Eltern beklagen Gedränge in Schulbussen in Lehre

Lehre.  Eltern aus der Gemeinde Lehre fordern wegen Ansteckungsgefahr in Spitzenzeiten den Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge auf der Regionalbuslinie 230.

Buslinie 230 an der Station Lehre Rathaus: Eltern klagen über überfüllte Busse, in denen kein Abstand gehalten werden kann.

Buslinie 230 an der Station Lehre Rathaus: Eltern klagen über überfüllte Busse, in denen kein Abstand gehalten werden kann.

Foto: Dirk Fochler / regios24

Konterkarieren überfüllte Busse die Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen? „Ja“, meint Sandra Nolting aus Lehre. Die zweifache Mutter und auch weitere Eltern fordern den Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge zu den Spitzenzeiten.

„Seit Schulstart nach den Ferien stehen meine Kinder jeden Morgen und Mittag im Gedränge im 230er-Bus nach und von Braunschweig. Die Busse sind zu den Stoßzeiten gegen 7 Uhr und bei Schulschluss zwischen 13 und 14 Uhr völlig überfüllt“, berichtete Sandra Nolting in einer Mail an die Redaktion.

Abstand zu halten, im besten Fall die gebotenen 1,5 Meter, sei unter den geschilderten Bedingungen schlicht nicht möglich. Eine Mund-Nasen-Bedeckung werde von den Fahrgästen in der Regel allerdings getragen. Dies schilderten uns auch Schüler an Haltestellen der Linie 230 in Lehre. Allerdings haben wir auch beobachtet, dass Busse kurz vor und nach sieben Uhr an einem Dienstag die Haltestellen in Lehre nur mit besetzten Sitzplätzen verließen.

Die Wolfsburger Verkehrs GmbH (WVG), die die Linie 230 betreibt, teilte auf Anfrage zunächst Grundsätzliche mit: „In Niedersachsen erfolgte der Schulstart hinsichtlich der Schülerbeförderung ohne jegliche Corona-Berücksichtigung. Es gibt keine veränderten Schul-Anfangszeiten und die Gruppen sind nicht auf verschiedene Zeiten verteilt. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass in den Spitzenzeiten die Busse voll sind.“

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Fahrzeugreserven würden wie auch in Vor-Corona-Zeiten bei der WVG und auch anderen Verkehrsunternehmen nicht zur Verfügung stehen. Zusätzliches Personal werde teils in Verbindung mit Ordnungsamtmitarbeitern zur Kontrolle der Einhaltung der „Maskenpflicht“ eingesetzt. Weiterhin verwies eine WVG-Pressesprecherin auf das generelle Abstandsgebot und die Pflicht zur Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 Metern. „Soweit dies möglich ist“, schrieb die WVG.

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Auch Heike Roy, Direktorin des Helmstedter Gymnasiums Julianum, hatte jüngst auf der Schulausschuss-Sitzung des Kreistages die Abstandsproblematik bei der Schülerbeförderung angesprochen. Die Landkreis-Verwaltung teilte dazu mit, dass die Kreisverkehrsgesellschaft schon einige zusätzliche Busse einsetzt, aber – falls notwendig – weitere Busse nicht so einfach eingesetzt werden könnten. „Es fehlen nicht die Busse oder das Geld, sondern schlicht die Busfahrer“, erklärte Landrat Gerhard Radeck.

Angesichts der Komplexität und der Bedeutung der Problematik kritisierte Sandra Nolting, dass es offenbar im Vorfeld versäumt wurde, die vermeintliche Schwachstelle „Schülerbeförderung“ im Hinblick auf den Erfolg oder Misserfolg der Corona-Schutzmaßnahmen der Schulen zu beseitigen. „Das erklärte Ziel aller Beteiligten ist und war, erneute Schulschließungen zu verhindern“, stellte Sandra Nolting fest und forderte die Verantwortlichen zum Handeln auf.

Auf Anfrage teilte die Gemeinde Lehre mit, dass ihr das Problem bei der Linie 230 bekannt und die WVG schon um Unterstützung gebeten worden sei. Zusätzlich will die Gemeinde auch noch das Gespräch mit der Landkreis-Verwaltung suchen.

Deren Chef, Landrat Gerhard Radeck, hat auf der Schulausschuss-Sitzung eine Lösungsmöglichkeit angedeutet: „Durch versetzten Unterrichtsbeginn würde sich jeweils die Anzahl der Schüler, die transportiert werden müssten, reduzieren“, erklärte Radeck.

Ein versetzter Schulbeginn würde allerdings das Problem der überfüllten Busse auf der Linie 230 nicht gänzlich aus der Welt schaffen. Denn die zwischen Braunschweig und Wolfsburg verkehrende WVG-Linie nutzen nicht nur viele Schüler, sondern auch zahlreiche Berufspendler und Personen, die zum Einkaufen in die beiden Großstädte fahren. So verzeichnet die Linie 230 zu fast allen Tageszeiten ein überdurchschnittlich hohes Fahrgastaufkommen.

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