Hat Helmstedt soziale Brennpunkte? Die Verwaltung verneint

Helmstedt.  Probleme mit Lärm und Unrat rund um den Hausmannsturm und im Dammgarten-Quartier haben Politik und Verwaltung lange beschäftigt. Und heute?

Die Helmstedter Fußgängerzone in Zeiten des Shutdowns. Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass es dort insgesamt ruhiger wurde.

Die Helmstedter Fußgängerzone in Zeiten des Shutdowns. Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass es dort insgesamt ruhiger wurde.

Foto: Jürgen Paxmann

Es ist bereits ein gutes Jahr her, als sich die Beschwerden über Belästigung durch Lärm und Dreck in zwei Helmstedter Quartieren häuften. Die Mehrfamilienhäuser am Dammgarten und Teile der Fußgängerzone rückten in den Fokus, galten bei einigen Ratspolitikern bereits als soziale Brennpunkte. Wie sieht es nun dort aus, zu Corona-Zeiten? Die Helmstedter Stadtverwaltung gibt Entwarnung.

Im Ausschuss für öffentliche Sicherheit und Ordnung stellte Erster Stadtrat Henning Konrad Otto dar, was seine Mitarbeiter veranlasst und seither beobachtet haben: „Das kühlere Wetter damals zur Jahreswende, Corona und nicht zuletzt unsere Sofortmaßnahmen haben dazu geführt, dass sich die Gesamtsituation bis zum Sommer deutlich entspannt hat.“ Zumindest habe es bei der Stadt mit Ausnahme von „Müllvergehen“ am Dammgarten, für deren Klärung jedoch der Landkreis zuständig ist, keinerlei Beschwerden mehr gegeben.

Lösung für das Müllproblem

Was das Müllproblem angeht: Zukünftig soll, beginnend mit dem Monat September, zwischen Landkreis und Grundstückseigentümer monatlich ein fester Abfuhrtermin vereinbart werden, den der Eigentümer dann an seine Mieter weitergibt. Die Mieter sollen dann erst am Vorabend ihren Sperrmüll an die Straße stellen, wusste Otto zu berichten.

Etwas diffiziler sieht die Sache in der Innenstadt aus. Natürlich gingen die Menschen bei schönem Wetter hinaus auf die Straße, auch abends. „Das aber ist das Wesen einer Innenstadt, Geselligkeit hat etwas Urbanes, sie vermittelt Lebensqualität“, stellte Otto in den Raum. Eine These, die auch auf Kritik stieß.

Ein Gefühl der Unsicherheit

So meinten einige der im Ausschuss anwesenden Zuhörer, dass sich besonders unter älteren Einwohnern ein Gefühl der Unsicherheit breitmache. Viele trauen sich bei Dunkelheit nicht mehr raus, fasste Wolfgang Schmidt vom Seniorenbeirat das Ergebnis einer in Helmstedt anberaumten Umfrage zusammen.

Warum könne die Stadt kein Alkoholverbot verhängen, was ist mit den Ladenschlusszeiten an Sonntagen, warum spielen Kinder mitten zwischen den Schaufenstern Fußball? Fragen, auf die Ordnungsbehörden zwar Antworten haben, die aber für einige Mitbürger unbefriedigend sind. So zum Thema Alkohol: Für ein allgemeines Verbot im öffentlichen Raum gebe es keine rechtliche Handhabe. Da müsse eine Kommune schon nachweisen, dass im Zusammenhang mit Alkohol eine Häufung von Straftaten und Vergehen im Zusammenhang vorliege.

Vergehen im einstelligen Bereich

Genau dies geschehe nicht, weiß Imke Krysta. Die Leiterin des Polizeikommissariats Helmstedt versicherte: „Das Gefühl der Unsicherheit steht nicht im Einklang mit dem tatsächlichen Geschehen.“ Angezeigte Taten und Vergehen in der Innenstadt lägen 2020 im einstelligen Bereich. „Wir fahren schon viel Streife. Bei schweren Sachverhalten sind wir innerhalb von zwei Minuten da.“

Was also tun, um die Gemüter alteingesessener Bürger zu beruhigen: Zivilcourage zeigen, Störenfriede ansprechen, Müllverursacher auf ihr Fehlverhalten hinweisen? Erster Stadtrat Otto macht es so – und hat Erfolg damit, behauptet er. Die Hoffnung der Zuhörer und auch Ratsmitglieder wie Ausschussvorsitzender Norbert Dinter (CDU), Hans-Jürgen Schünemann (SPD), und Petra Schadebrodt (FDP) liegen auf dem Gedanken-Austausch in einem extra dafür gegründeten Arbeitskreis. Nächstes Treffen ist voraussichtlich am 29. Oktober, es ist dann das erste seit zehn Monaten.

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