In Helmstedt aus Asche kostbaren Phosphor zurückgewinnen

Helmstedt.  Die Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage in Buschhaus soll der Kreislaufwirtschaft dienen sowie Strom und Wärme liefern.

Die Baugrube für die neue Verbrennungsanlage ist bereits ausgehoben. Im Hintergrund die Thermische Restabfall-Vorbehandlungsanlage, die EEW seit vielen Jahren betreibt.

Die Baugrube für die neue Verbrennungsanlage ist bereits ausgehoben. Im Hintergrund die Thermische Restabfall-Vorbehandlungsanlage, die EEW seit vielen Jahren betreibt.

Foto: Michael Strohmann

Wie sauber ist die Anlage? Was kommt oben raus und was bleibt drinnen übrig und wo geht das hin?

Das fragt unsere Leserin Christina Juliane Balder auf den Facebook-Seiten unserer Zeitung

Zu dem Thema recherchierte
Michael Strohmann

Die Neufassung der deutschen Klärschlammverordnung von 2017 hat erheblichen Handlungsdruck ausgelöst. Die Betreiber größerer Kläranlagen sind künftig verpflichtet, den im kommunalen Abwasser oder Klärschlamm enthaltenen Phosphor zurückzugewinnen. Außerdem endet für viele Kläranlagen die bodenbezogene Verwertung des häufig mit Nitrat belasteten Schlamms. Wo aber sollen die Unmengen von Klärschlamm in Deutschland hin?

Die Antwort: Der Schlamm wird verbrannt und aus der Asche wird der knappe Rohstoff Phosphor zurückgewonnen – ganz im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Dieser Phosphor kann dann zum Beispiel als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Die erste Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KVA) in Niedersachsen soll im Herbst 2021 am Standort Buschhaus bei Helmstedt in Betrieb gehen. Am Donnerstag legte das Abfallverbrennungsunternehmen Energy from Waste (EEW) aus Helmstedt den Grundstein für die 45 Millionen Euro teure Anlage, in der jährlich etwa 160.000 Tonnen vorgetrockneten Klärschlamms verbrannt werden sollen. Da es sich wegen des Entsorgungsdrucks um einen lukrativen Markt handelt, plant EEW derzeit bereits drei weitere Anlagen: Neben Helmstedt verfolgt das Unternehmen vergleichbare Projekte in Stapelfeld nahe Hamburg, im mecklenburgischen Stavenhagen und im niederländischen Delfzijl.

Die Klärschlammverbrennung in Buschhaus soll zum einen zur Produktion von Strom und Fernwärme genutzt werden, zum anderen zur Phosphor-Herstellung. Der Betreiber EEW geht davon aus, in der KVA Buschhaus jährlich etwa 15.000 Tonnen Asche anfallen werden. Phosphor als synthetisch nicht herstellbarer und lebensnotwendiger Rohstoff sei als Phosphat in der Klärschlamm-Asche mit einem Gehalt von etwa 20 Prozent enthalten, erläuterte Bernard M. Kemper, Vorsitzender der EEW-Geschäftsführung, bei der Grundsteinlegung am Donnerstag, die Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) als sehr wichtiges Signal für den erforderlichen Strukturwandel im früheren Braunkohlerevier bezeichnete.

Was das gesetzlich geforderte Phosphor-Recycling angeht, ist allerdings mit Blick auf die KVA Buschhaus noch offen, wo dieses Recycling angesiedelt wird und wer es betreibt. „Benötigt wird eine Fläche von 20.000 Quadratmetern für eine entsprechende Anlage“, sagte Rüdiger Bösing, Kaufmännischer Geschäftsführer Nord-Ost der EEW, unserer Zeitung gestern. Eine geeignete Fläche sei direkt neben der KVA vorhanden, jedoch gehöre diese dem Kraftwerkseigentümer Helmstedter Revier GmbH. „Wir stecken in Verhandlungen“, meinte Bösing. In der örtlichen Politik kursieren derweil Appelle, dass die folgerichtige Ansiedlung eines Phosphorrecyclings am Standort Buschhaus nicht an der Grundstücksfrage scheitern dürfe.

Das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig hatte im Dezember 2019 die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für den Bau der KVA Buschhaus erteilt. Die nicht verwertbaren Aschereste müssen deponiert werden.

Hintergrund zum Helmstedter Revier

Im Helmstedter Revier wurde bis 2016 Braunkohle abgebaut. Der Bund hat als Kompensationszahlung mit Blick auf den geplanten Kohle-Ausstieg in Deutschland dem Revier 90 Millionen Euro für den Strukturwandel in Aussicht gestellt.

Das Kraftwerk Buschhaus stellte im September 2016 offiziell seinen Betrieb ein. Seither dient es als stille Reserve für den „Versorgungsnotfall“. Noch in Betrieb hatte das Kraftwerk eine Bruttoleistung von 392 (netto 352) Megawatt. Es wird von der Helmstedter Revier GmbH betrieben. In diesem Jahr soll die vollständige Stilllegung folgen.

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