Perspektivsuche für das Helmstedter Revier ohne Denkverbote

Schöningen.  Für den Strukturwandel im Helmstedter Revier brauche es „einen professionellen, strukturellen Prozess“, fordert Umweltminister Olaf Lies.

Mehr als 80 Bürger diskutierten in Schöningen mit Umweltminister Olaf Lies (Vierter von rechts), dem Bundestagsabgeordneten Falko Mohrs, Bürgermeisterkandidat Malte Schneider und dem Landtagsabgeordneten Jörn Domeier intensiv über Ideen und Strategien für den Strukturwandel.

Mehr als 80 Bürger diskutierten in Schöningen mit Umweltminister Olaf Lies (Vierter von rechts), dem Bundestagsabgeordneten Falko Mohrs, Bürgermeisterkandidat Malte Schneider und dem Landtagsabgeordneten Jörn Domeier intensiv über Ideen und Strategien für den Strukturwandel.

Foto: Markus Brich

Die Produktion von „grünem Wasserstoff“ aus erneuerbaren Energien, ein Batterie-Recycling mit Blick auf die Rückgewinnung von Rohstoffen, Natur- und Klimaschutzprojekte wie „Wildnis wagen“, Verwertung von Klärschlamm mit anschließender Phosphorrückgewinnung, Anbau von medizinischem Hanf oder aber auch ein Offroad-Park. Viele Ideen und Stichworte fielen am Dienstagabend in der Diskussion mit Olaf Lies, Niedersachsens Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Bei den „Helmstedter Gesprächen“ in der Schöninger Tourist-Info ging es um die Frage: „Braunkohle weg – was nun?“. Neben dem Minister standen als Gastgeber der SPD-Landtagsabgeordnete Jörn Domeier und Bürgermeisterkandidat Malte Schneider sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs den Bürgern Rede und Antwort. Das Thema lockte mehr Politikinteressierte als erwartet ins ehemalige Gefängnis: „Dass wir noch Stühle reintragen müssen, erleben wir bei der SPD auch nicht immer“, staunte und freute sich nicht nur Mohrs am Ende über die mehr als 80 Gäste.

Und die nahmen Umweltminister Lies beim Wort, der sich eine „mutige und kantige“ Diskussion wünschte und gleich zum Auftakt klar machte: „Man kann die Entwicklung eines solchen Gebietes, das enorme Perspektiven bietet, die aber nicht vom Himmel fallen, nicht sich selbst überlassen.“ In seinem Statement forderte er für den Wandel im Helmstedter Revier: „Es braucht dafür einen professionellen, strukturellen Prozess, in dem man Chancen gestaltet, ergreift und hierher zieht.“

So sah es auch Mohrs: „Wir haben jetzt die Zusage vom Bund, dass wir 90 Millionen Euro bekommen. Nun ist es die Aufgabe des Landkreises und des Landes Niedersachsen, zusammen eine Regelung zu finden, wie und was wir aus dem Geld machen.“

Der Minister wie auch der Bundestagsabgeordnete warben dafür, eine Landesentwicklungsgesellschaft zu gründen, „die Aufgaben übernimmt, die die Stadt Schöningen und der Landkreis Helmstedt alleine nicht schaffen können“.

Er sei überzeugt, dass Schöningen und der Landkreis Helmstedt mit dem Standort Buschhaus „ein Ass im Ärmel haben, dass wir mit Bedacht und Weitsicht ausspielen müssen“, blickte Bürgermeisterkandidat Malte Schneider in die Zukunft. Der Standort Buschhaus biete Energie, Wärme, Platz und Infrastruktur im Überfluss – und somit beste Voraussetzungen für eine industrielle Nachnutzung. Bei allen Überlegungen dazu gelte es, „ohne Denkverbote an die Sache heranzugehen“. Wenn die Landesregierung sich auf die Fahnen schreibe, Spitzenreiter in Sachen Wasserstoff-Forschung werden zu wollen, so Schneider, dann könne Lies die Standortbewerbung des Helmstedter Reviers gleich mit nach Hannover nehmen.

Diese Offerte nahm der Umweltminister ebenso aufmerksam zur Kenntnis wie die zahlreichen Anregungen der Bürger. Die wünschten sich konkretere Informationen zu den geplanten Projekten des Strukturwandel-Prozesses, fragten nach dem Stand der Rekultivierungsmaßnahmen und dem Verfahren beim Rückbau des Kraftwerks oder wollten wissen, wie sich eine touristische Entwicklung der Region mit dem gleichzeitigen Ziel, industrielle Arbeitsplätze zu schaffen, unter einen Hut bringen lässt.

Der Ansatz müsse lauten, sich nicht nur auf eine Lösung zu fokussieren, sondern die Bandbreite aller Ideen zu nutzen, entgegnete Lies. Wichtig sei es vor allem, den Zeitvorsprung zu nutzen, um beim Strukturwandel die Vorreiterrolle einzunehmen: „Was das Helmstedter Revier bereits hinter sich hat, haben alle anderen noch vor sich.“

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