Königslutter schafft neue Grundlagen für Einzelhandel

Königslutter.  Mit der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts soll die Innenstadt gestärkt werden. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Nach dem neuen Einzelhandelskonzept könnte sich der Aldi Markt an seinem jetzigen Standort Rottorfer Straße vergrößern.

Nach dem neuen Einzelhandelskonzept könnte sich der Aldi Markt an seinem jetzigen Standort Rottorfer Straße vergrößern.

Foto: Darius Simka / regios24/Archiv

Nach mehr als neun Jahren wird Königslutter sein Kommunales Einzelhandelskonzept fortschreiben. Es dient als Basis für die Steuerung von Handelsansiedlungen am Standort Königslutter. Gegenüber der ersten Fassung enthält das Konzept Veränderungen, die unter anderem für Lebensmitteldiscounter wie Aldi und Netto eine Rolle spielen.

Mehr als eineinhalb Jahre hat es gedauert, das neue Papier auszuarbeiten. Den Antrag für die Fortschreibung hatte die SPD/Grüne/Weihe-Ratsgruppe vor etwa zwei Jahren gestellt, unter anderem als Folge der Diskussion um eine Aldi-Ansiedlung an der Braunschweiger Straße. Trotz des ausgegebenen Ziels, die Innenstadt als zentrale Einkaufslage zu sichern und zu stärken, wird eine Erweiterung am jetzigen Standort Rottorfer Straße nun möglich sein.

Künftig Fachmarktstandorte

Auf die insgesamt veränderten Kriterien ging Florian Konossa von der für die Fortschreibung beauftragten Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) im Stadtentwicklungsausschuss ein. Eine wesentliche Veränderung ist, dass die Innenstadt künftig der einzige rechtssicher ausweisbare zentrale Versorgungsbereich ist.

Bisher zählten auch der „Ergänzungsbereich Innenstadt“, also aller Handel entlang der Rottorfer Straße, sowie das Nahversorgungszentrum Wolfsburger Straße dazu. Diese werden künftig als Fachmarktstandorte geführt, wo keine zentrumsrelevante Sortimente zulässig sind. Dazu werden unter anderem Elektrogeräte, Bekleidung, Spielwaren oder Bücher gerechnet. Dass künftig nur noch die Innenstadt als zentraler Versorgungsbereich gilt, sei ein „Signal und klares Bekenntnis“ zu ihrer Stärkung, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage.

Ausnahme für Aldi-Erweiterung möglich

Durch die erfolgte Einstufung seien großflächige Ansiedlungen mit Kernsortimenten in den Gebieten des Fachmarktzentrum nicht mehr möglich. So solle eine weitere Schwächung und Beeinträchtigung der Innenstadt vermieden werden. Dennoch werde durch eine Ausnahmeregelung die Möglichkeit geschaffen, dass sich beispielsweise der Discounter Aldi an seinem jetzigen Standort vergrößern könnte.

Als bestehender Betrieb genießt Aldi Bestandsschutz und hat dadurch weiterhin die Ergänzungsfunktion des Fachmarktstandortes Rottorfer Straße zu Innenstadt. Nach dem Integrationsgebot des Landes-Raumordnungs-Programms ist die Ansiedlung neuer Einzelhandelsgroßprojekte mit zentrenrelevanten Kernsortimenten nur innerhalb „städtebaulich integrierter Lagen“ zulässig. Die dafür notwendigen Flächen habe Königslutter in seiner Innenstadt nicht zu bieten, zeigte Florian Komossa auf.

Bebauungsplan notwendig

Unter anderem sprächen denkmalschutzrechtliche Aspekte dagegen. Deshalb greife an dieser Stelle eine Ausnahmeregelung, wonach Erweiterungen grundsätzlich möglich seien. Neben Aldi nannte Komossa auch Netto an der Braunschweiger Straße als mögliches Beispiel. Nach den weitergehenden Erläuterungen stellte Bauwesen-Fachbereichsleiterin Grit Bädekerl diesen Aspekt noch einmal heraus.

„Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans ist eine Erweiterung von Aldi am vorhandenen Standort möglich?“, lautete ihre Frage an Florian Komossa gerichtet, der dies bejahte. Aus Sicht Bädekerls werde mit dem Einzelhandelskonzept die Innenstadt gestärkt, aber: „Es ist nicht die Lösung unserer Probleme, es ist ein erster Schritt. Da müssen viele Bausteine folgen, und da sind alle gefragt.“

Konzept wird befürwortet

Frank Kolbe, beratendes Mitglied im Ausschuss, betonte, dass nun Planungssicherheit geschaffen werde. Alexander Jordan (CDU) forderte, dass die daraus abzuleitenden Maßnahmen „mutig und konkret“ seien. Und für Christine Jahn (SPD) war klar: „Jetzt müssen alle tätig werden.“ Das Konzept wurde einstimmig in den Rat empfohlen, der kommenden Donnerstag darüber entscheiden wird.

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