Sich selbst verteidigen

Die achtjährige Celin Olbrich lernt seit einigen Wochen Ju-Jutsu.

Erst werden Bänder gedehnt und Muskeln aufgewärmt, dann wird gekämpft. „Meine Gegner auf die Matte zu werfen, das macht mir richtig viel Spaß“, erklärt Celin Olbrich. Die Achtjährige aus Wolfsburg macht seit einigen Wochen den Verteidigungssport Ju-Jutsu. Und trainiert gerade fleißig für den weiß-gelben Gürtel, die erste Stufe zur Meisterschaft.

Nach den Sommerferien hat sich die Drittklässlerin zusammen mit ihrer Freundin Lya Linzmeier in der Ju-Jutsu-Sparte des VfL Wolfsburg angemeldet. Seitdem trainiert die Wolfsburgerin immer montags Schläge und Stöße sowie Würge-, Hebel- und Wurftechniken. Mit denen kann sie sich im Ernstfall sogar verteidigen. „Aber ich bin gegen Gewalt. Ich würde nie jemanden angreifen“, sagt Celin.

Beim Unterricht wird übrigens streng darauf geachtet, dass niemand dem anderen wehtut. Zum Training muss sich die Drittklässlerin daher die Haare zusammenbinden, Schmuck ablegen, und sie darf keine langen Finger- und Fußnägel haben. Das ist zu ihrer eigenen Sicherheit – schützt aber auch den Trainingspartner vor Schrammen und fiesen Kratzern.

Hart zur Sache geht es trotzdem: „Ju-Jutsu ist ganz schön anstrengend, man braucht sehr gute Kondition“, erklärt Celin. Zunächst wärmt sie sich mit den anderen Mädchen und Jungen aus ihrer Gruppe mit einem Ballspiel auf.

Das dient dazu, den Körper langsam auf das schweißtreibende Training vorzubereiten. Das Aufwärmen der Muskulatur ist vor jeder sportlichen Betätigung wichtig und beugt Verletzungen vor.

Erst wenn Bänder, Sehnen und Muskeln in Topform sind, geht das eigentliche Training los: Ju-Jutsu-Lehrer Thomas Schlick zeigt den Kindern einige Übungen im Stehen. Anschließend probieren die Schüler zu zweit, die neu gelernten Techniken anzuwenden. Celin übt am liebsten mit ihrer Freundin Lya zusammen.

Beide Mädchen haben ein großes Ziel vor Augen: die Teilnahme an Ju-Jutsu-Wettkämpfen. Da nehmen sie auch den Muskelkater in Kauf, der ebenso zum Training gehört wie das Tragen der weißen Anzüge, wie man sie vom Judo oder Karate kennt.

Und dafür sind sie auch bereit, außerhalb der Halle zu trainieren. „Ich gehe zum Beispiel mehrmals in der Woche zum Schwimmen, um meine Ausdauer und Kraft zu verbessern“, berichtet die sportliche Celin.

Bis zum ersten Kampf vor Publikum müssen sie allerdings noch fleißig trainieren, denn Neulinge dürfen sich beim Ju-Jutsu noch nicht sofort mit anderen auf der Matte messen. Näher ist da schon die erste Gürtelprüfung: Wie bei anderen fernöstlichen Kampfsportarten deutet auch beim Ju- Jutsu die Farbe des Bands an, wie weit fortgeschritten sein Träger ist.

KAMPFKUNST

Ju-Jutsu ist ein Mix unter anderem aus den Kampfkünsten Judo, Aikido und Karate und ist – etwa im Gegensatz zum Boxen – ganz klar eine Verteidigungssportart. Nicht mit Hilfe von Kraft oder Gewalt, sondern durch gute Technik sollen die Ju-Jutsu-Schüler in die Lage versetzt werden, sich auch gegen körperlich oder zahlenmäßig überlegene Gegner zu wehren.

Dieser Gedanke steckt auch im Namen der Sportart: „Ju“ bedeutet so viel wie nachgeben, „Jutsu“ heißt wörtlich übersetzt Kunst. Es geht also zunächst darum, durch Ausweichen zu siegen; erst danach kommen Schläge, Tritte und Stöße zum Einsatz. Mit diesem Grundkonzept eignet sich Ju-Jutsu für jeden als Verteidigungssportart – unabhängig von Körpergröße, Kraft oder Alter.

Übrigens: Ju-Jutsu ist so wirkungsvoll, dass jeder Polizist in Deutschland es als Technik zur Selbstverteidigung lernen muss.

Für Celin geht es in einem halben Jahr um den Weiß-Gelben Gurt; doch schon jetzt ist für sie klar: „Eines Tages will ich den Schwarzen Gürtel tragen.“ Mit dem gehört sie dann zu den Besten – zu den Meistern des Ju-Jutsu.

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