Manege frei! – Nach einem halben Jahr Corona-Pause

Leiferde.  Der „Circus Mirage“ will sich für die vielen Spenden mit Gratis-Vorstellungen bedanken.

Jeronimo Lauenburger mit Apache, einem der Zirkusponys.

Jeronimo Lauenburger mit Apache, einem der Zirkusponys.

Foto: Reiner Silberstein

Was mögen die Lamas, Esel, Kamel Caesar, Pony Apache und die Ziegen wohl denken? Warum geht es denn gar nicht weiter? Seit Monaten steht der „Circus Mirage“ im selben Dorf, irgendwo am Rande der Heide. Kein einziger Auftritt. „Und die Tiere sind total gelangweilt“, weiß Jeronimo Lauenburger, „für die sind die Vorführungen vor Publikum Bespaßung, bei der es auch immer Leckerlis gibt.“

Die Corona-Pandemie hatten er und seine Familie nicht eingeplant – und so waren die Zirkusleute Mitte März mit Frau, Mann und Maus im beschaulichen Leiferde gestrandet. Dank der Spenden und Hilfen aus Ort, Umgebung und vom Staat konnte der Zirkus überleben. Diese und nächste Woche will er sich dafür bedanken: mit kostenlosen Vorstellungen.

„Es ist sehr, sehr schwer“, sagt der 24-Jährige. Nur mit dem Geld vom Staat wäre das Familienunternehmen nicht überlebensfähig. Zum Glück gibt es Spenden. „Für die Tiere haben wir immer genug Futter bekommen, Heu, Stroh, Kraftfutter, Karotten, Salzsteine – alles, was sie brauchen.“ Landwirte und Privatleute aus der ganzen Umgebung hätten mehr als genug gegeben. „Zwischenzeitlich hatten wir schon keinen Lagerplatz mehr. Da haben wir gesagt, wir holen es ab, wenn wir es brauchen.“

Auch die Gemeinde helfe: „Strom und Wasser brauchen wir nicht zu bezahlen, das ist sehr nett“, sagt der Artist. Zelt und Wagen stehen auf dem Schützenplatz auf dem Gilder Weg – ein Schützenfest gab es dieses Jahr ja eh nicht. „Aber dass wir so lange hier stehen dürfen, ist ja keine Selbstverständlichkeit. Niemand macht uns Druck.“

Deshalb wollen die Zirkusleute ihren Dank zum Ausdruck bringen, und zwar mit insgesamt acht Gratis-Vorstellungen. Von Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. September, sowie vom 1. bis 4. Oktober öffnet der Circus Mirage jeweils ab 16 Uhr seine Manege. Dann zeigen die Tiere wieder ihr Können, wirbeln die Akrobaten durch die Luft, demonstriert der Messerwerfer seine Treffsicherheit und bringen die Clowns die Kinder zum Lachen.

Eigentlich ist das Zelt für 350 Zuschauer ausgelegt, zu Corona-Zeiten passen jedoch höchstens 100 hinein. Zwischen den Gruppen aus einer Familie müssen immer zwei Plätze frei bleiben. Auf den Gängen gilt das Einbahnstraßensystem, überall stünden Desinfektionsspender parat, zur Lüftung bleiben Zeltplane an mehreren Stellen geöffnet. „Der Eintritt ist frei als Dankeschön. Wer möchte, darf aber gern etwas zum Erhalt des Zirkus spenden.“ Man könne spontan vorbeikommen oder zur Sicherheit telefonisch Plätze reservieren.

Und wie geht es danach weiter? „Das wissen wir noch nicht“, sagt Jeronimo Lauenburger. Der Zirkus würde jetzt, wo Vorstellungen mit Hygienekonzept wieder möglich sind, gern auch wieder regelmäßig weiterziehen – und auf eigenen Füßen stehen. Aber: „Wir haben mehrere Städte angefragt, aber nicht eine einzige Zusage bekommen.“ Frühestens für Oktober 2021.

Gibt es keine neuen Angebote, ist der Zirkus am jetzigen Standort gefesselt. Und der Familie bleibt nichts anderes übrig, als zu trainieren, trainieren, trainieren. „Die Kraft muss ja bestehen bleiben“, sagt der 24-jähriger Artist. Letztlich sei das aber nicht dasselbe wie wöchentliche Auftritte: „Wenn die Nervosität nicht mehr da ist, geht die Routine verloren.“ Das sei wie bei einem Fahrschüler, der nie eine Prüfung macht. „Es ist ganz wichtig, mal wieder vor Publikum aufzutreten“ – deshalb liege der Familie viel an den Vorführungen in den kommenden Tagen.

Auch für die drei Kinder Jesse-James (6), Rihanne (12) und Diego (15) sei alles ganz anders. Im Gegensatz zu Kindern mit festem Wohnsitz in Leiferde gibt es für die drei weiterhin ausschließlich Homeschooling per Internet. „Sonst kam zweimal in der Woche das Zirkusschule-Wohnmobil zu uns.“ Seit Corona sei das nicht möglich. „Jetzt läuft alles online, die W-Lan-Box hat die Zirkusschule gestellt.“

Vorstellungen: täglich von Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. September, sowie von Donnerstag, 1., bis Sonntag, 4. Oktober, jeweils um 16 Uhr auf dem Schützenplatz am Gilder Weg in Leiferde. Freier Eintritt, Spenden gerngesehen. Reservierungen unter (0162) 8180202.

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