Einheitsgemeinde Velpke – Gift für die Demokratie?

Grafhorst.  In der Samtgemeinde Velpke strebt Verwaltungschef Rüdiger Fricke die Umwandlung in eine Einheitsgemeinde an. Das wird heiß diskutiert.

Klaus Wenzel ist Bürgermeister in Grafhorst.

Klaus Wenzel ist Bürgermeister in Grafhorst.

Foto: Erik Beyen

Ginge es nach Rüdiger Fricke, dann wäre er längst Bürgermeister einer Einheitsgemeinde. Aus seinem Standpunkt macht er kein Geheimnis: Fricke ist Verfechter der Einheitslösung.

Genau so sieht das auch Klaus Wenzel (SPD), Bürgermeister in Grafhorst. Doch selbst in seiner Gemeinde gibt es kein einheitliches Stimmungsbild zu diesem Thema, das am 21. September auf der Tagesordnung zur Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen in der Samtgemeinde steht.

Klaus Wenzel hat sich bereits früher pro Einheitsgemeinde ausgesprochen

Klaus Wenzel hatte sich schon in der Vergangenheit klar pro Einheitsgemeinde ausgesprochen. „Ich verspreche mir damit annähernd einheitliche Lebensbedingungen für alle“, erklärt er und nennt das Beispiel Vereinsförderung, die man auf diesem Wege auf ein Niveau bringen könnte. Grundsätzlich gehe es ja zunächst um politische Gespräche, um die verschiedenen Aspekte abzuklopfen, betonte er, und: „Solchen Gesprächen kann man sich eigentlich nicht verweigern.“

Abgesehen davon habe man innerhalb der Samtgemeinde bereits drei Einheitsgemeinden: Velpke, Bahrdorf und Groß Twülpstedt: „Die Identifikation mit den Orten geht doch mit einer Einheitsgemeinde nicht verloren. Ein Meinkoter bleibt ein Meinkoter. Daran wird sich nichts ändern“, ist sich Wenzel sicher.

Jörn Grona (CDU): „Man muss politisch alles diskutieren können.“

Gesprächsoffenheit signalisiert auch Jörn Grona (CDU). „Man muss politisch alles diskutieren können“, sagt er. Seine Position ist klar: „Ich sehe in einer Einheitsgemeinde einen Demokratieverlust, einen schleichenden Weg zu deren Abschaffung. Es wird immer mehr von immer weniger Leuten entschieden“, erklärt er. Das sei gefährlich, weil sich so die Menschen vor Ort nicht mehr vertreten fühlten.

„Darum sehe ich die Sache eher nachteilig: Wir werden weniger Ehrenamt haben, wenn wir auf unserem Gemeindegrund nicht mehr entscheiden dürfen. Die Grundfeste der Demokratie ist die Bevölkerung im Ort“, mahnt er. Dem kolportierten wirtschaftlichen Gewinn durch optimierte Abläufe innerherhalb einer Einheitsgemeinde erteilt Grona eine klare Absage: „Dann müssen wir die Einheitsgemeinde auch abschaffen und große Bezirke oder Regionen einrichten.“

Johannes Götz (parteilos) beklagt Kirchturmdenken

Johannes Götz (parteilos aber den Grünen nahestehend) sieht Kleinteiligkeit und Kirchturmdenken als großes Hindernis für Fortschritt: „Eine Einheitsgemeinde ist absolut erforderlich“, so Götz, der von einer schwierigen Konstellation aus Verbindlichkeiten über gegenseitige Abhängigkeiten sprach. Rücksichtnahme aus persönlichen Gründen stehe sachbezogenen Entscheidungen im Wege. Festhalten an alten Strukturen sei lange nicht mehr zeitgemäß.

Bisher zum Thema: https://www.helmstedter-nachrichten.de/helmstedt/article230426046/Einheitsgemeinde-Velpke-Das-geht-nur-im-Konsens.html

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