Schöninger Eltern fordern für Kinder mehr Sicherheit im Verkehr

Schöningen.  Sie beklagen zu hohes Tempo in der Goethestraße und im Hopfengarten. Auch eine Verkehrsinsel steht in der Kritik. Stadtverwaltung und Polizei reagieren.

Bernhard Saalmüller-Becker kritisiert das zu hohe Tempo von Autofahrern im Schöninger Hopfengarten und sieht in einer Verkehrsinseln, die gegenüber seinem Gartentor angelegt wurde, eine Gefahr für seine Kinder.

Bernhard Saalmüller-Becker kritisiert das zu hohe Tempo von Autofahrern im Schöninger Hopfengarten und sieht in einer Verkehrsinseln, die gegenüber seinem Gartentor angelegt wurde, eine Gefahr für seine Kinder.

Foto: Markus Brich

Um die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr von Schöninger Wohngebieten machen sich Eltern Sorgen. Unabhängig voneinander haben sich zwei Familien bei unserer Zeitung gemeldet und beklagen, dass in der Goethestraße und dem Hopfengarten viele Verkehrsteilnehmer deutlich zu schnell unterwegs sind und die geltenden Regeln missachten. Aus Sicht der Eltern sind Polizei und Stadtverwaltung in der Verantwortung, regulierend einzugreifen.

Kind bei Unfall in der Goethestraße Ende Juli verletzt

Bei einem Unfall in der Schöninger Goethestraße wurde Ende Juli die neunjährige Tochter von Denise Wende von einem Auto erfasst und verletzt. Das Mädchen zog sich Schürfwunden und Prellungen zu, musste ärztlich behandelt werden. „Beim Überqueren der Straße hatte meine Tochter zuvor nach rechts und links geschaut und ein heranfahrendes Auto passieren lassen. Diesem folgte ein weiterer Wagen, den sie vermutlich wegen parkender Autos nicht wahrgenommen hat“, beschreibt die Mutter und sagt: „Glücklicherweise hielt sich dessen Fahrer an die geltende Tempo-30-Beschränkung, so dass der Zusammenprall ohne ernsthaftere Verletzungen ausging.“ Doch dies sei in den Straßenzügen der Tempo-30-Zone viel zu selten der Fall.

Beim Gespräch mit unserer Zeitung vor Ort bestätigten das nicht nur weitere Nachbarn. Nur die wenigsten der vorbeifahrenden Fahrzeuge hielten sich dem Augenschein nach an das Tempolimit und fuhren ohne die Geschwindigkeit zu verringern an Einmündungen vorbei, an denen bei Beachtung der Rechts-vor-Links-Regeln die Bremslampen hätten aufleuchten müssen.

Missachtung der Schrittgeschwindigkeit im Hopfengarten

Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt in der Straße Hopfengarten, kritisieren Anwohner ebenfalls die regelmäßige Missachtung des Tempolimits in der Spielstraße. Mag die Einschätzung des tatsächlich gefahrenen Tempos in der Goethestraße noch eine „gefühlte“ sein, an „Schrittgeschwindigkeit“ hält sich beim unserem Besuch am Vormittag kein Autofahrer.

„Ich habe Angst um meine drei Kinder“, sagt Bernhard Saalmüller-Becker. „Ob Ortsfremde, Lieferfahrzeuge oder Anwohner: Hier wird hoch- und runtergerast, ohne einen Gedanken an spielende Kinder zu verschwenden.“ Auch hier bestätigen weitere Passanten, die während des Gesprächs vorbeikommen, seine Aussage. Vollends auf die Palme bringt Hopfengarten-Anwohner Saalmüller, dass beim Endausbau der Straße eine der Grüninseln, die eine Verlangsamung des Verkehrsflusses bewirken sollen, unmittelbar gegenüber seines Grundstückseingangs angelegt worden ist. „Dadurch werden Fahrzeuge jetzt direkt vor unser Eingangstor gelenkt. Straße und Gehweg sind auf einer Ebene, einen Bordstein gibt es nicht. Wenn meine Kinder da unvorsichtig herauslaufen, ist die Gefahr nun viel größer, dass sie direkt vor einem Auto landen.“ Den Verkehrsinseln in der Straße schreibt er keine geschwindigkeitsreduzierende Wirku ng zu. „Ohne Gegenverkehr wird da einfach im Slalom drumrum geflitzt.“

Mit ihren Beschwerden hatten sich beide Familien bereits mehrfach an die Stadtverwaltung gewendet. „Die erste Reaktion aus dem Rathaus fanden wird unbefriedigend“, sagt Denise Wende. Doch inzwischen habe es „eine tolle Wendung im Fall Goethestraße“ gegeben. Dagegen fragt sich Bernhard Saalmüller-Becker weiter: „Muss erst der schlimmste Fall eintreten um die Verantwortlichen in den Behörden wachzurütteln, oder geht es hier vielleicht auch mal präventiv?“

Was Stadtverwaltung und Polizei zu den Probleme sagen

Zu den geschilderten Problemen nahmen Bürgermeister Malte Schneider, Ordnungsamtsleiter Ingo Weitze, Bauamtsleiter Thomas Hoffmann sowie Ullrich Müller, Leiters des Einsatz- und Streifendienstes im Polizeikommissariat Schöningen, im Gespräch mit unserer Zeitung Stellung. Die geschilderten Probleme sind ihnen bekannt.

