"Da brennt der Rasen"

Fagottisten des Staatsorchesters Braunschweig als "Viererkette" im Kleinen Haus

Fagotto totale (von links): Berthold Weber, Alfred Böhm, Florian Raß und Moderator Georg Renz.   

Fagotto totale (von links): Berthold Weber, Alfred Böhm, Florian Raß und Moderator Georg Renz.   

Foto: Peter Sierigk

Da laufen sie ein in den blaugelben Traditions-Trikots, und als Kenner der örtlichen Drittliga-Szenerie hätte man nun statt der Nationalhymne natürlich den Eintracht-Einpeitscher "Zwischen Harz und Heideland" erwartet.

Aber egal: Bei den vier Staatstheater-Spielern von Fagotto totale geht es eher im übertragenen Sinne um Fußball. Der Plan des neuen Programms "Viererkette" besteht in dem Versuch, beide Sphären zu vergleichen. Der Witz entfaltet sich an der Fallhöhe zwischen vermeintlich hochkultureller Orchesterkultur und der volkstümlichen Fußballkultur mit all ihren medialen Parasiten.

Das funktioniert in der gewohnt launigen, allerdings zu sehr abgelesenen Moderation von Georg Renz dann ganz gut, wenn die Orchester-Atmosphäre sozusagen fußballerisch geerdet wird.

Wenn Renz etwa die Fagottisten mit jener Phalanx von vier Verteidigern vergleicht, die im modernen Fußball Viererkette genannt wird. Da ist kein Durchkommen für die Hörner, da wird "so manchem Hornisten das Solo vom Horn gelupft" und: "Wo wir hinblasen, brennt der Rasen!"

Selbstironisch ordnen sich die Musiker als Underdogs ins Orchestergefüge. Ähnlich nämlich, wie der Außenverteidiger beim Fußball die meisten Ballkontakte hat, so sind die Fagotte bei Mozart-Opern die meistbeschäftigte Bläsergruppe. Merkt bloß keiner. "Wenn man uns hört, sind wir zu laut."

Weniger gut kommt der Fußball-Humor an, wenn Renz die oft schon gehörten verbalen Fehlschüsse von Fußballern oder Reportern recycelt. "Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien", Ja, ja, Andy Möller.

Die Mischung aus Musik und Ansage stimmt, kurzweilig geht es von Bach bis Robert Stolz. Die vier Musiker beweisen filigranes Zusammenspiel, entlocken ihren rotbraun schimmernden Rohren vielfältige Klangfarben vom dunklen Raunen bis zu koboldig hüpfenden Klangkaskaden, vom rauen, irgendwie grolligen Swing bis zum wohlig warmen Samt.

Am Beifall gemessen kommt schon hin, was Renz in Bezug aufs Publikum mutmaßte: "Wir wissen, dass Sie uns fagöttern."

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