Gesundheitsamt Helmstedt: Wir wollen Corona-Welle brechen

Helmstedt.  Wie arbeitet das Gesundheitsamt Helmstedt, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen? Die Kreisverwaltung gibt dazu Antworten.

Theodor Schmid, vom RKI abgestellter Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Seine Funktion lautet: Containment-Scout. Der junge Braunschweiger, der soeben sein Politikstudium abgeschlossen hat, hat sich bereits ein Souvenir besorgt, das ihn immer an seine besondere Arbeit in Helmstedt erinnern wird.

Theodor Schmid, vom RKI abgestellter Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Seine Funktion lautet: Containment-Scout. Der junge Braunschweiger, der soeben sein Politikstudium abgeschlossen hat, hat sich bereits ein Souvenir besorgt, das ihn immer an seine besondere Arbeit in Helmstedt erinnern wird.

Foto: Jürgen Paxmann

Nein, auf den Tischen der Angestellten im Gesundheitsamt stapeln sich nicht Berge von Papier. Das meiste, was im Austausch mit infizierten Personen, deren Angehörigen und Umfeld abzuarbeiten ist, geschieht auf dem elektronischen Weg. Und per Telefon. Notfalls auch per Hausbesuch. Darüber gesprochen haben wir mit der Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheit, Angela Dynatowski, und dem Kreisverwaltungsdirektor Dr. Burkhard Nolte. Beide gehören dem Krisenstab des Landkreises an.

Die Antwort auf die Frage, wie viele Kolleginnen und Kollegen nunmehr mit dem Thema Corona beschäftigt sind, füllt den Notizblock des Berichterstatters. Um es kurzzumachen: Gegenwärtig sind es 30, allein das schon ist eine Verzehnfachung der Manpower, die sonst in „normalen“ Zeiten mit dem Thema Gesundheitsaufsicht befasst ist. Ohne Hilfe von anderen Geschäftsbereichen, der Bundeswehr, dem Land, dem Robert-Koch-Institut und auch ehrenamtlichen Strukturen wie beim DRK wäre das nicht leistbar.

Weitere Hilfe durch die Bundeswehr

Ab Montag wird das Team um fünf weitere Bundeswehrsoldaten verstärkt. Für sie hat der Landkreis einen Besprechungsraum, die frühere Kantine, im Haupthaus freigeräumt. Drei von ihnen sind als Sanitäter ausgebildet; sie dürfen Abstriche vor Ort machen, falls es darum geht, die Infektionskette zum Beispiel in Schulen und Kindertagesstätten durch Testungen zu unterbrechen.

„Zu klären, mit wem Indexpersonen Kontakt hatten, ist das Wichtigste. Da müssen wir schnell und effektiv sein,“ betont Amtsleiterin Angela Dynatowski. Nur so ließe sich die Welle brechen. „Dass wir das schaffen, ist nach wie vor unser Anspruch“, ergänzt ihr Vorgesetzter Burkhard Nolte. Noch seien die Zahlen zumindest in Helmstedt beherrschbar. Dramatisch sei der Anstieg auch hier, und er hat ja – abgesehen vom überregional verordneten November-Lockdown – auch lokale Konsequenzen (wie mehrfach berichtet).

Abstriche beim DRK in Helmstedt

Im Normalfall melden sich die Patienten selbst beim Gesundheitsamt, wenn sie Corona-typische Symptome verspüren. Wer überhaupt ist eine Indexperson? Dynatowski: „Das bezeichnet Menschen, deren sich mit Covid-19 infiziert haben.“ Ihr Testung erfolgt meistens in der Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes an der Schöninger Straße in Helmstedt, überdies in einigen Arztpraxen. Ein Mitarbeiter des Landkreises fährt die Abstriche täglich nach Hannover, zu dafür vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium beauftragten Laboren. Die Ergebnisse folgen ein/zwei Tage später.

Der Mahnung zu Vorsicht folgt – sofern der Test eine Erkrankung anzeigt – das Nachverfolgen der Kontakte in den vergangenen Tagen. „Wer wohnt mit Ihnen zusammen, was haben Sie wann gemacht, wo haben Sie wen getroffen?“, lauten die Fragen. Die Recherche kann detektivische Züge annehmen, vor allem bei Erinnerungslücken oder dann, wenn die Person gegensätzliche Angaben macht oder schlecht Deutsch spricht beziehungsweise versteht.

Hunderte Kontakte pro Woche

Erfahrungsgemäß würden in diesem Zusammenhang weitere 5 bis 10 Personen kontaktiert, berichtet Angela Dynatowski. Bei einer Bilanz von 50 Neuinfektionen der vergangenen Woche komme das Gesundheitsamt schnell auf 500 Fälle, die selbst ein Risiko für andere darstellen, wenn sie ein „Face-to-Face-Kontakt“ mit der infizierten Person hatten. Sie gehörten dann zur Kategorie 1 und müssten in Quarantäne. Das wiederum zieht einen weiteren behördlichen Akt nach sich: das Anlegen eines personenbezogenen Datenblatts, das den Zeitraum zur Selbst-Isolation festlegt, der bei Nichtbeachtung ordnungsrechtliche Folgen hat. Allerdings stoßen da die Kontrollmechanismen an ihre Grenzen.

Bei Personen der Kategorie 2, wo Abstands- und Hygieneregeln nachvollziehbar gewahrt blieben, genüge es, äußerst vorsichtig zu sein und sich zu beobachten. Auch regelmäßige Anrufe nach dem Befinden der gefährdeten Personen sind eine behördliche Aufgabe.

Hinzu kommen weitere Tätigkeitsfelder: Sichtung der Hygienekonzepte, auch Beratung dazu, Beantwortung von privaten Anfragen, Terminvergabe von Testungen – und: ein weites Feld: das Überwachen des Reisegeschehens. Dazu gehören Geschäftsreisende genauso wie Urlauber oder Menschen, die ihre Verwandten im Ausland besuchen oder Angehörige aus Risikogebieten empfangen. Auch dafür gibt es Formblätter und Regeln, die in der nächsten Woche verschärft werden sollen. Weiterer Bericht speziell dazu folgt.

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