Für den Bereich Goethestraße hat sich die Verwaltung entschlossen, im Rahmen der Schulwegsicherung an der Kreuzung Ludwig-Uhland-Straße und Gerhard-Hauptmann-Straße beidseitig das Verkehrszeichen „Achtung, Kinder!“ aufzustellen. Damit sollen Fahrzeugführer zusätzlich zur Tempo 30-Zone und den Rechts-vor-Links-Regelungen für die Gefahren von kreuzenden Kindern sensibilisiert werden. Zudem kündigt Einsatzleiter Ullrich Müller verstärkte Tempokontrollen für diesen Bereich an: „Sobald wir unser Laser-Messgerät von der Eichung zurückerhalten, werden wir dort zu den Schulwegzeiten sowie am Nachmittag kontrollieren.“

„Diese Thematiken beschäftigen uns schon länger“, sagt Schöningens Bürgermeister. „Der Hinweis von Frau Wende war sicherlich ein Inkubator, aber wir hatten den Handlungsbedarf bereits erkannt und intensiv geprüft, welche Möglichkeiten wir dort haben, die Schulwegsituation zu verbessern. Es ist nicht so, dass wir überall Schilder aufhängen, wenn Bürger dies mit lauter Stimme fordern.“

Polizei kündigt verstärkte Tempokontrollen an

„Auf Beschwerden, die uns erreichen regieren wir“, betont Polizei-Einsatzleiter Müller. „Sowohl im Hopfengarten wie auch im Bereich Eichendorff- und Goethestraße haben wir bereits Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen. Dabei haben wir auch immer Verstöße festgestellt, aber sie lagen immer in einem geringen Maß.“ So sei im Hopfengarten im Juli und August sechsmal gemessen worden. „Die höchste Geschwindigkeit, die wir festgestellt haben, betrug 22 Stundenkilometer.“ Geahndet wurde in der Spielstraße unter Berücksichtigung der Toleranz ab etwa 20 km/h. Insgesamt wurden zwölf Verwarnungen ihn Höhe von 25 Euro ausgesprochen, alle Temposünder waren Anwohner.

„Laser-Pistolen messen immer auf einen Punkt“, verdeutlichte Polizist Müller. „Das Problem im Hopfengarten ist die sehr lange Strecke, die mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden müsste.“ In der Tat wäre es ungewöhnlich, würden Fahrer diese Distanz durchgängig mit 10 Kilometern pro Stunde zurücklegen. „Schrittgeschwindigkeit ist das einzige Tempo, dass die Polizei auch schätzen darf.“ Deshalb werden wir das in dieser Straße jetzt tun. „Wer sich nicht an die Schrittgeschwindigkeit hält, wird künftig mit 25 Euro verwarnt.“ Allerdings, auch das betont der Polizeibeamte mit Blick auf die Aussagen der Anwohner: „Geschwindigkeit ist immer ein subjektives Empfinden. Je größer ein Fahrzeug ist, um so eher denkt man, es ist schneller.“

Mobile Messanlage könnte Fakten liefern

Um „subjektive Gefühle“ mit Fakten zu belegen, schlug Müller vor, eine mobile Messanlage aufzustellen, die die gefahrenen Geschwindigkeiten anzeigt und speichert. „Dann man wüsste man, worüber man spricht.“ Die Verkehrswacht Wolfsburg verfüge über so ein Gerät. „Vielleicht kann sich die Stadt das mal ausleihen oder sie schafft selbst so ein Gerät an. Dann könnte man sie bei Bedarf auch an anderen neuralgischen Punkten verwenden.“ Ordnungsamtsleiter Weitze notierte sich diesen Vorschlag: „Wir werden prüfen, ob sich das machen lässt.“

Mit der Engstelle durch die Verkehrsinsel gegenüber seiner Zugangstür wird Bernhard Saalmüller-Becker aber wohl weiter leben müssen. Vor und hinter der Insel gibt es noch Platz für ein parkendes Fahrzeug. Doch Bürgermeister wie auch Bauamtsleiter sehen weder Grund noch ausreichend geeignete Fläche für eine Verlegung. Eine bauliche Trennung zwischen Straße und Fußweg, räumen sie ein, gebe es dort nicht, doch sei zwischen passierenden Fahrzeugen und Gartentor noch ausreichend Platz. Eine Gefahr für aus dem Eingang herauslaufende Kinder erkennen sie deshalb nicht.

Verkehrsinsel im Hopfengarten soll bleiben

Auch eine Verlagerung der Insel, die im Zuge des kürzlich erfolgten Endausbaus der Straße angelegt worden ist, halten sie nicht für erforderlich. „Es ist dort alles ziemlich eng“, sagt Bauamtsleiter Hoffmann. „Bei der Platzierung mussten wir auch auf Einmündungen und Zufahrten der übrigen Bewohner Rücksicht nehmen. Und die Insel nur um eine Fahrzeuglänge zur verschieben – was würde das an der Situation ändern?“

Das Dilemma, dass eine Anlage, die der Verkehrsberuhigung dienen soll, zugleich als Gefahrenpotential empfunden wird scheint die Stadt nicht lösen zu können. Auch Polizist Müller hat in diesem Fall keine Lösung zur Hand. „Eine 100-prozentige Sicherheit werden wir nicht schaffen können. Verkehr birgt nun mal grundsätzlich Gefahren. Aber wenn die Leute sich an die Schrittgeschwindigkeit halten, und dort tritt ein Kind hervor, dann sollte das auch funktionieren.“

Bodenwellen als Alternative, wie von Saalmüller-Becker und einigen Anwohnern vorgeschlagen, lehnt die Verwaltung allerdings ab. Ihr Argument: „Dann schaffen wir uns das nächste Problem, denn die sind laut“, sagt Thomas Hoffmann. Bürgermeister Schneider pflichtet ihm bei und appelliert zugleich an die Anwohner: „Eine Spielstraße ist eigentlich schon das schärfste Schwert der Verkehrsberuhigung. Die nächste Stufe wäre, den öffentlichen Verkehr aus dem Gebiet völlig herauszunehmen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder