BIG: „Westerbeck ein MEGA-Hotspot im Landkreis Gifhorn“

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In dem Beitrag ging es unter anderem um das Alten- und Pflegeheim in Westerbeck. 

In dem Beitrag ging es unter anderem um das Alten- und Pflegeheim in Westerbeck. 

Foto: Dirk Kühn / BZV

Diesen Beitrag veröffentlichte Andreas Kautzsch, Sprecher der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Sassenburg, auf der BIG-Homepage am 13. Februar:

Dieser Text bezieht sich auf diesen Artikel: Betreiber und Landkreis Gifhorn stellen klar: Keine 25 Toten

„Liebe Lesende, lange Zeit habe ich das Agieren und die Entscheidungen von Kreis, Land und Bund kommentarlos hingenommen. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich als Ratsherr im Westerbecker Ortsrat und Sassenburger Gemeinderat den Mund aufmachen muss.

Dieser Beitrag soll nicht dazu dienen, die Corona-Pandemie zu verharmlosen oder anzuzweifeln bzw. Verschwörungstheorien zu befeuern. Er soll vielmehr auf die fehlende Transparenz und die Hilflosigkeit der Verantwortlichen im Landkreis Gifhorn aufmerksam machen und aufrütteln.

Zwischenzeitlich hatte sich Westerbeck zu einem MEGA-Hotspot entwickelt, weil hohe Infektionszahlen, u. a. in einer Einrichtung und in Familien, die sich an keine Regeln halten wollen, vorhanden waren. Mittlerweile sind im Westerbecker Senioren- und Pflegezentrum schon min. 25 Todesopfer im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu beklagen.

In der Ortschaft dreht diese Information bereits die Runde. Von offizieller Seite fehlt der Mut, offen darüber zu sprechen. Weder von der Gemeinde noch vom Landkreis und erst recht nicht von der Presse wird dies thematisiert. Mir reicht es nicht mehr, wenn über die Todesfälle nur „Die Personen gehörten alle zu der Gruppe der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger und waren wohnhaft in einem Alten- und Pflegeheim“ berichtet wird.

Jede der dem Landkreis angeschlossenen Einheits-, Samtgemeinden und Städte erhält zwar regelmäßig von der Landkreisverwaltung die Fallzahlen, wird aber zum Schweigen verdonnert. Besondere Geheimniskrämerei – in den Zahlen sind allerdings nicht die Fallzahlen der lokalen Einrichtungen enthalten. So kann es nicht weitergehen! Nur mit vollständiger Transparenz und Offenheit kann man Vertrauen schaffen und eine Akzeptanz für bessere zielgerichtetere, wirkungsvollere Maßnahmen erreichen. Bisher wurde aus Hilflosigkeit ein rund 1500 Quadratkilometer großer Landkreis flächendeckend mit Maßnahmen belegt. Eine ähnliche Hilflosigkeit scheint bei der Verlängerung der Maßnahmen von Bund und Ländern zu bestehen. Wen wundert dann noch eine nachlassende Akzeptanz…

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Zweifelhafte Rolle der Presse

Weil ich mich in der Sitzung des Westerbecker Ortsrates Ende Dezember 2020 bei der Veranstaltungsplanung gegen eine gemeinsame Durchführung eines Dorfflohmarktes von Ortsrat und dem ortsansässigen Senioren- und Pflegezentrum im Sommer dieses Jahres entschieden habe, wurde ich in der Berichterstattung durch die Gifhorner Rundschau kritisiert.

Meine Entscheidung beruht auf der Erkenntnis, welchem Risiko Bewohner und Mitarbeiter einer solchen Einrichtung in der Corona-Pandemie ausgesetzt sind – mit oder ohne Impfung! Die Gifhorner Rundschau betitelt die dadurch entstandene normale politische Debatte in einer völlig überzogenen und reißerischen Darstellung als „Zoff“, „Streit“ oder „Zwist“. Die traurigen Ereignisse zeigen, dass es gut ist, eine andere Meinung zu haben und diese zu vertreten!

Die Pressefreiheit ist dazu da, in der Demokratie eine möglichst breite Meinungsvielfalt zu garantieren. Mit der Berichterstattung der Gifhorner Rundschau soll aber genau diese Meinungsvielfalt unterdrückt werden. Das Geschäftskonzept der Gifhorner Rundschau, die innerhalb der Funke-Mediengruppe erscheint, erwartet grundsätzlich in der öffentlichen und politischen Debatte eine möglichst große „Harmonie“.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Printmedien im Landkreis Gifhorn kaum offen über die Zustände in der Corona-Pandemie berichten, die Hilflosigkeit des Landrats hinnehmen und schützen. Warum werden die Fallzahlen, die Lage der Hotspots und die Maßnahmen nicht kritisch hinterfragt und transparent berichtet?

Die Medien verstehen Kritik am besten durch die Kündigung eines bestehenden Abos. Mittlerweile gibt es viele alterative und vor allem kostenlose Angebote, sich zu informieren.“

Andreas Kautzsch

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