Müllproblem in Flechtorf

Abfliegende Reifen-Aufkleber belasten Flechtorfs Umwelt

Lesedauer: 3 Minuten
Es gibt Probleme mit den Kunststoff-Aufklebern auf den Reifen (hier zu erahnen am Hinterrad links).

Es gibt Probleme mit den Kunststoff-Aufklebern auf den Reifen (hier zu erahnen am Hinterrad links).

Foto: privat / oh

Flechtorf.  Der Verursacher ist die Firma Bertrand. Sie will künftig das Müll-Problem mit den Kunststoff-Partikeln vermeiden.

Kunststoff-Aufkleber von den Laufflächen gerade montierter Autoreifen gelangten über mehrere Wochen im Umfeld des Flechtorfer Gewerbegebietes ins Ökosystem. Dies passierte nach der Reifenmontage, die die Firma Bertrandt dort im Auftrag der Volkswagen AG ausführt.

Jürgen Kirchmann (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Umweltschutz, Landwirtschaft und Energie des Rates der Gemeinde Lehre zeigte sich im Gespräch mit uns fassungslos, aber auch nachdenklich ob des seiner Meinung nach sorglosen Umgangs mit Natur und Umwelt. „Die Mikroplastik-Problematik stellt eine ernsthafte Bedrohung unseres Ökosystems dar, und in diesem Fall wurden Tausende dieser Kunststoff-Aufkleber schlicht im Straßengraben entsorgt“, stellte Kirchmann fest.

Ende April hatte Kirchmann erstmals beobachtet, wie Fahrzeuge mit den besagten, etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Aufklebern auf den Laufflächen aller vier Reifen das Bertrandt-Betriebsgelände im Flechtorfer Gewerbegebiet verließen.

Kennzeichnung nicht entfernt

Auf eine Anfrage von uns bestätigte Bertrandt, dass die Aufkleber nach der Montage der Reifen zunächst nicht entfernt wurden. „Auf Rad und Reifen wurden bisher Aufkleber zur Kennzeichnung der jeweils eingelagerten Räder angebracht“, erläuterte Bertrandt-Pressesprecherin Ines Knapp Sinn und Zweck der Aufkleber. Unsere Frage, weshalb die Aufkleber nicht während des Montagevorganges entfernt wurden, blieb unbeantwortet.

Umgehend hatte Kirchmann auch die Volkswagen AG als Auftraggeber der Reifenmontage über den Vorgang informiert. Die entsprechende Mail von Kirchmann an Volkswagen blieb bis heute unbeantwortet. So verließen wohl mindestens seit Ende April mehrere Hundert Autos täglich mit den Aufklebern an den Reifen das Bertrandt-Betriebsgelände.

Betrieb will Abhilfe schaffen

Immerhin hat Bertrandt inzwischen angekündigt, dass die Aufkleber nun im Zuge der Reifenmontage entfernt werden. „Künftig optimieren wir gemeinsam mit Volkswagen die Art der Kennzeichnung nachhaltig, sodass nach der Auslieferung keinerlei Rückstände an den Rädern verbleiben“, teilte uns Bertrandt am 7. Juni schriftlich mit.

Nach den Berechnungen von Kirchmann dürften etwa 30.000 dieser Aufkleber in den Straßenbegleitgräben im Umfeld des Flechtorfer Gewerbegebietes gelandet sein. „Bei der Fahrt über den Asphalt werden die Aufkleber quasi zerkleinert und dann von Wind und Regenwasser in die Gräben befördert“, erklärte Kirchmann. So gelangen die Kunststoffteile über die an das Oberflächenwassersystem angeschlossenen Gräben zunächst in Bächen und Flüssen sowie schließlich im Meer.

In einem langjährigen Prozess zerfällt der Kunststoff in kleinste Teilchen – das so genannte Mikroplastik - das auch in den Boden und das Grundwasser gelangt. Für Kirchmann ein unhaltbarer und ebenso gewichtiger Umstand. Deshalb hatte der Vorsitzende des Ausschusses für Umweltschutz, Landwirtschaft und Energie auch bei Hiltrud Werner, im Vorstand der Volkswagen AG für den Bereich Integrität und Recht zuständig, in dem konkreten Fall um Abhilfe gebeten. Bisher gab es keine Rückmeldung. „Die Assistentin von Frau Werner hat mir mitgeteilt, dass Frau Werner rund 100 Mails am Tag erhält und deswegen nicht zeitnah reagieren kann“, berichtete Kirchmann.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

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