Helmstedt erlebt einen denkwürdig disziplinierten Vatertag

Helmstedt.  Die Vatertagsbefürchtungen lösten sich im Landkreis Helmstedt in Wohlgefallen auf. Die Polizei hatte bis zum späten Nachmittag keinen Einsatz.

Dieser Himmelfahrt-Gottesdienst fand auf dem Parkplatz vor dem Helmstedter Brunnentheater statt. Etwa 200 Teilnehmer genossen die kirchliche Veranstaltung.

Dieser Himmelfahrt-Gottesdienst fand auf dem Parkplatz vor dem Helmstedter Brunnentheater statt. Etwa 200 Teilnehmer genossen die kirchliche Veranstaltung.

Foto: Christoph Buchheister

In den Städten Helmstedt, Königslutter und Schöningen hatte die Polizei am Himmelfahrtstag ihre Präsenz verstärkt, um bei Verstößen gegen die Corona-Kontaktsperre rasch einschreiten zu können. Doch die Ordnungshüter erlebten einen bemerkenswert ruhigen Feiertag. „Viele Menschen verbrachten die sonnigen Stunden im Familienkreis, sie haben ihre seit Wochen gelebte Alltagsdisziplin beibehalten“, lobte Polizeisprecher Sven-Marco Claus.

Viele sind mit Rad unterwegs gewesen

Wer im Landkreis unterwegs gewesen ist, der traf auffällig viele Radfahrer an – zumeist Paare oder Familien, die Ausflüge an der frischen Luft unternahmen. Herumziehende Gruppen mit Bollerwagen voller Bier? An diesem denkwürdigen Vatertag war das Fehlanzeige. Bei unserer intensiven Suche nach „klassischen“ Vatertagsausflüglern stießen wir in Lehre unweit der Börnekenhalle auf Gerald Amelang und Volker Kottwitz aus dem benachbarten Bevenrode. Einen Bollerwagen hatten sie dabei, Bier auch, doch sie hielten sich vorbildlich an die Regeln. Ihre Ehefrauen und Kinder marschierten in größerem Abstand voraus. „Das ist heute mal Familientag statt Männerrunde“, meinten die beiden ohne Bedauern. „Wir hoffen natürlich, dass wir im nächsten wieder unseren kleinen Grill mitnehmen können – und mehr Leute.“

200 Besucher bei Gottesdienst am Brunnentheater

Ein bisschen Normalität in der Krisenzeit erfuhren die Besucher des Freiluft-Gottesdienstes vor dem Helmstedter Brunnentheater. Bei sonnigem Wetter versammelten sich etwa 200 Menschen auf dem Parkplatz vor dem Theatergebäude, um gemeinsam den Gottesdienst zu feiern. Mit Mundschutz und Stühlen, die im Mindestabstand von 1,50 Meter positioniert wurden, sowie mit zehn verschiedenen Mikrofonen, die jeweils eingetütet waren, wurden die Hygienemaßnahmen sorgfältig beachtet.

Gleich bei der Begrüßung bat Pastorin Birgit Rengel die Besucher, mit Mundschutz und nicht zu laut zu singen. Das tat der Atmosphäre keinen Abbruch. Die zahlreichen Besucher, die größtenteils mit dem Fahrrad zum Brunnentheater kamen, erfreuten sich sichtbar am Beisammensein und am Gesang unter strahlend blauem Himmel.

Nach dem Gemeindelied „Gen Himmel aufgefahren ist“ sprach Pastor David Kolkmann einen Psalm. Es folgten Gesang und Blasmusik unter der Leitung von Propsteikantor Matthias Michaely. Alles wirkte zunächst wie ein „ganz normaler“ Himmelfahrt-Gottesdienst – bis Katja Witte-Knoblauch ihre Predigt hielt: Die Helmstedter Pröpstin stellte einen aktuellen Bezug zur Corona-Krise her. „Es kommt meistens anders als man denkt. Allein das Unerwartbare ist erwartbar. Wir leben in einer Zeit, in der der Tod verdrängt wird. In der Stille und in der Andacht machen wir uns berührbar“, sagte Witte-Knoblauch und machte den Gottesdienst-Besuchern zugleich Mut für die Zukunft: „Wunderbare Dinge passieren, wenn sich Menschen zusammentun. Es ist schön, dass es jetzt irgendwie normal weitergeht.“

Die Pröpstin ging in ihrer Predigt auch auf die vielen Corona-Opfer im Wolfsburger Hanns-Lilje-Seniorenheim ein und führte an: „Wir fühlen mit denen, die dort einen Menschen verloren haben.“ Anschließend bedankte sie sich bei allen Helfern, die den Freiluft-Gottesdienst ermöglicht hatten, der nach rund 45 Minuten mit dem Vaterunser und einem Segen beendet wurde.

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