommen zu sein, wo ich schon immer hinwollte.“ Nach ersten Gehversuchen zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle und einer langen kreativen Durststrecke, in der es wichtiger schien cool zu sein als wahrhaftig und Musik nur auf Englisch etwas galt, hat Müller jetzt seinen Ton gefunden. Die Musik beschreibt er als Mischung aus deutschsprachigem Chanson und Folkmusik. „Manchmal mit Wüstengitarre“, setzt er grinsend nach. Er mag es tragikomisch.

Gemeinsam mit dem 15 Jahre jüngeren kreativen Tausendsassa Sascha Dettbarn bildet Jens Müller das Duo „Restorchester“, das seine Premiere hatte mit einigen Liedern im winterlichen Spiegelzelt an der Martinikirche, eine Einstimmung auf die erfolgreiche Braunschweiger Coverband „Silent Radio“. Dort dient Müller seit Jahren am Bass. Dettbarn derweil spielt bei „Deerwood“. Anfang 2012 waren die beiden in der „Einraum“-Galerie im Handelsweg aufeinander getroffen. Eine Veranstaltung von Tania Breyer im Rahmen der Bemühungen, die Kreativwirtschaft in Braunschweig voranzutreiben. Müller und Dettbarn mochten sich auf Anhieb und verabredeten sich im Heimstudio Dettbarns zu Fingerübungen mit Waschbrett, Glockenspiel, Akustikbass und besagtem Pappkoffer, mit Gitarren, Banjo und Ukulele.

Vorbilder sind die alten Männer der modernen Musikgeschichte

Vom „Restorchester“ hat Müller eine fast schon poetische Vision im Kopf: „Das Bild zweier Musiker, denen man nicht gesagt hat, dass das Lied längst aus ist, und die in altehrwürdiger Kulisse ganz vergessen einfach weitermachen...“ Jens Müller spuken auch die großen alten Männer der jüngeren Musikgeschichte durch den Kopf: Tom Waits, Leonard Cohen, Nick Cave. Und manchmal auch Johnny Cash. Allesamt Vorbilder für Müller. „Die haben sich nicht verbogen und nie dem Zeitgeist angepasst. Die haben immer ihren eigenen Stiefel durchgezogen.“ Und genauso will er es auch machen. „Es hat gedauert, aus welchen Gründen auch immer. Aber endlich bin ich auf dem richtigen Weg.“

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